Letzte Vorstellung am 9. Januar

Flic-Flac-Manager nach „Festival der Artisten“ in Kassel: „Wir waren immer ausverkauft“

Sie belegten den zweiten Platz und sorgten für schwitzige Hände: Die Truppe „Douglas“ auf dem doppelten Todesrad.
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Sie belegten den zweiten Platz und sorgten für schwitzige Hände: Die Truppe „Douglas“ auf dem doppelten Todesrad.

Am Sonntagabend ist mit der Siegerehrung die zwölfte Auflage des „Festivals der Artisten“ des Zirkus Flic Flac auf dem Kasseler Friedrichsplatz zu Ende gegangen.

Kassel - Gewonnen haben die Hochseil-Artisten aus Kolumbien und Peru, die Gerling-Truppe. Acht Frauen und Männer haben das Kasseler Publikum in elf Meter Höhe mit ihrem Können begeistert. Höhepunkt ist eine dreistöckige Menschenpyramide gewesen. Das Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro hat der Ticketanbieter Reservix gesponsert.

Auf dem zweiten Platz landete die Gruppe Douglas. Vier Artisten sorgten mit ihrer Show auf dem doppelten Todesrad für Adrenalin im Flic-Flac-Zelt. Das Autohaus Glinicke hat das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro beigesteuert.

Auf den dritten Platz kam nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen der heimische Showpilot Daniel Golla aus Söhrewald. Das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro hat die HNA zur Verfügung gestellt.

Wir sprachen mit Flic-Flac-Manager Martin Krockauer über das zwölfte Festival in Kassel, das unter Coronabedingungen stattgefunden hat.

Herr Krockauer, vor Corona vermeldete Flic Flac eigentlich immer Besucherrekorde für das Gastspiel in Kassel. Rund 64 000 Menschen besuchten zum Beispiel 2019 das „Festival der Artisten“. Solch einen Rekord können Sie in diesem Jahr nicht verkünden, oder?
Wir haben einen Besucherrekord aufgestellt, allerdings im Minusbereich. 5770 Menschen haben unsere Vorstellungen gesehen. Damit waren wir aber auch immer ausverkauft. Am Anfang haben wir aufgrund der Corona-Vorsichtsmaßnahmen statt 1300 Menschen nur 350 Personen ins Zelt gelassen, ab dem 28. Dezember durften wir nur noch 250 Zuschauer reinlassen.
Die Artisten konnten einem fast leidtun. Es ist doch ein großer Unterschied, ob es verdienten Applaus von 1300 Zuschauern gibt oder ob nur 250 Menschen applaudieren.
Die Artisten haben das schon mitbekommen, aber die wussten ja im Vorfeld, dass wir wegen der Coronaverordnungen die Zahl der Zuschauer reduzieren müssen. Für die Artisten standen allerdings zwei Gefühle im Vordergrund. Sie hatten endlich mal wieder ein Engagement. Das hat ihnen ein breites Grinsen in das Gesicht gezaubert. Und das zu einer vollen Gage. Obwohl wir weniger Zuschauer hatten und das Gastspiel auch verkürzt worden ist, haben alle Künstler ihre volle Gage bekommen. Von daher war die Stimmung unter den Künstlern super.
Verändert sich unter weniger Publikum die Motivation der Artisten?
Nein. Unsere Regisseurin Roma von Showtime hat nicht den Kopf hängen lassen, sondern immer nach vorne geschaut. Sie hat das Ziel gehabt, von Vorstellung zu Vorstellung etwas zu verbessern. Und auch die Artisten wollten zeigen, dass sie nach der Coronapause noch etwas können. Sie haben die beste Show auch für wenig Publikum gezeigt.
Und das hat das Publikum auch honoriert?
Absolut. Es wusste ja jeder, unter welchen Bedingungen wir nur auftreten dürfen. Da gab es keine Bemerkungen von den Zuschauern, dass das Zelt ja so leer ist. Für unser Publikum ist der Besuch der Vorstellungen ja ab dem 28. Dezember zur Lotterie geworden. Wir mussten wegen der Reduzierung der Plätze ja immer 100 Zuschauern absagen. Das ist das Schlimmste, was einem Veranstalter passieren kann. Ich hoffe, dass die Menschen, die davon betroffen waren, wissen, dass wir nichts dafür können, sondern an Vorgaben gebunden waren. Ich hoffe, dass sie nicht auf Flic Flac schimpfen und zum nächsten Festival wieder kommen.
Sie hatten deutlich weniger Zuschauer als früher. Das bedeutet ja auch große finanzielle Einbußen.
Das stimmt. Und das ist auch ein bisschen traurig. Das haben wir aber einkalkuliert. Das wird Flic Flac jetzt nicht in den Ruin treiben. Wenn wir uns das nicht hätten leisten können, hätten wir es nicht gemacht. Schließlich tragen wir Verantwortung für unsere Mitarbeiter.
Aber irgendwann muss ja auch Flic Flac auch wieder Geld verdienen.
Natürlich. Sie werden es nicht glauben. Ich arbeite jetzt schon an den Verträgen für das nächste Festival. Es wird Zeit, dass wir wieder zur Normalität zurückkehren. Nicht nur wegen der finanziellen Situation. Es ist auch nicht gut, dauernd das Gefühl zu haben, dass es immer noch schlimmer kommen kann. Zudem war es eine Wahnsinnsarbeit, dass wir die Zahl der Zuschauer reduzieren mussten.
Das Festival auf dem Kasseler Friedrichsplatz hat erstmals im Rundbogenzelt stattgefunden. Wie war die Resonanz des Publikums?
Gut. Ohne Maste hat man eine super Sicht von allen Plätzen. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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