Kritische Stimmen

Flohmärkte in Kassel: Gibt es zu viele kleine Märkte? Das fordern Kritiker

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Besonderes Flair: In Zeiten, in denen für viele Kunden Nachhaltigkeit besonders wichtig ist, erleben Flohmärkte einen regelrechten Aufschwung.

Zu viele Flohmärkte an einem Tag, ein zu breit gefächertes Angebot – das sind nur einige kritische Stimmen zur Flohmarktlandschaft in Kassel. Doch was wünschen sich die Kritiker?

Jan Hemming geht gern auf Flohmärkte. In den verschiedensten Städten hat der Kasseler schon an Ständen nach Raritäten und Schnäppchen gestöbert und auch selbst verkauft. 

Von der Flohmarktszene in Kassel allerdings ist Hemming enttäuscht. Hemmings Eindruck ist, dass aufgrund der Vielzahl an Märkten die einzelnen Veranstaltungen schlecht besucht sind.

Wir haben Hemmings Leserbrief zum Anlass genommen, um uns in Kassel umzuhören, ob andere Flohmarkt-Besucher das genauso sehen.

Kassels Flohmärkte: Fehlende Originalität ist nur ein Problem

Nach Hemmings Ansicht seien auf den Parkplatz-Flohmärkten größtenteils Routinehändler, die jedes Wochenende andere Flohmärkte anfahren. 

Sie würden dort oft immer dieselben, aber wenig originelle Sachen anbieten.

„Leider finden mittlerweile bis zu fünf Flohmärkte an einem Tag statt, und das Angebot auf den einzelnen Märkten ist zu breit gefächert“, findet auch Sabrina Rahn aus Kaufungen. 

Die Standorte der Flohmärkte in Kassel.

„Es gibt immer weniger Märkte, die sich auf ein Thema stützen, wie zum Beispiel reine Antik-Märkte. Zudem trifft man immer weniger private Verkäufer.“

Auch die Anzahl der Flohmärkte an einem Tag weckt Kritik

„Das Flohmarktangebot in Kassel ist groß genug, mehr Märkte braucht Kassel nicht“, sagen auch Angie Lauck, Haina und Tatiana Schomberg, Fuldatal. 

Wie viel sie verkaufen würden, sei immer tagesabhängig. Allerdings sei es schwieriger, etwas zu verkaufen, wenn an einem Tag mehrere Flohmärkte stattfinden.

Zuletzt war Hemming in Amsterdam. Dort gibt es riesige Hallen, in denen Flohmärkte stattfinden. Hier zu stöbern, hat ein besonderes Flair, beschreibt es der Kasseler.

Tatiana Schomberg, Händlerin aus Fuldatal.

Das vermisse er in Kassel, wo die Veranstaltungen sehr beliebig seien. Hinzu kommt, dass die Flohmarktlandschaft in Kassel sehr zerfasert sei. 

„Ich finde, auf den einzelnen Märkten ist das Angebot fast zu groß. Es findet jede Woche irgendwo ein Markt statt, das überfordert die Besucher“, sagt eine Besucherin auf dem Metro-Flohmarkt.

Wenn die Flohmarkt-Tradition verloren geht...

Das war aber nicht immer so: Das erste Mal, dass er selbst einen Stand gehabt hätte, sei 2007 gewesen, erinnert sich Jan Hemming.

Da hätten sie auf dem Parkplatz des Herkulescenters in Vellmar verkauft. Da hätten sie gut verkauft.

Dabei geht es Hemming gar nicht mal um die Einnahmen, sondern eher darum, dass die gebrauchten Sachen, die noch gut sind, eine neue Verwendung bekommen. 

Nachhaltigkeit - mehr als bloß ein Trend

Es sei auch im Interesse der Nachhaltigkeit, Gebrauchtes weiter zu verkaufen und nicht wegzuwerfen.

Jan Hemming, Besucher aus Kassel.

Ein steigendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist ein Grund, weshalb Flohmärkte derzeit einen regelrechten Ansturm erleben. In Zeiten von Ebay wird allerdings vieles, was noch einen Wiederverkaufswert habe, online angeboten. 

„Aber da ist der Aufwand groß“, schildert Jan Hemming seine Erfahrung. Bei Elektrogeräten, da habe er sich die Mühe gemacht. Aber nur, weil ihm das Wegwerfen in der Seele wehtue.

Hemming will keine Kritik an den Anbietern oder Händlern üben, sondern eher dazu anregen, über die Gesamtstruktur nachzudenken. 

In Darmstadt beispielsweise gibt es einmal im Jahr einen großen von der Stadt organisierten Markt, der gefalle ihm gut. „Ich glaube, dass ein großer Markt für Schnäppchenjäger und Verkäufer attraktiver ist“, sagt Hemming.

Das sind die städtischen Regelungen für Flohmärkte:

Wenn alle erforderlichen Unterlagen eingereicht wurden, dann müsse die Stadt Kassel einen Flohmarkt genehmigen, heißt es. 

Aus diesem Grund sei es nicht möglich, Veranstalter auf einen oder zwei Termine im Jahr zu verweisen. Im Vorfeld muss unter anderem feststehen, was angeboten wird, wie viele Anbieter kommen und wann verkauft wird. 

Zum Vergleich: In Darmstadt läuft die Genehmigung ähnlich. Allerdings organisiert die Stadt hier einmal im Jahr einen Flohmarkt am Rande der Innenstadt.

 „Diese Veranstaltung ist über die Region hinaus bekannt“, sagt Benjamin Janzen von Darmstadt Marketing. Dadurch, dass es nicht erlaubt sei mit Autos auf die Fläche zu fahren, entstehe eine besondere Flohmarkt-Atmosphäre. 

Märkte an Einkaufszentren gebe es in Darmstadt zwar auch, man habe aber nicht das Gefühl, dass diese überhandnehmen würden.

Von Kathrin Meyer und Laura Henning

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