Fragen und Antworten zum Thema

Wer erklärt den Flüchtlingen unser alltägliches Leben?

Große Spendenbereitschaft: Viele Menschen wollen die Flüchtlinge in der Region unterstützen. Die Hilfsdienste haben im Moment alle Hände voll zu tun, die Spenden zu sortieren. Unser Bild zeigt den freiwilligen Helfer Hubert Thöne im DRK-Stützpunkt Hofgeismar. Foto: Thiele

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt weiter viele Menschen in der Region. Täglich erreichen Anfragen von Lesern die HNA, auch in der Redaktion kommen Fragen auf. Diese haben wir dem Regierungspräsidium Kassel gestellt. Hier Fragen und Antworten.

Wie sieht es mit der Spendenbereitschaft für Flüchtlinge in der Region aus? Und kann man Spenden direkt zu den Unterkünften bringen?

Grundsätzlich sei die Spendenbereitschaft in der Region hoch, dafür sei man wirklich sehr dankbar, erklärt das Regierungspräsidium (RP). Im Moment sei es daher auch eher so, dass die Lagerräume der Hilfsdienste wie Rotes Kreuz oder Johanniter gut gefüllt seien und die Kräfte dort erst einmal eine gewisse Zeit zum Sortieren und zur Ausgabe der Hilfsgüter bräuchten. Es werden noch Freiwillige zum Sortieren gesucht. Generell gilt: Möbel und Hausrat werden nicht benötigt, auch keine Schulranzen, Bettwäsche oder Bälle. Wohl aber Kleidung für Männer (eher schlanke und kleinere Größen), Kinderkleidung, warme Jacken, Schuhe sowie Spielzeugbagger und -Laster (Sandkastengröße). Es ist ratsam, sich dafür mit den Hilfsorganisationen in Verbindung zu setzen.

Gleichzeitig bittet das RP dringend noch einmal darum, nicht selbst Spenden zu den Erstaufnahme-Einrichtungen zu bringen, das überfordere die Organisatoren vor Ort. Hilfsangebote oder Sachspenden könnten dem RP nach wie vor per E-Mail angeboten werden an: heae-calden@rpks.hessen.de

Können die Flüchtlinge in den Erstaufnahme-Einrichtungen der Region ihren jeweiligen Glauben ausleben?

Ja, das sei natürlich grundsätzlich möglich und das würden die Flüchtlinge auch tun, heißt es vom Regierungspräsidium. Es gebe zwar beispielsweise in der Einrichtung in Calden bisher keinen offiziellen Gebetsraum oder Ähnliches. Die Menschen, egal ob Christen oder Muslime, würden sich aber selbst organisieren und sich dann in bestimmten Bereichen zusammenfinden. Dabei improvisierten die Menschen schon einmal mit einem Not-Gebetsteppich. Man sei bestrebt, hier auch noch offizielle Räumlichkeiten zu schaffen, und habe auch andere sogenannte weiche Faktoren im Blick, so das RP. Grundsätzlich stünden aber harte Faktoren wie Übernachtungsmöglichkeiten, Essensausgabe und Gesundheit im Vordergrund.

Gibt es eine Betreuung oder Begleitung in den Unterkünften, die den Flüchtlingen das öffentliche Leben und alltägliche Belange, von Busfahren bis zum Supermarkt-Einkauf, in Deutschland erläutert? 

In den Einrichtungen gebe es Sozialbetreuer, die solche Informationen weitergeben, heißt es im Regierungspräsidium. Auch die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, RP-Mitarbeiter und Dolmetscher würden vor Ort solche Dinge erklären. Zudem gebe es beispielsweise in der Caldener Zeltunterkunft allgemeine Hinweise und Aushänge an einem Schwarzen Brett.

Laut Hessischem Flüchtlingsrat erhalten die Bewohner in den Erstaufnahme-Einrichtungen keine Kenntnis von professionellen Beratungsangeboten zum Asylverfahren. Was sagt das RP dazu? 

Man bemühe sich, Sozialberatung beziehungsweise Asylverfahrensberatung zu leisten und den Ansprüchen gerecht zu werden. Das erklärte Regierungsvizepräsident Hermann-Josef Klüber kürzlich während einer Informationsveranstaltung der Stadt. Dazu benötige man noch mehr Unterstützung von Profis. Wünschenswert sei ein Stab von sechs Mitarbeitern, um die Flüchtlingsberatung sicherzustellen. Angesichts der Massen helfe der Hinweis auf die Gesetzeslage wenig. Man tue, was unter den derzeitigen Umständen möglich sei.

In der Zelteinrichtung in Calden seien schon Sprechstunden der Flüchtlingsberatung eingerichtet worden. Da viele Asylbewerber aus dem Balkangebiet seien und diesen meist klar sei, dass sie zurück in ihre Heimat müssten, gehe es bei diesen Gesprächen vorrangig um eine Rückführberatung.

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