Festival der Artisten wieder auf Friedrichsplatz

Flic-Flac-Chef Benno Kastein: „Erst Kassel, dann Monte Carlo“

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Freut sich auf das „Festival der Artisten“: Flic-Flac-Chef Benno Kastein sagt, dass es in Kassel mit dem Friedrichsplatz den schönsten Zirkusplatz bundesweit gibt.  

Kassel. Der Zirkus Flic-Flac gastiert mit der achten Auflage des „Festivals der Artisten“ wieder auf dem Friedrichsplatz in Kassel. Mit dem Flic-Flac-Gründer Benno Kastein sprachen wir über die Show, die Stadt, die Fürstenfamilie von Monaco und seine Wünsche für die Zukunft.

Sie haben bereits mehrfach betont, dass das Kasseler „Festival der Artisten“ neben ihren Töchtern Larissa und Tatjana ihr drittes Kind ist. Woher kommt diese Liebe und Verbundenheit zu Kassel?

Benno Kastein: Das liegt natürlich auch am Erfolg. Der ist total groß hier. Nach Kassel gehören wir einfach hin. Zudem gibt es in ganz Deutschland keinen anderen Zirkusplatz, der mitten in der Stadt liegt, direkt neben dem Weihnachtsmarkt.

Und wie ist das Publikum? Die Nordhessen sind ja nun nicht gerade als Frohnaturen bekannt.

Kastein: Das Kasseler Publikum ist zurückhaltender als beispielsweise die Zuschauer in Frankfurt. In Kassel flippt man nicht so schnell aus. In manchen Städten klatschen die Zuschauer schon, wenn wir nur die Stahlkugel in die Manege schieben. Die Kasseler beobachten das hingegen ganz ruhig.

Kann diese Zurückhaltung auch daran liegen, dass die Kasseler durch die regelmäßigen Flic-Flac-Auftritte ja schon einiges gewöhnt, sprich gar verwöhnt sind?

Kastein: Natürlich wird es im Laufe der Jahre immer schwieriger, richtig gute Nummern zu finden. Ich versuche immer, die besten Artisten für Kassel zu gewinnen. Hier haben wir ja auch die besten Besucherzahlen. Da wäre es ja peinlich, schlechte Nummern zu zeigen. Ich versuche, Artisten für Kassel zu engagieren, bevor sie beim internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo auftreten.

Ist Ihnen das dieses Jahr gelungen?

Kastein: In zwei Fällen. Wie zum Beispiel Viktor Kee aus der Ukraine. Der hat mit seiner Jonglage alle Zirkuspreise abgeräumt, die man gewinnen kann. Der ist der Hammer. Und dann haben wir noch den Ausnahmekünstler Oleg Izossimov aus Russland, der in der Zirkuswelt mit seiner Handstandakrobatik unwahrscheinlich viele Preise gewonnen hat. Ich glaube, ich sage jedes Jahr, dass wir nach Kassel mit dem besten Programm kommen. In diesem Jahr ist es auf alle Fälle das Teuerste.

Flic-Flac bedeutet aber auch Nervenkitzel und nicht ganz ungefährliche Nummern. Erst im Sommer hatte ihr Schwiegersohn Sandi Medved, der mit ihrer Tochter Larissa verheiratet ist, mit seiner Motocross-Maschine einen Unfall, als er über die Todeskugel fliegen wollte. Wie geht man damit um?

Kastein: Solche schweren Unfälle sind natürlich nicht gut für uns. Aber die Motocross-Artisten haben keine Angst, wir arbeiten nur mit absoluten Profis zusammen. Unfälle können passieren. Bei meinem Schwiegersohn war es zum Beispiel ein technischer Defekt an der Maschine. Wir treffen aber alle Vorkehrungen, damit das Risiko minimiert wird. Auch in Kassel werden wieder Motocross-Artisten durchs Zelt fliegen.

Wird ihr Schwiegersohn dabei sein?

Kastein: Nein, der springt aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr. Aber meine Tochter Tatjana ist auch mit einem Mann liiert, der mit der Motocross-Maschine springt.

Apropos Familie – wird eine ihrer Töchter in Kassel auftreten?

Kastein: Nein, Tatjana hat vor einem halben Jahr eine Tochter bekommen und Larissa ist im sechsten Monat schwanger. Aber Tatjana wird die ganze Zeit in Kassel sein, um sich um alles rund um das Festival zu kümmern.

Hat das jüngste Mitglied der Familie Kastein denn schon Talent für die Manege gezeigt?

Kastein: Die Kleine hat eine große Klappe wie ihr Opa. Sie ist nur am Schreien.

Sie selbst treten schon lange nicht mehr in der Manege auf. Was machen Sie, außer die besten Artisten für Flic-Flac zu gewinnen?

Kastein: Nächstes Jahr sitze ich in der Jury des Zirkusfestivals von Monte Carlo. Vor 15 Jahre war ich schon mal dabei, neben Fürst Rainer, der voll den Plan vom Zirkus hatte. Aber auch seine Nachfolgerin, Prinzessin Stéphanie, ist total zirkusbekloppt. Die kümmert sich zum Beispiel um Elefanten aus der ganzen Welt, die schlecht behandelt worden sind.

Die Organisation Peta wollte ihnen 2013 den Tierschützerpreis verleihen, weil bei Flic-Flac keine Tiere auftreten. Sie haben abgelehnt. Warum?

Kastein: Das konnte ich nicht annehmen. Diesen Preis hätten entweder der Zirkus Krone oder der Zirkus Knie verdient, die richtig gute Zirkusnummern mit Tieren haben und wo die Tiere auch gut behandelt werden. Flic-Flac hat keine Tiere, weil sie nicht zu unserem Konzept passen.

Stimmt es, dass Sie sich vorstellen können, in Kassel ihren Lebensabend zu verbringen?

Kastein: Ich träume seit Jahren davon, auf dem Campingplatz an der Fulda zu leben, wo ich bereits in meiner Flic-Flac-Pause zwischen 2010 und 2012 zwei Jahre in meinem Wohnwagen verbrachte. Das wäre die schönste Rente für mich.

Haben Sie schon gehört, dass die Stadt Kassel den Campingplatz unter neue Regie stellen will?

Kastein: Das wusste ich nicht, werde aber deshalb sofort Kontakt aufnehmen. Ich würde aus dem Kasseler den modernsten Campingplatz der Welt machen. Wer unsere Toilettenwagen bei Flic-Flac kennt, wird wissen, dass das eine richtig gute Sache würde.

Zur Person

Benno Kastein (60) wurde in Isselburg (NRW) geboren. Er stammt zwar aus keiner Zirkusfamilie, wurde von seinem Vater aber immer in diesem Bereich gefördert. Als Jugendlicher trat er erstmals in der Manege auf. 1989 gründete er mit seiner damaligen Frau Scarlett Kaiser-Kastein und seinem Bruder Lothar sowie dessen Frau Gabi den Zirkus Flic-Flac. Kastein hat zwei erwachsene Töchter und eine Enkeltochter.

Karten von 22 bis 49 Euro für die Flic-Flac-Vorstellungen (15. Dezember bis 8. Januar) gibt es in den HNA-Geschäftsstellen, unter der Hotline 018 06/999 00 02 06 (0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz/max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz) sowie online unter www.flicflac.de

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