In Stadt und Kreis elf Fälle – Schutz vor drohender Abschiebung

Flüchtlinge: Kirchen bieten zunehmend Asyl

Kassel. Die christlichen Kirchen bieten Flüchtlingen, die von Abschiebung bedroht sind, zunehmend Kirchenasyl.

In Stadt und Kreis Kassel werden nach Angaben der Ausländerbehörde des Regierungspräsidiums (RP) derzeit elf Menschen von Kirchengemeinden beherbergt. Die Zahlen sind im Lauf des Jahres stark gestiegen. Die Kirchen gehen davon aus, dass der Schutzbedarf im neuen Jahr weiter zunehmen wird.

Die meisten Fälle von Kirchenasyl finden im Stillen statt und werden nicht öffentlich bekannt. „Es geht uns in um den Schutz der Betroffenen und nicht darum, Politik zu machen“, betont Pfarrerin Anna-Sophie Schelwis, Beauftragte für Flucht und Migration der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Durch das sogenannte stille Kirchenasyl wolle man auch vermeiden, dass Behörden sich unter Druck gesetzt fühlen.

Die Zentrale Ausländerbehörde des RP wird von den Kirchen über den Aufenthaltsort der eigentlich ausreisepflichtigen Asylbewerber informiert. Rechtlich ist das Kirchenasyl zwar nicht anerkannt, „es wird aber respektiert“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Das heißt: Aus kirchlichen Räumen wird niemand zur Abschiebung geholt.

Indem die Kirchen von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge in ihren Räumen aufnehmen, wollen sie vor allem Zeit gewinnen, damit die Chancen auf ein Bleiberecht für den Betroffenen steigen.

Meist handelt es sich um sogenannte Dublin-Fälle. Davon spricht man, wenn Asylbewerber über einen anderen Staat in die EU eingereist sind, der damit für das Asylverfahren zuständig ist. In einigen Ländern wie Italien oder Malta herrschen aber so schlimme Bedingungen für Flüchtlinge, dass es Bedenken gibt, diese dorthin zurückzuschicken. Halten sich die Betroffenen allerdings länger als sechs Monate in Deutschland auf, wird der Bund in der Regel zuständig für das Asylverfahren. Diese Frist versuchen die Kirchen zu überbrücken.

Von Katja Rudolph

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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