Katholiken zeigen sich begeistert – Vereinzelt gibt es auch Bedenken

Fischer erntet viel Beifall, aber auch Bedenken 

Kassel. Der Ruf des Kasseler Dechanten Harald Fischer nach Reformen in der katholischen Kirche war deutlich, die Antwort aus Fulda ebenso: Fischers Forderungen – Pflichtzölibat abschaffen, Frauen zum Priesteramt zulassen – seien mit der kirchlichen Lehre nicht vereinbar, heißt es aus Fulda.

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In der Region Kassel erntet Fischer dagegen begeisterten Beifall. Er spreche aus, was viele Katholiken ohnehin denken, finden Pfarrer und Gläubige. Es gibt allerdings auch nachdenkliche Stimmen.

Peter Strenger

„Fischer hat von mir volle Rückendeckung, die Äußerung war sehr mutig“, sagt Pfarrer Thomas Günst von der Gemeinde Herz Jesu. Er betreut 3200 Gläubige und schätzt, dass ungefähr 80 Prozent Reformen in der katholischen Kirchen befürworten. „Die Kirche reagiert oft nur, hier muss sie agieren“, sagt Pfarrer Peter Strenger von Herz Mariae. Deshalb stimme er völlig mit Fischer überein. Der Dechant habe den Nerv der Leute getroffen.

Laut Albrecht Vey, Pfarrer in St. Nikolaus von Flüe, spricht Fischer vor allem die an, die sich enttäuscht von der Kirche abgewandt haben. In den Gemeinden werde der Vorstoß dagegen auf gemischte Reaktionen stoßen. Pfarrer Peter Bulowski hofft, dass nun leidenschaftlich, aber ohne Polemik über das Thema gesprochen wird. Es könne durchaus zu Brüchen in der Kirche kommen, er glaube aber nicht, dass sie auseinandergerissen werde.

Auch in den Gemeinden stößt die Nachricht von Fischers Forderungen auf viele positive Reaktionen. Begeistert ist die 81-jährige Waltraud Krafft. „Ich bin froh, dass ich noch erleben darf, wie sich etwas bewegt“, sagt das Mitglied der Kasseler Gemeinde St. Elisabeth. Sie finde den Dechanten großartig.

Andere Probleme wichtiger

Josef Kahmann

Nachdenklich zeigt sich Pfarrer Josef Kahmann aus Lohfelden: Es sei die Frage, ob man solch ein Thema in großer Öffentlichkeit diskutieren müsse oder ob das nicht vor allem Sache der Kirche und Gläubigen sei. Zudem konzentriere sich die Diskussion zu sehr auf einzelne Aspekte statt auf die Grundsatzfrage: „Wofür steht unsere Kirche?“

Der Baunataler Pfarrer Paul Schupp bezweifelt dagegen, dass es wirklich die Themen wie Zölibat oder Frauen im Priesteramt sind, die junge Menschen bewegen. „Die haben meist echte Probleme“, sagt er.

Im Gegensatz zu früher gebe es auch keinen sozialen Druck mehr, in die Kirche zu gehen: „Der Einzelne hat die Freiheit zu sagen: Es gibt für mich viele Gründe, in der katholischen Kirche zu bleiben oder mich abzuwenden.“

Archivfoto: Wohlgehagen

Von Göran Gehlen

Rubriklistenbild: © HNA/Herzog

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