Erfolgreich mit "Trickfilm-Journalismus"

Er erklärt uns Kassel und die Welt - und arbeitete schon für deutschen ESC-Star

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Am Denkmal für Landgraf Friedrich, den er in einem seiner Animationsfilme ebenfalls als Erklärfigur genutzt hat: Trickfilmer Felix Kramer Kassel mit seinem Rennrad auf dem Friedrichsplatz. In seinem nächsten Projekt geht es um das Insektensterben.

Kassel. Wie funktionieren die Wasserspiele im Bergpark? Was finde ich eigentlich wo im umgebauten Landesmuseum? Fragen wie diese beantwortet Felix Kramer - Animator aus Kassel. 

Auf komplexe Fragen gibt Felix Kramer verständliche Antworten. Mit seinen wenige Minuten langen Erklärfilmen hat sich der 31-jährige Animations- und Trickfilmer einen Namen in Kassel gemacht. Die Stadt, Kassel Marketing und die Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK) gehören zu den Auftraggebern.

Kramer zeichnet am Tablet. Gern setzt er historische Persönlichkeiten als Figuren ein, die etwa über Technik oder Geschichte berichten. Die Filme sind informativ, aber auch humorvoll. Etwa wenn Herkules sich Bergpark-Besuchern als dauerhafter Ansprechpartner anbietet („Ich stehe immer da oben“) oder der uniformierte Landgraf mit Mikro den Baustellen-Reporter gibt.

Genial einfach in Szene zu setzen, das macht richtig Arbeit. „Für einen Film brauche ich ein bis zwei Monate allein für die technische Umsetzung“, sagt Kramer. Das Skript wird vorher erstellt, meist bespricht er seine Filme auch selbst. Alles in allem kann sich ein Projekt über ein dreiviertel Jahr hinziehen.

Kramer nennt das „Trickfilm-Journalismus“. Sein jüngstes Projekt war für das heutige Tigerenten-Rennen, sein nächstes ist zur Ausstellung „Ausgesummt“ im Naturkundemuseum geplant. Thema: „Insektensterben“. Auch zu Plasma-Blutspenden und Menschenrechten produzierte er bereits Beiträge.

Kramer erklärt Kassel und die Welt. „Ich bin offen für alle Stilformen“, meint er. Mit Erklärfilmen ließen sich Inhalte aber besonders gut kommunizieren. Das kommt an: Sein Welterbe-Film wurde auf Facebook 50.000 mal, auf YouTube 30.000 mal geklickt.

Er ist froh, dass er von seiner Filmarbeit leben kann. „Ich hätte aber schon Lust, auch mal einen Festival-Film zu machen“, räumt der Kasseler ein. Damit könnte er auch sein Studium im Fach Visuelle Kommunikation abschließen. Der Abschluss sei nämlich mit Erklärfilmen nicht möglich.

Übrigens: Die Animation für Michael Schulte, der Deutschland am Samstag beim Eurovision Song Contest (ESC) vertritt, ergab sich durch eine Internetanfrage des Sängers. Kramer drückte 2014 im Musikvideo „Thoughts“ die im Liedtext vorkommenden Gedanken des Sängers in Zeichnungen aus. Getroffen habe man sich nie, bedauert Kramer. "Aber Schulte ist ein echt guter Musiker."

Zur Person: Felix Kramer (31) wurde 1987 in Kassel geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er im Edertaler Ortsteil Bergheim (Landkreis Waldeck-Frankenberg), in Fritzlar machte er sein Abitur. Anschließend kehrte er zum Studium an der Kunsthochschule nach Kassel zurück, war zwischendurch auch an der Universität in Leipzig.

Felix Kramer hat eine Schauspielausbildung mit Sprechtraining absolviert und wirkt in dem Theaternetzwerk Brachland-Ensemble mit. Noch vor dem Uni-Abschluss im Fach Visuelle Kommunikation machte sich der 31-Jährige vor rund vier Jahren in Kassel als Animations- und Trickfilmer selbstständig. Beruflich und in der Freizeit ist er am liebsten mit seinem blauen Rennrad unterwegs.

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