Magazin berichtet über Arbeitsbedingungen bei Kaufunger Spedition Ullrich

Ein Fernfahrer packt aus

Speditionen am Pranger: Laut Ver.di gibt es in der Branche einige schwarze Schafe. Dieses Symbolbild zeigt Lastwagen auf der Autobahn. Foto: dpa

Kassel. Die Logistikbranche in Nordhessen sorgt weiter für Schlagzeilen: Das Magazin Stern schildert in seiner aktuellen Ausgabe den Fall eines Fernfahrers, der die Arbeitsbedingungen bei der Kaufunger Spedition Ullrich anprangert.

In der Titelstory „Geschäftsmodell Ausbeutung“ berichtet der Fahrer, wie er im Mai 2009 bei der Spedition anheuerte. Er habe 1490 Euro brutto inklusive Überstunden und Zuschläge verdient. Bei einer Arbeitszeit von über 13 Stunden pro Tag sei er am Ende auf einen Stundenlohn von unter sechs Euro gekommen.

Tariflohn sind laut Ver.di 10,75 Euro pro Stunde. Liegt ein Lohn mehr als ein Drittel unter dem Tarif, gelte er als sittenwidrig. In einer E-Mail, die der HNA vorliegt, bestätigte der Fahrer seine Vorwürfe. Das Unternehmen Ullrich wollte sich zu den Anschuldigungen gestern nicht äußern.

„Ullrich steht symbolisch für viele andere Unternehmen“, sagt Manuel Sauer, zuständiger Ver.di-Generalsekretär. Die Gewerkschaft nennt auch die Namen beschuldigter Unternehmen.

Bereits am Mittwoch hatte Ver.di kritisiert, dass in der Logistikbranche Zustände wie im Wilden Westen herrschten. Einige Firmen scherten sich nicht um Lenk- und Ruhezeiten, verstießen gegen Arbeitszeitgesetze und zahlten sehr niedrige Löhne.

Der nordhessische DGB-Vorsitzende Michael Rudolph forderte unterdessen auch mit Blick auf die Logistikbranche Argen wie die AFK Kassel auf, Arbeitgeber mit sittenwidrigen Löhnen zu verklagen. Die Behörden sollten sich so Sozialleistungen zurückholen.

Arge klagte erfolgreich

„Mancher Arbeitgeber nutzt die Not der Menschen schamlos aus und lässt sie für Hungerlöhne arbeiten“, sagt Rudolph. Diese müssten von den Argen, also der Allgemeinheit, aufgestockt werden.

„Hier werden die Sozialkassen geplündert.“ Rudolph verweist auf die Arge in Stralsund. Diese hatte einen Arbeitgeber verklagt, der sittenwidrige Löhne gezahlt hat. Das Arbeitsgericht hat ihn verurteilt, der Arge Teile der ergänzenden Sozialleistungen zu erstatten, den diese ergänzend zum Arbeitslohn zahlen musste.

Der Arbeitgeber hat Berufung gegen dieses Urteil eingelegt. „Wenn die nordhessischen Argen diesem Beispiel folgen, wird es auch für einige hiesige Arbeitgeber ziemlich ungemütlich“, sagt Rudolph.

(Arbeitsgericht Stralsund AZ 1 Ca 313/08)

Von Göran Gehlen

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