Viele Arbeitgeber in der Region bieten individuelle Lösungen für ihre Mitarbeiter

Flexibel für den Pflegenden

Kassel. „Wir gehen sehr fle-xibel mit den Arbeitszeitwünschen unserer Mitarbeiter um“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. „Wir möchten Mitarbeitern, die einen Angehörigen pflegen und sich ohnehin in einer problematischen Situation befinden, das Leben mit Bürokratie nicht noch schwerer machen.“

Er räumt ein, dass diese Angebote bislang nur von wenigen Pflegenden in Anspruch genommen wurden. Beim Medizintechnik-Unternehmen B. Braun in Melsungen gibt es seit 2007 eine großzügige Betriebsvereinbarung für Familienteilzeit. Sechs Mitarbeiter haben sie seitdem in Anspruch genommen. Auch beim Solar-Unternehmen SMA in Niestetal wird demnächst eine entsprechende Vereinbarung zu Papier gebracht, sagt SMA-Sprecherin Susanne Henkel: „Der Betriebsrat arbeitet zurzeit an den Ausformulierungen.“ Wenn Bedarf besteht, würden aber auch jetzt schon individuelle Lösungen gefunden.

„Wenn ein Mitarbeiter für eine gewisse Zeit seine Arbeitszeit reduzieren möchte, handhaben wir das flexibel und individuell“, sagt Heike Schaaf, Sprecherin der Evangelischen Kirche in Kassel, mit 915 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Der Arbeitsplatz bleibe in jedem Fall erhalten.

Die Stadt Kassel bietet mit dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst über die Regelungen im Pflegezeitgesetz (siehe Hintergrund) hinaus Möglichkeiten für pflegende Arbeitnehmer, sagt Sprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. Es handelt sich um unbezahlten Sonderurlaub, um kurzfristige Arbeitsbefreiung mit und ohne Fortzahlung des Entgelts und um Teilzeitarbeit.

„Die Stadt Kassel bietet darüber hinaus seit diesem Jahr ihren Mitarbeitern im Rahmen des verwaltungsinternen Gesundheitsmanagements eine Veranstaltungsreihe zum Thema Beruf und Pflege an.“

Eine „familienbewusste Personalpolitik“ lasse sich nicht durch gesetzliche Reglementierungen gestalten, sagt Frauke Syring, Sprecherin des Verbands der Metall- und Elektro-Unternehmen in Nordhessen. „Nur eine einvernehmliche, individuelle Regelung kann eine befriedigende Lösung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein.“ Je nach Dauer der Pflegesituation gebe es verschiedene Instrumente zur flexiblen Arbeitszeitorganisation. „Damit kann der Arbeitgeber den Pflegenden zumindest vorübergehend den Rücken frei halten, und er sichert sich ihre Loyalität und ihr Know-how.“ Syring ist davon überzeugt, dass Teilzeitangebote zur Pflege von Angehörigen in Zukunft eine „enorm wichtige Rolle im Demografiemanagement von Betrieben spielen und zur Attraktivität eines Arbeitgebers“ beitragen werden.

Von Christina Hein

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