Kinderklinik des Klinikums behandelt schwer brandverletzte Kinder

Schwer brandverletztes Kind: Auch das Schicksal von Ruddin aus Afghanistan, der im Kasseler Zentrum behandelt wurde, ging dem Klinik-Team nahe. Der Zehnjährige (hier mit Pfleger) hatte bei einem Unfall mit Lampenöl Verbrennungen erlitten. Archivfoto: nh

Kassel. Manchmal nimmt die Öffentlichkeit das Schicksal schwer brandverletzter Kinder kurz wahr. Erst in der vergangenen Woche gab es eine Meldung über einen Grillunfall bei Fulda, bei den ein vierjähriges Kind schwere Verbrennungen erlitt.

Im Zentrum für schwer brandverletzte Kinder in der Kinderklinik des Klinikums Kassel werden jährlich 70 Kinder und Jugendliche mit solch schweren Verbrennungen stationär und noch einmal rund 140 ambulant behandelt. Für die betroffenen Kinder und ihre Familien sind solche Unfälle der Beginn eines langen Leidens- und Genesungsweges. Krankenhausaufenthalte von sechs bis zwölf Wochen und Nachsorgezeiten von durchschnittlich zwei Jahren sind die Regel. Trotz aller medizinischer Bemühungen werden die Kinder die Narben ein Leben lang tragen.

Meist sind es Kleinkinder, die Verbrühungen erlitten haben, sagt der Leiter des Zentrums, Dr. Joachim Suß. Umgekippte Kaffeetassen, dampfende Inhalierlösungen oder herabfallende Wasserkocher können bei Kindern verheerende Verletzungen verursachen. Feuerunfälle wie bei dem jüngsten Grillunfall haben wegen der sehr hohen Temperaturen oft besonders schlimme Folgen. Denn die Haut von kleinen Kindern ist sehr dünn und zart. So kann das Organ so tief geschädigt werden, dass in vielen Fällen auch Hauttransplantationen nötig sind, sagt der Kinderchirurg.

Zwei spezielle Intensivbehandlungsräume stehen für die besonders schweren Fälle in der neuen Kinderklinik zur Verfügung. Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige müssen erst durch eine Schleuse, um hineinzugelangen. Wenn nötig, können in diesen Einheiten unter anderem die Lufttemperatur und die Feuchtigkeit reguliert werden.

Aus einem der Räume ist Kinderweinen zu hören. Die Physiotherapeutin macht Krankengymnastik mit einem kleinen Patienten. Das ist unter anderem auch deshalb wichtig, um zu verhindern, dass bei der Narbenbildung die Beweglichkeit der Gelenke eingeschränkt wird.

Begleitende Therapien

Nicht nur auf die anspruchsvolle Arbeit der Kinderchirurgen kommt es an. Die brandverletzten Kinder brauchen auch intensive begleitende Behandlungen wie Krankengymnastik und Ergotherapie. Während der oft monatelangen Krankenhausaufenthalte brauchen die Kinder und auch ihre Eltern zudem psychologische Betreuung. Die Situation ist oft sehr belastend, zumal viele Eltern sich Vorwürfe machen, dass es zu dem Unfall kommen konnte.

„Wir versuchen, auch die Eltern aufzufangen“, sagt der Mediziner. Denn auch sie müssen stark sein, obliegt ihnen doch die aufwendige Nachsorge zu Hause. So werden die Eltern geschult, um zum Beispiel das Anlegen einer speziellen Kompressionskleidung zu erlernen, die die Kinder nach dem Krankenhausaufenthalt noch rund zwei Jahre tragen müssen.

Von Martina Heise-Thonicke

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