Spannende Vorführungen - Besucher kamen in Scharen

Mit Feuereifer am Werk beim Blauen Sonntag

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Hatten ihren Spaß: Cristian und Audrey Juan sowie der fünfjährige Lucas waren von den Elektroautos auf dem Betriebshof Ost der Städtischen Werke fasziniert.

Kassel. Im Messinghof schürte Hobbyschmied Boris Klopotek das Feuer, auf ihrem Betriebshof Ost stellte die Städtische Werke Netz + Service GmbH elektrobetriebene Fahrzeuge vor. Wer wollte, konnte mal Probe fahren.

Feuer, Wasser, Dampf, Sonnenkraft - einen Überblick über die früher und heute eingesetzte Energie verschaffte der Blaue Sonntag des Netzwerks Industriekultur Nordhessen (Nino), zu dem die Besucher gestern in Scharen kamen. Über 15 Industriedenkmäler, Museen und Betriebe in Stadt und Kreis hatten ihre Türen geöffnet.

Im 333 Jahre alten Messinghof in Bettenhausen, wo einst die Herkulesfigur geschmiedet wurde, scharten sich die Besucher im alten Gießhaus. Sie konnten vor Ort gegossene Flaschenöffner als Andenken mit nach Hause nehmen. Gerd Möller von der Liebenauer Firma Duklo Kunstguss stellte die Form unter neugierigen Blicken für den Abguss her. In der Esse nebenan ließ Hobbyschmied Boris Klopotek schon mal das Messing schmelzen.

Altes Handwerk: Metallgießer Gerd Möller (links) und Hobbyschmied Boris Klopotek heben den Schmelztiegel aus dem Feuer. Sie gossen im Messinghof Flaschenöffner für die Besucher.

Männer, Frauen, Kinder drängten sich um sie. Michael Ernst war vor allem von der Geschichte des Bettenhäuser Industriedenkmals angetan. „Es ist bemerkenswert, wie das damals alles angefangen hat durch den Landgrafen“, sagte der 61-Jährige nach dem Vortrag von Albert Gronau, dem Vorsitzenden des Vereins Herkulesschmiede Messinghof. „Ein tolles Kulturdenkmal. Ich hoffe, dass es nicht weiter verfällt“, sagte Helga Nitsche aus Kaufungen, die mit Sohn und Enkel da war.

Das dachten auch manche der zahlreichen Besucher, die in die ehemalige Salzmann-Fabrik gekommen waren. Elisabeth und Wolfgang Ahrens aus Helsa nutzten die Gelegenheit, um gemeinsam mit ihrem Sohn Helge vor dem geplanten Umbau noch einmal einen Blick in ihre ehemalige Arbeitsstätte zu werfen.

Mit Gitarre: Oliver Leuer (links) von der Kulturfabrik zeigte den Besuchern auch das nahezu unveränderte ehemalige Verwaltungsgebäude von Salzmann.

Das spätere Ehepaar war Anfang der 1960er-Jahre bei Salzmann zu Industriekaufleuten ausgebildet worden, kurz bevor die Tore an der Sandershäuser Straße für immer geschlossen wurden. „Wir sind das erste Mal wieder hier“, sagte die 63-Jährige. „Das ist für uns ganz spannend.“ Ihr Mann kann sich noch gut daran erinnern, dass sie früher bei Hochwasser die Boote im Keller umlagern mussten. Bei Salzmann wurde zu dieser Zeit eine ganze Produktpalette hergestellt, auch Schlauchboote und Zeltplanen gehörten dazu. „Das hat sich hier keinen Deut verändert“, stellte der 64-Jährige beim Gang durch das frühere Verwaltungsgebäude fest.

Bernd Kleibl und Karin Lenz-Kleibl aus Niestetal wollten noch einmal einen Blick in das Bettenhäuser Industriedenkmal aus dem späten 19. Jahrhundert werfen, bevor es zum Technischen Rathaus und Dienstleistungszentrum umgebaut wird. Oliver Leuer, der die Besucher durch die Fabrik führte, erinnerte mit einem mitgebrachten kleinen Webrahmen an die Anfänge.

Von Ellen Schwaab

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