Städtisches Integrationsprojekt

Flüchtlinge pflegen Park in Kassel: Einsatz in Grünanlage Schönfeld 

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Trotz Schmuddelwetter motiviert bei der Sache: Die Projektteilnehmer (von links) Naser Rohintan aus dem Iran, Ghalamali Karimi und Najib Qorbani (Afghanistan) sowie Abbas Ismael Daweesh (Irak) entfernen wild wachsende junge Bäume und Sträucher im Park Schönfeld.

Kassel. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen ist der Park Schönfeld am Freitagmorgen fast menschenleer. Nur im Gehölz am Rande der Grünanlage sind vier Männer emsig bei der Arbeit: Schleppen einen riesigen toten Ast aus dem Graben, stutzen Sträucher und entfernen wild wachsende Jungbäume.

Bei dem Quartett, das im Einsatz für das Umwelt- und Gartenamt ist, handelt es sich um Flüchtlinge. Sie gehören zu den ersten Teilnehmern eines neuen Integrationsprojekts der Stadt Kassel. Dabei arbeiten sie halbtags im Park, die andere Hälfte der Zeit absolvieren sie einen Sprachkurs. Eine zweite Gruppe ist bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) beschäftigt.

Ghalamali Karimi legt kurz die große Heckenschere aus der Hand. „Schnee und Regen nicht gut“, sagt er und lacht. „Aber Arbeit immer gut.“ Der 33-Jährige aus Afghanistan spricht zwar noch gebrochen Deutsch, kann sich aber verständlich machen. In seiner Heimat hat er als Tischler gearbeitet. Er ist froh, dass er nun wieder eine Aufgabe hat. „Nur schlafen und sitzen, das macht krank“, sagt er über das Nichtstun, das für viele Asylbewerber ein Problem ist.

Uwe Bienert

Gärtnermeister Uwe Bienert leitet die Flüchtlinge bei der Arbeit an. Sie entfernen Laub, kümmern sich um die Gehölzpflege und erledigen kleinere Unterhaltungsarbeiten an den Wegen. Vorkenntnisse habe keiner der insgesamt sechs Teilnehmer gehabt, sagt Bienert. Vom Kraftfahrer über den Koch bis zum Kriminalpolizisten reicht die Bandbreite der Berufsbiografien der Teilnehmer. Sie seien aber hochmotiviert und lernten schnell, sagt der Gärtnermeister: „Was ich früher den Azubis fünfmal erklärt habe, muss ich hier nur einmal erklären.“

Entgegen verbreiteter Vorurteile gebe es auch keine Probleme mit Pünktlichkeit. „Keiner, der hier mitmacht, hat auch nur einmal unentschuldigt gefehlt“, sagt Bienert. Allerdings sei es schon vorgekommen, dass angemeldete Teilnehmer gar nicht erst angetreten seien. Die Plätze werden dann nachbesetzt. Das Projekt, das im November begonnen hat, läuft in mehreren Runden noch bis 2018. Insgesamt 120 Flüchtlinge sollen darüber Einblick in die hiesige Arbeitswelt bekommen. Die Kosten in Höhe von 450 000 Euro werden zu 90 Prozent aus dem Ausbildungs- und Qualifizierungbudget des Landes Hessen finanziert. 30 000 Euro trägt die Stadt.

Für die Helfer in Park Schönfeld endet im Februar die dreimonatige Einarbeitung. Dann sollen sie für weitere drei Monate in die regulären Teams des Umwelt- und Gartenamts integriert werden. Sie erhalten zusätzlich zu ihren Sozialleistungen pro Arbeitsstunde 80 Cent.

„Es ist wirklich beachtlich, was die Truppe schon geleistet hat“, sagt Peter Strotmann von der Kommunalen Arbeitsförderung. Er hofft, dass einige der Teilnehmer im Anschluss Arbeit in einem Gartenbaubetrieb bekommen.

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