Mädchen entdeckte brennendes Unitymedia-Gerät

In letzter Minute: Siebenjährige verhinderte Wohnungsbrand

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Das hätte böse ausgehen können: Emma (7 Jahre) zeigt das verschmorte Gerät, ihre Schwester Minah (5) zeigt, wo die Flammen bereits das Sofa an gekokelt hatten. Hinten im Bild Julia Kleinert mit Baby Malia (3 Wochen) und Michael Theis.

Kassel. Die siebenjährige Emma hatte den richtigen Riecher: Hätte sie nicht so gut aufgepasst, wäre es am Dienstagabend bei Familie Kleinert/Theis an der Parkstraße wohl zu einem Wohnungsbrand gekommen. Auslöser war ein Kabel-Receiver, der unversehens in Flammen stand.

Die Firma UnityMedia stellt solche Kästen massenweise in die Wohnungen jener Kunden, die sich neben Kabelfernsehen auch für Internet und Telefon von Unitymedia entscheiden. Michael Theis hatte das Gerät vom Typ „FritzBox 6360 Cable“ seit einigen Wochen und äußerte sich mit Funktion und Service hoch zufrieden. Dass der Kasten zur Gefahr für seine junge Familie werden könnte, daran hätte er nie gedacht.

Als es am Dienstag Abendessen geben sollte, wunderten sich alle über einen beißenden Geruch im Wohnzimmer, der ihnen den Appetit verdarb. Emma war es, die den blau-silbernen Kasten von Unitymedia als Quelle erschnüffelte: „Das hat ganz eklig gerochen!“ Michael Theis beschloss, dem Technikproblem später auf den Grund zu gehen. Er trennte die Box vom Stromnetz, „damit die Drähte erst mal abkühlen können“. Dann zogen alle zum Essen in die Küche um.

Später am Abend waren die Eltern im Arbeitszimmer zugange, Emma und ihre Schwester Minah spielten noch eine Weile. Zufällig machte die Siebenjährige noch mal die Tür zum Wohnzimmer auf - und schlug sofort Alarm: Aus der ausgestöpselten Box, die Theis auf einer Sofaecke abgelegt hatte, schlugen Flammen und züngelten schon am Bezug der großen roten Couch. „Zwei Flammen waren es - wie bei einer Kerze, aber höher“, berichtete Michael Theis. Auf dem Balkon löschte er den verschmorten Plastikkasten. Später kam noch ein Trupp der Feuerwehr vorbei, um mit einer Wärmebildkamera sicherheitshalber das Sofa zu überprüfen. „Die sagten, dass wir großes Glück gehabt haben“, sagt Theis. Die Füllung in der Couch „hätte sicher gebrannt wie Zunder“.

Dem 39-Jährigen ist ein gehöriger Schreck in die Glieder gefahren, was seiner jungen Familie - samt dem erst drei Wochen alten Baby Malia - hätte passieren können. „Man stelle sich vor, wir wären nicht daheim gewesen, oder alle hätten geschlafen.“ Gegen Unitymedia erhebt Theis keine Vorwürfe: „Die können ja auch nichts dafür.“ Es gehe ihm darum, auf das Risiko aufmerksam zu machen, denn „diese Dinger werden ja tausendfach aufgestellt“. Und sie sind offenbar darauf ausgelegt, ständig und unabschaltbar unter Strom zu stehen. Sonst würden die an der Box direkt anzuschließenden Telefone nicht funktionieren.

Im Internet hat Theis entdeckt, dass er mit seinem Erlebnis nicht der Einzige ist. Unter dem Titel „FritzBox 6360 Cable abgebrannt“ berichtet etwa ein Forums-Nutzer „Alex“ samt Beweisfoto, auch ihm sei ein baugleiches Unitymedia-Gerät unversehens abgebrannt - ausgerechnet am jüngsten Heiligabend. „Ein Ersatzgerät ist schon da“, schreibt Alex - „aber das komische Gefühl bleibt.“

Das von Unitymedia vertriebene Gerät wird von der Berliner Firma AVM hergestellt und ist nach deren Angaben bundesweit „millionenfach im Einsatz“. Eine Sprecherin wusste von einem ähnlichen Vorfall Ende 2011 zu berichten. Außer diesem Einzelfall seien AVM keine weiteren Vorkommnisse bekannt.

Man habe dieses Gerät untersucht mit dem Ergebnis, zu dem Brand habe „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ ein an die Box angeschlossenes Gerät geführt, das nicht die gängigen technischen Sicherheitsanforderungen erfüllt habe. Die FritzBox selbst sei nach strengen Kriterien geprüft und erfülle diese Anforderungen. Es sei zutreffend, dass das Gerät „aufgrund der Telefonie- und Internetfunktionen“ ständigen Stomnetzkontakt habe: „Das ist bei dieser Art von Geräten marktüblich.“ Für einen solchen Dauereinsatz sei die FritzBox technisch auch ausgelegt.

Was zu dem Gerätebrand in Kassel geführt habe, „können wir verständlicherweise erst nach der Untersuchung des Gerätes sagen“, so die Sprecherin: „Wir werden zusammen mit dem betroffenen Anwender und unserem Partner Unitymedia alles versuchen, diesen Fall schnellstmöglich zu klären.“

Von Axel Schwarz

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