Regionale Großunternehmen gehören zur Kundschaft

Firmen-Reisebüro BCD Travel gibt Standort Kassel auf

Gisela Horstmann

Der Geschäftsreise-Dienstleister BCD Travel will zum Jahresende seinen Standort an der Wilhelmsstraße in Kassel schließen, ebenso wie vier weitere Niederlassungen im Bundesgebiet.

Die Gewerkschaft Verdi übt Kritik an den Plänen und fordert, den Beschäftigten eine Perspektive zu geben. Im Kasseler Büro sind 13 Mitarbeiter betroffen.

Bei BCD Travel an der Wilhelmsstraße lassen mittelständische und große Unternehmen der Region ihre Geschäftsreisebuchungen abwickeln. Nach Angaben von Teamleiter Markus Beecht sind das jährlich insgesamt etwa 25 000 Transaktionen – also Einzelbuchungen von Flügen, Bahntickets, Hotels und dergleichen. Zur Kundschaft gehören Firmen ab 50 Beschäftigte aufwärts bis zum Konzern, sagte Beecht, ohne einzelne Klienten zu nennen.

Nach HNA-Erkundigungen sollen unter anderem SMA, B. Braun Melsungen oder K + S die Dienste von BCD Travel in Anspruch nehmen. Der Dienstleister ist auf seinem Sektor weltweit Marktführer und hat in Deutschland gut 2000 Beschäftigte. Als Reaktion auf den harten Wettbewerb im Firmenkundengeschäft setzt BCD auf eine onlinegestützte Zentralisierung und will mittelfristig mehr als jede zweite Niederlassung schließen.

Die Gewerkschaft Verdi sagt, sie habe keinerlei Verständnis für diese Strategie. „Der Rückzug aus der Fläche ist der falsche Weg“, sagte Gisela Horstmann, stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin bei Verdi Nordhessen. Die Pläne gingen nicht nur zulasten der Beschäftigten, sondern auch von vielen mittelständischen Kunden, die dann vor Ort keine Ansprechpartner mehr hätten.

Auf dem regionalen Markt der Geschäftsreisen sind neben BCD Travel einzelne Kasseler Reisebüros aktiv: DER am Karlsplatz sowie Wimke am Ständeplatz unterhalten dafür spezielle Abteilungen. Manche potenziellen Großkunden in der Region sind durch konzernweite Vereinbarungen an bestimmte Partner gebunden: So wickelt Volkswagen sein Geschäftsreisewesen mit American Express ab, Reisespezialisten der Kreditkartenfirma sitzen direkt im Baunataler Werk.

Kaum Perspektive für Personal

Für die Kasseler BCD-Mitarbeiter zeichne sich ab, dass sie sich alle neue Jobs suchen müssen, sagte Teamleiter Beecht. Das Unternehmen habe zwar signalisiert, Einzelnen einen Wechsel nach Frankfurt anzubieten, aber dies komme für kaum jemand infrage. Alle seien seit vielen Jahren dabei. Das Unternehmen war 1992 nach Kassel gekommen – damals noch unter dem Namen „Hapag Lloyd Geschäftsreise-GmbH“.

Im Juli soll Näheres entschieden werden. Die bei BCD zuständige Betriebsrätin Doris Pöppel sagte, die Arbeitnehmerseite schlage eine befristete Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich vor: So könnten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, und BCD spare die bei Kündigungen fälligen Sozialplankosten.

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