Firmenchefs auf Anklagebank

Kassel. 2,6 Millionen Euro Steuern sollen zwei Männer hinterzogen haben, die vor dem Kasseler Landgericht auf der Anklagebank sitzen. Der 35-Jährige soll 2003 und 2004 eine Firma in Kassel betrieben haben, die Maschinen sanierte, die bei Bränden beschädigt wurden.

Ab 2004 soll er gemeinsam mit dem 37-jährigen Mitangeklagten gleichberechtigt Geschäftsführer gewesen sein. Beide sollen neben den Steuern auch Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten haben, weil Mitarbeiter schwarz beschäftigt wurden, so die Staatsanwaltschaft.

Der erste Prozesstag vor der 3. Strafkammer gab einen Vorgeschmack auf das, was den Beteiligten noch bevorsteht. Allein die Verlesung der Anklage nahm fast eine Stunde in Anspruch. Der Prozess ist zunächst bis 16. Dezember terminiert, 21 Zeugen sind nach jetzigem Stand geplant, doch es gilt als sicher, dass es mehr werden und der Prozess sich wohl bis 2014 hinziehen wird.

Sein Mandant sei nur der Strohmann gewesen, erklärte Anwalt Jorg Estorf für den 35-Jährigen. In der Einzelfirma und später im gemeinsam angemeldeten Unternehmen sei der 37-Jährige der Hauptakteur gewesen. Der 35-Jährige sei zwar auf Baustellen tätig, jedoch nie mit Büroarbeit und somit auch nicht mit Abrechnungen betraut gewesen.

Sein Mandant habe wohl von den krummen Geschäften der Firma gewusst, doch zunächst nichts davon öffentlich gemacht, weil der andere Angeklagte sein Onkel sei. Der 35-Jährige bestätigte, dass er „die Klappe gehalten“ habe, weil er seinem Verwandten gegenüber loyal sein wollte. Er sei auf den Baustellen als Vorarbeiter tätig gewesen, habe die Leute, die dort beschäftigt wurden, jedoch „zu 90 Prozent nicht gekannt“.

„Ich glaube nicht, dass ich sein Onkel bin“, entgegnete der 37-Jährige. Er widersprach auch in anderen Punkten den Aussagen seines früheren Partners. „Er sagte, wo es lang ging“, heißt es in einer vor Gericht verlesenen Aussage des 37-Jährigen gegenüber dem Finanzamt.

In der Branche der Brandsanierer würden Millionen hinterzogen und Schwarzarbeiter massenhaft beschäftigt, hatte der Angeklagte den Finanzbeamten gebeichtet. Von diesen Praktiken habe der 35-Jährige gewusst, der habe ihn dann angesprochen, ob er mit ihm gemeinsam eine Firma führen wolle. Auf den Baustellen seien nicht nur bis zu 80 Prozent Schwarzarbeiter beschäftigt, sondern auch Namen von fiktiven Beschäftigten in Listen erfasst worden, die gar nicht dort gearbeitet hätten. Dadurch hätten sich die Schadensfälle verteuert, sodass die Versicherungen höhere Beträge auszahlten.

Wer von beiden die Wahrheit sagt, wird sich im Laufe des Verfahrens zeigen, das am morgigen Donnerstag fortgesetzt wird.

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