Mehr als 500 Mal ausgerückt

Heftiges Unwetter in Kassel: Feuerwehr hat viel Arbeit nach Einsätzen

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Ein Löchlein kann tödlich sein: Christian Glorius prüft in der Atemschutzwerkstatt die Masken und Atemschutzgeräte.

Kassel. Nach mehr als 500 Einsätzen während der heftigen Gewitter am Dienstag und Mittwoch hätte sich die Feuerwehr eigentlich eine Pause verdient. Doch in der Feuerwache an der Wolfhager Straße kann keiner die Füße hochlegen.

Nach dem Großeinsatz fällt auch extra viel Arbeit an: Das gesamte Material von Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren muss gereinigt, geprüft und sortiert werden.

Wäscherei 

In der Wäscherei der Feuerwehr stehen die Maschinen seit Mittwoch nicht still. Fast 200 Monturen müssen von Schmutz, getrocknetem Schlamm, Ruß und natürlich Schweiß gereinigt werden. Die Dreckwäsche fassen Rafael Alcala und Stefan Fuchs nur mit Gummihandschuhen an. Denn die Kleidung kann auch mit giftigen Stoffen verunreinigt sein. Solange die persönlichen Kleidungsstücke in der Wäsche sind, tragen die Feuerwehrleute Ersatzgarnituren.

Schlauchwerkstatt 

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Auf dem Weg in die Schlauchwerkstatt klingelt plötzlich der Alarm. Aus allen Ecken des Gebäudes sprinten Feuerwehrleute herbei, schlüpfen in ihre Jacken und Einsatzhosen und brausen mit dem Feuerwehrauto davon. Weil sein Kollege zum Einsatzteam gehört, muss Thorsten Fischer an der Schlauchpflegemaschine allein weiterarbeiten. Hier werden die 15 bis 30 Meter langen Schläuche nach jedem Einsatz gewaschen und auf Schäden kontrolliert. Dazu werden sie in einer speziellen Maschine auf 14 bar aufgepustet (ein Autoreifen hat 2 bar). Ist ein Riss im Schlauch, hält er dem Druck nicht stand und platzt. Kleinere Undichtigkeiten werden ausgebessert. Mehr als einen Flicken darf ein Schlauch aber nicht haben. Von den bisher 90 geprüften Schläuchen, die beim Unwetter im Einsatz waren, hatten drei Defekte. „Erstaunlich wenig“, sagt Fischer. Nach Wäsche und Prüfvorgang rollt die Maschine die Schläuche automatisch auf und der Hauptbrandmeister sortiert sie ein.

Gerätekammer 

Die elektrischen Tauchpumpen, mit denen in den vergangenen Tagen Hunderte Keller leer gepumpt wurden, prüft Werkstattleiter Joachim Wagner in der Gerätekammer. „Gerade bei elektrischen Geräten muss man sehr gründlich sein, um Kollegen nicht zu gefährden“, sagt er. Denn die Pumpen stehen bei den Einsätzen unter Wasser. Da darf kein Kabel beschädigt sein. Auch die Kettensägen, mit denen umgestürzte Bäume zerlegt wurden, und die Wassersauger werden auf ihre Funktion und Sicherheit geprüft.

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Atemschutzwerkstatt 

Feuerwehrmänner in der Waschküche: Rafael Alcala, Werkstattleiter Materialpflege, und Stefan Fuchs sind für die Reinigung der Einsatzkleidung zuständig.

Christian Glorius war am Dienstagabend selbst unter Atemschutz in Rothenditmold in einem überfluteten Keller im Einsatz. Weil Heizöl im Wasser war, mussten er und seine Kollegen sich vor den giftigen Dämpfen schützen. Jetzt kontrolliert der Brandmeister in der Atemschutzwerkstatt die 80 Masken, Geräte und Sauerstoffflaschen, die bei den Unwettereinsätzen benutzt wurden. Nach Reinigung und Desinfektion werden die Masken, Schläuche und Ventile an einer Maschine auf Dichtigkeit geprüft. Wenn die Einsatzkräfte mit einem undichten Atemschutz in ein brennendes Haus gehen würden, könnten sie durch das Einatmen der Rauchgase sterben. „Nach zwei Einsatztagen sind viele von uns kräftemäßig an der Grenze“, sagt Tobias Winter, Leiter der Abteilung Technik der Feuerwehr. Erst selbst war 30 Stunden im Dienst - mit nur zwei Stunden Pause. Dennoch gilt volle Konzentration bei der Gerätereinigung und -wartung. Der nächste Einsatz kommt bestimmt.

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Von Katja Rudolph

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