26-jähriger Mann muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten

Ein Flaschenwurf mit Folgen

Kassel. Der Entschuldigungsbrief kam nicht rechtzeitig. Jedenfalls für den Geschmack des Mannes, der den Brustwirbelbruch und die Frakturen im Gesicht erlitten hat. Ob er das Schreiben erhalten habe, fragte Verteidiger Bernd Schubert den 51-jährigen Zeugen gestern im Kasseler Amtsgericht: „Letzte Woche?“, fragte der zurück. „Bisschen spät!“

Der Verfasser des Briefes saß auf der Anklagebank. 26 Jahre ist er alt und sitzt zurzeit in Kassel in Untersuchungshaft. Sein fester Wohnsitz ist in Sachsen-Anhalt. Doch was die Staatsanwaltschaft als gefährliche Körperverletzung angeklagt hat, ereignete sich im Januar in Kassel.

Der Angeklagte hielt sich damals in der Wohnung seiner Freundin auf. Sie hätten Ärger gehabt, sagt er. Während er mit der Frau telefonierte, sei der 51-Jährige, dort der Hausmeister, an die Tür gekommen: Anderen im Haus war die Musik zu laut. „Ich bin ausfallend geworden“, gibt der 26-Jährige zu. Er habe an jenem Tag getrunken - und Kokain konsumiert.

Was kurz darauf passierte, hatte eine Entschuldigung werden sollen. Das sagt der Angeklagte. Auch der Hausmeister erinnert sich, dass der junge Mann nach einiger Zeit vor seiner Tür gestanden habe - nun ganz ruhig. Es ging ihm darum, ein Hausverbot abzuwenden. Doch der 51-Jährige wollte nicht mehr reden - sondern schlafen.

Als der 26-Jährige weiter klingelte, kam es zu einer Rangelei. Beide Männer berichteten, sie seien gemeinsam die Treppe hinuntergefallen. Der Angeklagte sagte, der 51-Jährige habe ihn im Schwitzkasten gehalten. Er habe ihn sich „vom Leibe halten“ wollen und getreten - aber nicht gezielt gegen den Kopf, wie es in der Anklage heißt.

Der 51-Jährige schilderte „vielleicht drei“ Tritte, die ihn im Gesicht getroffen hätten, als er bereits am Boden lag. Und dass der Angeklagte „wie ein Fußballer beim Einwurf“ zwei Sechser-Packs mit 1,5-Liter-Plastikflaschen nach ihm geworfen habe. Da die Packs noch verschweißt waren, jeweils neun Kilo im Flug. Ob all das nicht versuchter Totschlag sein könne - ein Fall fürs Schwurgericht, war die Frage, die Oberstaatsanwältin Ingeborg Vesper gestern aufwarf.

Der Verhandlungstag endete mit einem rechtlichen Hinweis: Auch eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung komme in Betracht. Dann setzte Richterin Manuela Focke die Verhandlung aus. Geplant ist ein psychiatrisches Gutachten über den - einschlägig vorbestraften - Angeklagten. Ein Zeuge könnte noch gehört werden - und mögliche Langzeitfolgen für den 51-Jährigen geklärt. Der Mann trägt noch immer ein Stützkorsett.

Von Katja Schmidt

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