Erster offizieller Flug nach jahrelanger Sanierung

Legendäres Flugzeug Fieseler Storch hebt von Calden ab

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Spektakuläre Landung: Der Fieseler Storch 1939 auf dem Friedrichsplatz. Wenig später begann der Zweite Weltkrieg.

Kassel / Calden. Es ist der Moment, auf den Herbert Lindenborn und die anderen Mitglieder des Vereins lange gewartet haben. Am Sonntag wollen sie den legendären Fieseler Storch erstmals öffentlich präsentieren.

Von 15 bis 17 Uhr kann man die Maschine von der Besucherterrasse dann beobachten.

„Nach dem ersten Testflug bin ich noch eine Weile im Cockpit sitzen geblieben, ich war fix und fertig“, sagt er. Das Gefühl sei einfach überwältigend gewesen.

Die Flughafen GmbH ist Mitglied im Verein Fieseler Storch. Deshalb durften Herbert Lindenborn und seine Mitstreiter eine Halle auf dem Flughafengelände in Calden für die Restaurierung des historischen Storchs benutzen. Außer den Menschen, die am Flughafen zu tun haben, hat das kaum jemand mitbekommen. Das soll sich jetzt ändern. Nach der ersten Vorführung am Sonntag soll es im Spätsommer einen Tag der offenen Tür geben. Dann dürfen die Besucher ganz nah ran an den Storch.

Sanitätsflugzeug

Testflug vor 70 Jahren: Kunstflugweltmeister Gerhard Fieseler im Cockpit des von ihm entwickelten Storchs.

Der hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Gebaut wurde der Fi156 im Jahr 1943 in den Kasseler Fieseler-Werken. Das markante Fahrgestell, das an Storchenbeine erinnert, gab ihm seinen Namen. 3500 Stück wurden von diesem Modell hergestellt. Weniger als zehn sind heute noch in einem originalgetreuen und flugfähigen Zustand. Der Storch wurde als militärisches Flugzeug in der Vor-Hubschrauber-Zeit entwickelt. Das Kasseler Modell war als Sanitätsflugzeug im Einsatz, der Storch wurde aber auch mit einem Geschütz versehen als Aufklärungsflugzeug eingesetzt. Die Nazis hätten diese tolle Ingenieur- und Technikleistung wie so vieles andere für ihre Zwecke missbraucht, sagt Klaus Hessenmüller (72), ehemaliger Geschäftsführer des Flugunternehmens Jet Aviation und Mitglied des Fördervereins. Der wurde im Jahr 2004 nach einer Schlagzeile in der HNA aktiv. Damals wurde darüber berichtet, dass der Storch womöglich in ein Berliner Museum abgegeben werden könnte. Noch hing er unter dem Dach des Kasseler Kulturbahnhofs, war voller Taubendreck und befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Der Verein nahm Verhandlungen mit der Stadt Kassel auf, die das Flugzeug 1977 mit Unterstützung von Spendern gekauft hatte.

Sechs Jahre hat es gedauert, bis der Storch von Grund auf saniert war. Dr. Joachim Schnell, ehemaliges Vorstandsmitglied von B. Braun Melsungen, hat sich als Vereinsvorsitzender dafür besonders engagiert. Wenn der Storch am Sonntag abhebt, dann ist fast alles originalgetreu erneuert. „Ein neues Funkgerät und einen Notsender mussten wir einbauen“, sagt Herbert Lindenborn. Das sei Vorschrift.

Von Thomas Siemon

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