Sonderausstellung zu Dickhäutern im Herbst 2022 geplant

3D-Abbild von Goethe-Elefant im Naturkundemuseum Kassel

Die zoologische Präparatorin Britta Wienpahl holt den Schädel des Goethe-Elefanten aus der Vitrine des Naturkundemuseums.
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Die zoologische Präparatorin Britta Wienpahl holt den Schädel des Goethe-Elefanten aus der Vitrine des Naturkundemuseums.

Der Schädel von Kassels Goethe-Elefant als Schlüsselanhänger? Den könnte es bald im Shop des Naturkundemuseums geben. Hinter diesem banalen Beispiel verbirgt sich eine hoch spannende Geschichte.

Denn der Goethe-Elefant, dessen Skelett die Besucher normalerweise nur in einer riesigen Vitrine sehen können, wurde jetzt per 3D-Scantechnik erfasst. Sein dreidimensionales Abbild fließt in eine Sonderausstellung zu Elefanten ein.

Die Daten, die bei dieser Form der Digitalisierung entstehen, lassen eine originalgetreue Rekonstruktion zu – in der Größe des Originalschädels, aber auch im Miniaturformat. Das ist ein in vielerlei Hinsicht zukunftsweisender Vorgang, den eine wissenschaftliche Kooperation des Naturkundemuseums mit der Jade Hochschule in Oldenburg möglich machte.

Ein Team aus Mitarbeitern und Studierenden des Instituts für Angewandte Photogrammetrie und Geoinformatik war jetzt zu Gast in Kassel. Begleitet von Institutsprofessor Thomas Luhmann machten der wissenschaftliche Mitarbeiter Paul Kalinowski und Bachelor-Student Marcel Mittmann per Digitalkamera und 3D-Handscanner insgesamt 400 Fotos von dem Elefanten. Über den Vorgang der digitalen Erfassung, verbunden mit dem Ziel, sowohl das Modell als auch die Originalfarbe für eine Reproduktion festzuhalten, schreibt Mittmann eine Bachelorarbeit.

Was für den Wissenschaftler den Abschluss seines Studiums markiert, ist für Museumsdirektor Kai Füldner die Gelegenheit, ein wertvolles Exponat für die Ewigkeit festzuhalten. „Was nicht digitalisiert ist, existiert nicht. Darauf wird es mal hinauslaufen“, sagt Füldner, der Luhmann auf einer Tagung kennenlernte, wo der Wissenschaftler über 3D-Projekte berichtete.

Füldner brachte das auf die Idee, diese Technik für das Naturkundemuseum zu nutzen. „Ich hatte den Gedanken, den Schädel zu rekonstruieren und fragte: Kriegt ihr das hin?“ Luhmann, der nicht alle Tage so ein herausragendes Stück Wissenschaftsgeschichte in den Händen halte, wie er selbst sagt, machte es möglich.

Sanftes Verfahren: Marcel Wittmann (links) und Paul Kalinowski fotografieren den Schädel des Goethe-Elefanten im Naturkundemuseum. Sie müssen ihn dazu kaum berühren und schädigen das kostbare Ausstellungsstück daher nicht.

Mit der Digitalisierung des Goethe-Elefanten könne man diesen Schatz nicht nur anderen Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zu Forschungszwecken zur Verfügung stellen. Auch die Museumsbesucher sollen davon profitieren, indem sie ihren Elefanten fortan nicht mehr nur durch das Vitrinenglas ansehen, sondern auch anfassen können. Und mehr noch: „Wir könnten im nächsten Schritt sogar die Haut erstellen lassen und dem Goethe-Elefanten ein Gesicht geben.“

Füldners Begeisterung ist groß – seine Vorfreude auf Herbst 2022 größer. Denn der 3D-Scan ist ein Schritt in Richtung neuer Sonderausstellung: einer Wanderausstellung rund um die Dickhäuter. Es werde eine umfassende Schau mit vielen herausragenden Originalpräparaten und lebensgroßen Rekonstruktionen geben. Neben der Geschichte der Rüsseltiere und aktuellen Problemen beim Schutz soll sich die Ausstellung dem Goethe-Elefanten in allen Facetten widmen. „Er ist eine wichtige Identifikationsfigur für die Ausstellung“, sagt Füldner über das Tier, das in den Jahren 1773 bis 1780 am Fuße des Kasseler Weinbergs in der Menagerie des Landgrafen Friedrich II. lebte und durch einen tragischen Sturz zu Tode kam.

Bald wird man den Zwischenkieferknochen, der schon Goethe faszinierte, anfassen können – und mehr noch: Man kann einem Elefanten ins Gehirn gucken.

(Anna Lischper)

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