Seine Plakate für große Filmproduktionen waren berühmt

Er malte John Wayne und die Dietrich: Will Williams in Kassel gestorben

Der Mann, der die Stars malte: Will Williams verbrachte seine letzten Jahre in Kassel. Das Foto entstand in einer Ausstellung mit einigen der von ihm gemalten Kinoplakate. Archivfoto: Socher / nh

Kassel. Eigentlich hieß er Willi Haseneier, bekannt wurde er aber als Will Williams. In den 1950er- und 60er-Jahren stieg er zu einem der gefragtesten Maler von Filmplakaten weltweit auf.

Im Kasseler Seniorenzentrum Unterneustadt ist er jetzt im Alter von 92 Jahren gestorben.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören Der blaue Engel mit Marlene Dietrich und Hans Albers, Fluss ohne Wiederkehr mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum und der Tramp mit Charlie Chaplin. Streifen mit John Wayne, Lex Barker, Gregory Peck, Humphrey Bogart, Ingrid Bergman und Greta Garbo: Sie alle hat er für die Filmwerbung gemalt. Insgesamt seien es um die 1000 Plakate gewesen, hat er vor Jahren in einem Gespräch mit der HNA erzählt.

Zusammen mit seiner Frau, der chilenischen Sängerin und Schauspielerin Rosita Serrano, war er auf der ganzen Welt unterwegs. Als festen Standort in Deutschland hatten sie ein Ferienhaus in der Nähe von Homberg (Schwalm-Eder-Kreis). So kam der Kontakt nach Kassel zustande. Zur Eröffnung des Balikinos im Kulturbahnhof im Jahr 1995 engagierte ihn das Filmladenteam um Frank Thöner. Will Williams zeichnete den Entwurf für ein riesiges Plakat mit Stan Laurel und Oliver Hardy alias „Dick und Doof“. Damals lernte er den Kasseler Videothekar Eckhard Braun kennen. Der kümmerte sich nach dem Tod seiner Frau Rosita um den Künstler. Ebenso wie der Betreiber des privaten Kinomuseums in Helsa-Eschenstruth, Werner Baus, hat Braun den Kontakt bis zum Schluss gehalten. „Bei den Besuchen habe ich jedes Mal einige Kinoplakate mitgenommen, die er für mich signiert hat“, sagt Werner Baus.

Filmplakate von Will Williams

Will Williams wurde in Bochum geboren, besuchte die Folkwangschule in Essen und die Düsseldorfer Kunstakademie. Im Krieg setzte er sich in Dänemark von seiner Marineeinheit ab und wurde vom amerikanischen Geheimdienst angeheuert. Er arbeitete als Pressezeichner und landete in dieser Funktion 1946 in Rom. Dort lernte er die berühmten Regisseure Rossellini und Fellini kennen. Über sie bekam er Kontakt zu den italienischen Filmplakatmalern, bei denen er in die Lehre ging. Sein erstes eigenes Plakat war der John-Ford-Western „Three Godfathers“. 1959 wanderte er nach Amerika aus und machte Karriere in Hollywood.

„Er kannte alle Stars, allein John Wayne hat er sieben Mal gemalt“, sagt Werner Baus. Heute sind Filmplakate ohne Computertechnik nicht mehr denkbar. Will Williams war der letzte Handwerker in diesem Metier.

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