Fieseler Storch erst 1974 zu Sanitätsflugzeug umgespritzt

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So sieht der Storch heute aus: Der Förderverein hat ihn aufwendig saniert und wieder flugfähig gemacht.

Kassel. Der Fieseler Storch war nie ein Sanitätsflugzeug. Das ist das Ergebnis umfangreicher Recherchen, die die Kasseler Film-Amateure Werner Kossin (71) und Karl-Heinz Roth (72) angestellt haben. Doch wie kann das sein?

Auf den Fotos, die von dem Storch im Kasseler Kulturbahnhof gemacht wurden, ist doch eindeutig das Rote Kreuz zu sehen. „Der Storch ist umgespritzt worden“, sagt Werner Kossin.

1974 wurden die Flugszenen in dem Film „Berlinger – Ein deutsches Abenteuer“ mit dem Kasseler Storch gedreht. Die ersten Szenen des Films mit Hannelore Elsner und Martin Benrath spielen auf einem Flugfeld im Jahr 1942. Filmheld Lukas Berlinger gelingt die abenteuerliche Flucht vor den NS-Schergen mit einem Flugzeug.

Der Fieseler Storch im Regiowiki

Für diesen Film, das haben Karl-Heinz Roth und Werner Kossin herausgefunden, wurde der Storch zum Sanitätsflugzeug. In der Realität war er das nie. Über die Werksnummer des Propellerflugzeugs mit den charakteristischen Storchenbeinen haben die Kasseler Filmemacher die Geschichte des Storchs nachvollzogen. Gebaut wurde er 1943 im Fieseler Werk 1 an der Lilienthalstraße. Zu diesem Zeitpunkt war die übrige Produktion nach Tschechien und Frankreich ausgelagert worden. Kassel war immer wieder Ziel von Luftangriffen der Alliierten.

Aus dem Archiv: Video über den Fieseler Storch

Der Storch mit der Werksnummer 11 00 61 sollte eigentlich für den Afrika-Feldzug geliefert werden. „Es gibt Gerüchte, dass er für Rommel persönlich bestimmt war, aber das lässt sich nicht belegen“, sagt Werner Kossin. Belegt ist dagegen, dass im Juni 1943 der Krieg in Afrika für Hitler verloren war. Der Storch wurde dort nicht mehr gebraucht.

Historisches Flugzeug: Der Fieseler Storch

Stattdessen wurde der Kasseler Storch zusammen mit drei baugleichen Flugzeugen in das neutrale Schweden geliefert. Bis 1960 waren sie für die schwedische Luftwaffe im Einsatz. Danach ging es zurück nach Deutschland. Die Technische Hochschule in München kaufte den Storch mit der Werksnummer 11 00 61. Er wurde im Flugsportverein der Hochschule auf einem Segelflugplatz als Schlepper eingesetzt. Deshalb gab es später noch Probleme mit dem Propeller. Für den Normalbetrieb ohne Anhänger war der nicht geeignet. Ein deutsch-amerikanischer Privatmann ist bis 1976 als Besitzer verzeichnet. Dann kam der Storch nach langer Odyssee wieder nach Kassel. 32 000 Mark (16 300 Euro) brachten das Land Hessen, die Stadt und private Spender auf. Einige Zeit war er im Museum für Astronomie und Technikgeschichte (Orangerie) zu sehen. Bis zum Jahr 2005 hing er dann im Kulturbahnhof.

Der Storch hebt wieder ab - Legendäres Fieseler-Flugzeug saniert

Jetzt fliegt der Storch wieder. Der Verein Fieseler Storch hat eine sechsstellige Summe aufgebracht und ihn restauriert.

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