1. Startseite
  2. Kassel

Firma Shift aus Falkenberg baut Handys und Tablets, bei denen Kunden vieles selbst austauschen können

Erstellt:

Von: Claudia Feser

Kommentare

Schutz fürs nachhaltige Tablet: Jonas Ernst ist Auszubildender beim Handyhersteller Shift aus Wabern-Falkenberg und steckt eine Hülle an ein neues Tablet.
Schutz fürs nachhaltige Tablet: Jonas Ernst ist Auszubildender beim Handyhersteller Shift aus Wabern-Falkenberg und steckt eine Hülle an ein neues Tablet. © Claudia Feser

Viele Firmen schmücken sich mit dem Signet des nachhaltigen Wirtschaftens – der Handyhersteller Shift aus Falkenberg (Schwalm-Eder-Kreis) lebt es.

Falkenberg – Schonung von Rohstoffen, faire Arbeitsbedingungen, Umweltschutz sind die Basis des Unternehmens, sagt Geschäftsführer Samuel Waldeck. Shift beschäftigt weltweit 50 Mitarbeiter und verkauft seit acht Jahren selbst entwickelte Handys. Das Besondere: Die Handy-Module sind auf Reparierbarkeit ausgerichtet. Die Kunden können ihre Handys größtenteils selbst reparieren, Ersatzteile und Anleitungen gibt’s vom Hersteller aus Falkenberg.

Den Anstoß hierzu gab ein kaputtes Smartphone seiner Ehefrau, das Geschäftsführer Samuel Waldeck reparieren wollte. Dabei vertauschte er aus Versehen die Schrauben und durchlöcherte die Hauptplatine. Warum wird ein Gerät mit unterschiedlichen Schrauben gebaut? Seine Erklärung: „Das machen die Hersteller doch nur, um eine Reparatur für den Otto-Normalverbraucher unmöglich zu machen.“ So fiel die Entscheidung zur Entwicklung eines Handys, das aus sortenreinen Materialien besteht und auf einfache Reparierbarkeit ausgerichtet ist.

Die Firma Shift gibt eine Reparaturgarantie für fünf Jahre nach dem Kauf – bei der Herstellung werden Ersatzteile eingekauft und gelagert. „Wir streben an, die Ersatzteile auf zehn Jahre zur Verfügung zu stellen.“ Außerdem werden ausgediente Handys zurückgenommen und deren Einzelteile wieder zu Geräten verbaut, also zu so genannten Second-life-Smartphones.

80 000 neue Mobiltelefone hat Shift mittlerweile verkauft, der Umsatz lag 2021 bei rund fünf Millionen Euro. Zwei Modelle gibt’s aktuell im Portfolio, ein neues soll im kommenden Jahr herauskommen. Außerdem hat Shift ein Notebook entwickelt. Die Produkte werden in China hergestellt – das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Geschäftsführer Samuel Waldeck. „In Europa gibt es keine Infrastruktur für die Handyherstellung.“ Die meisten Komponenten kommen aus dem asiatischen Raum. Müssten sie erst nach Europa geliefert werden, sei ein großer Verpackungsaufwand nötig.

Außerdem müssten Chips und Optiken klimatisiert im Schiff transportiert werden, was teuer und schlecht für die Umwelt sei. Deshalb wurde in China eine eigene Fertigung aufgebaut: In der Millionenstadt Hangzhou wurde eine Büroetage für zehn Mitarbeiter angemietet, die mit den gleichen Stühlen und dem identisch geschreinerten Tisch ausgestattet wurde wie die Zentrale in Falkenberg. „Wir wollten Arbeitsplätze schaffen, wo wir auch selbst arbeiten wollen würden“, sagt Waldeck, der sich die Geschäftsführung mit Vater Rolf und Bruder Carsten teilt.

Die drei teilen auch dieselbe Auffassung von Unternehmensführung. Wenn Samuel Waldeck darüber spricht, fallen Worte wie Gerechtigkeit, Fairness, Sinnstiftung und Vertrauen, das wichtiger als Verträge sei. Natürlich müsse die Firma profitabel wirtschaften, aber sie sei nicht kapitalgetrieben.

Die nachhaltigen Produkte haben ihren Preis: Die Handys kosten zwischen 350 und 650 Euro, das Notebook gibt’s für 1450 Euro. Wofür das Geld genutzt wird, macht das Unternehmen transparent: 52 Prozent fließen nach eigenen Angaben in Produktionskosten, Transport und Zölle, 20 Prozent in Entwicklung und faire Löhne. „Wir wollen so viel Gutes tun wie nötig und so wenig Schaden anrichten wie nötig“, sagt Samuel Waldeck, und als sinnstiftendes Unternehmen ohne Investoren entnähmen sie keine Gewinne.

Auch interessant

Kommentare