Feuerwehr warnt: Styroporplatten an Hausfassaden sind bedenklich

Kassel. Das Material dämmt gut, ist preiswert, aber nicht ohne Probleme: Bei einem Hausbrand kann eine mit Styropor gedämmte Fassade zur gefährlichen Falle werden. Daher warnt die Feuerwehr vor den Platten.

Die Dämmplatten gelten zwar als schwer entflammbar, können bei unsachgemäßem Einbau aber wie ein Brandbeschleuniger wirken. „Schwer entflammbar heißt nicht, dass es nicht brennt“, sagt Klaus Mierke, Leiter vorbeugender Brandschutz bei der Kasseler Feuerwehr. Im Gegenteil. Der Brand könne rasend schnell das ganze Gebäude erfassen.

Wegen seiner guten Dämmeigenschaften und der geringen Kosten ist Styropor aber das mit Abstand beliebteste Material zur Wärmedämmung. Der Kasseler Bausachverständige Matthias Gerhardt schätzt, dass es bei Ein- und kleineren Mehrfamilienhäusern sowie bei Reihenhäusern „fast zu 100 Prozent“ eingesetzt wird. Hochhäuser und Bauten, in denen wie zum Beispiel bei Tagungsstätten viele Menschen zusammenkommen, dürfen nicht mit Styropor gedämmt werden.

Zur Wärmedämmung mit Styropor dürfen nur geprüfte Verbundsysteme verwendet werden, für deren Verarbeitung es genaue Vorschriften gibt. Schwachstelle sei der unsachgemäße Einbau, sagt der Kasseler Architekt und Energieberater Manfred Balz-Fiedler. „Es wird oft nicht entsprechend der Zulassung gearbeitet“, sagt er. Fiedler rät, den Handwerksbetrieb sorgfältig auszuwählen, sich die vorgeschriebene Fachunternehmer-Erklärung ausfüllen zu lassen und auch einen Energieberater einzuschalten.

Beim Eigentümerverband Haus und Grund ist man sich der Probleme mit dem Dämmstoff bewusst. „Es fehlt die Erfahrung mit dem Material insgesamt“, sagt Vorsitzender Wolfram Kieselbach. „Und welcher Laie kann erkennen, dass der Handwerker das richtig verarbeitet hat?“ Demnächst werden sich die Bauminister der Länder mit dem umstrittenen Dämmstoff befassen.

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