Gespräch mit Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch

Nach Verfahren gegen Neureuther: Wie verhält man sich richtig nach Unfall?

Die Staatsanwaltschaft München II hat am Freitag ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Unfallflucht gegen Felix Neureuther eingeleitet. Wir sprachen mit Kassels Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch, wie man sich nach einem Unfall korrekt verhält.

Wie verhält man sich richtig, wenn man einen Unfall gebaut hat, bei dem man keinen anderen geschädigt hat?

Jungnitsch: Man muss die Polizei anrufen, seine Personalien und das Kennzeichen angeben und normalerweise warten, bis die Beamten vor Ort sind. Wichtig ist nämlich, dass Art und Umfang der Schäden klar festgestellt werden.

Ein Anruf bei der Polizei reicht also nicht aus?

Lesen Sie auch:

Video: Neureuther über Unfall - Diagnose da

Exklusiv: Freundin Gössner zum Neureuther-Unfall

Jungnitsch: Richtig, denn am Telefon kann man viel erzählen. Zumal Beschädigungen einer Leitplanke nachts von einem Laien nicht richtig beurteilt werden können. Die Polizei ist ja auch in der Regel schnell da. Aber sicher kann man Mittel und Wege finden, wenn man seine Umstände glaubhaft schildert – zum Beispiel vereinbaren, sich später auf dem Revier zu melden.

Gibt es Umstände, die rechtfertigen, dass man nicht auf die Beamten warten muss?

Jungnitsch: Nein, eigentlich nicht. Aber es wird, wenn zum Beispiel eine Frau in den Wehen liegt und ins Krankenhaus gebracht werden muss, im Nachhinein nicht zu einer Anklage wegen Fahrerflucht kommen. Ein möglicherweise verpasster Flieger zu Olympia zählt aber sicher nicht zu diesen Schuldausschließungsgründen. (srx)

Hintergrund

Hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Unfallflucht eingeleitet, wird die Polizei schnellst möglich Spuren sichern – am Unfallort und Unfallauto. Ein dann zugeteilter Sachbearbeiter wird per Post eine etwa eine Woche später terminierte Vorladung an den Beteiligten schicken. Zu dieser muss der Betreffende laut Polizeisprecher Jungnitsch auch nicht persönlich erscheinen, sondern kann sich durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen.

Bei gewichtigen Gründen kann eine Vorladung verschoben werden. Aus dem Land ausreisen dürfe man nur nicht, wenn ein Haftbefehl vorliegt. „Das ist nur bei Kapitalverbrechen der Fall. Im Fall Neureuther ist das kein Thema“, sagt Dr. Götz Wied, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. (srx)

Rubriklistenbild: © dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.