Ehepaar Brenn feiert Diamantene Hochzeit

Mit Fitzebohnen sein Herz erobert

Seit 60 Jahren verheiratet: Helga und Heinrich Brenn feiern heute Diamantene Hochzeit. Foto: Nicklas

Kirchditmold. Eingerahmt steht das Foto mit ihr und dem damaligen Ministerpräsidenten Hans Eichel auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer. Es entstand, als sie das Bundesverdienstkreuz bekam. Daneben liegt der Ehrenbrief des Landes Hessen und die Silberne Ehrennadel des Hausfrauenverbands. „Mein bestes Stück ist aber er“, sagt Helga Brenn und nimmt ihren Mann Heinrich in den Arm. Heute feiern sie Diamantene Hochzeit.

Kennengelernt haben sie sich im thüringischen Wiesenthal. Nach dem Krieg wanderte sie aus Ostberlin mit ihrer Mutter, einem Handkarren und einem halben Schwein zu Fuß in das Dorf in der Rhön. „Vier Wochen lang waren wir unterwegs“, sagt die 86-Jährige. In Wiesenthal gefiel es ihr. „Und es gab immer etwas zu essen.“ Jeden Abend hat sie sich mit einer Freundin getroffen und gestrickt. „Eines Abends kam Heini zur Tür rein, er erzählte und erzählte. Ich glaube, ich war die Einzige, die seine Geschichten interessant fand“, sagt Helga Brenn, die damals noch Otterbach hieß.

Tanz zu Capri Fischern

An den Tag, an dem sie ihm Fitzebohnen machte, erinnert sich der 91-Jährige noch heute. „Damit hatte sie mich, die waren’s“, sagt er und reibt sich seinen Bauch. „Wer so gute Bohnen macht, kann doch nur eine tolle Frau sein.“ Oft sind sie tanzen gegangen. „Wenn die Kapelle das Lied Die Capri-Fischer gespielt hat, stand niemand mehr still“, erzählt Helga Brenn und summt die Melodie des Schlagers aus den 50er-Jahren vor sich hin. Damals träumten sie einmal davon, nach Capri zu reisen. „Mittlerweile waren wir längst da“, sagt ihr Mann.

Vier Jahre haben sie in Wiesenthal gelebt. Heinrich Brenn übernahm dort die Dorfverwaltung. 1949 zogen sie nach Porz. Es folgten Umzüge nach Eschwege und Löschenrod bei Fulda, bis sie schließlich 1963 in Kassel ihre neue Heimat fanden. Als Verkaufsleiter bei Mönnich war Heinrich Brenn viel unterwegs, und seine Frau machte nebenbei eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin.

Herbstausstellung

„Viele Männer wollten damals nicht, dass ihre Frauen arbeiten, meiner hat mich immer unterstützt“, sagt die ehemalige Vorsitzende des Hausfrauenverbands. Auf den Herbstausstellungen in den Messehallen verkaufte er mehr als sie. „Egal ob Küchengeräte oder Kochbücher, er brachte alles an die Frau“, sagt sie augenzwinkernd. Auf einer Herbstausstellung ist sie auch auf den Offenen Kanal aufmerksam geworden. Und so moderierte sie im August 1992 die erste Sendung, die je im Offenen Kanal lief - „Schnuddeln am Herd“. Die Sendung lief montags ab 18 Uhr, die Wiederholung später am Abend schauten sie sich jedes Mal gemeinsam auf dem großen Sofa im Wohnzimmer an. „Er hat mir geholfen, wo er konnte“, sagt sie und sieht ihren Mann an. Für Romantik war keine Zeit, sie seien beide realistisch, das habe sich bewährt seit 60 Jahren. Jeden Abend gibt es ein Küsschen. „Vielleicht ist das ja etwas Romantisches“, sagt Helga Brenn und lacht. (pmn)

Von Mareike Nicklas

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