Stadt verhandelt über Quartier für 25 Menschen

Pläne für weitere Flüchtlings-Unterkunft in Kassel

Kassel. Nicht nur in der Kasseler Nordstadt sollen Flüchtlinge untergebracht werden, sondern auch in einem weiteren Stadtteil. Wo genau, wollte die Stadt gestern nicht sagen. Geplant ist eine Unterkunft für 25 Menschen.

Bei der Unterbringung von Flüchtlingen aus ausländischen Krisenregionen setzt die Stadt weiterhin auf den Bau einer Gemeinschaftsunterkunft in Containerbauweise in der Nordstadt, wo an der Bunsenstraße bis zu 150 Personen unterkommen sollen.

Laut Sozialdezernent Dr. Jürgen Barthel steht die Stadt außerdem in Verhandlungen über eine weitere Unterkunft für 25 Menschen „in einem Stadtteil, der sozial weniger stark belastet ist“. Näheres will Barthel erst sagen, nachdem der betreffende Ortsbeirat zugestimmt hat. Der Sozialdezernent äußerte sich am Dienstag im Eingabeausschuss des Stadtparlaments.

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Zum Thema befasste sich das Gremium mit mehreren Eingaben des Flüchtlingsaktivisten Thomas Aleschewsky. Der wollte erreichen, dass die Stadt grundsätzlich darauf verzichtet, Flüchtlinge in Container-Anlagen unterzubringen, dass sämtlichen Betroffenen eine individuelle Wohnung zugewiesen wird und dass Unterkünfte für Asylsuchende über das ganze Stadtgebiet verteilt werden. Alle Eingaben wurden mit breiter Mehrheit abgelehnt.

Sprecher mehrerer Fraktionen argumentierten, mit den geplanten Containerbauten könne man am schnellsten und flexibelsten auf stark steigende Flüchtlingszuweisungen nach Kassel reagieren. Etwa 220 Menschen sollen im ersten Halbjahr ankommen, die größeren Unterkünfte an der Jägerstraße sowie im Druseltal sind aber weitgehend voll.

Von knapp 500 Flüchtlingen, die aktuell in Kassel leben, ist etwa die Hälfte in Wohnungen untergebracht. Angesichts der vielen Neuankömmlinge werde die Stadt kaum weiteren individuellen Wohnraum in entsprechender Quote auftreiben können, sagte Sozialdezernent Barthel.

Auf Widerspruch stieß Aleschewskys Darstellung, in der „Zwangsgemeinschaft“ einer größeren Unterkunft würden die Flüchtlinge „eingesperrt“. Das Zusammenleben mit Menschen gleicher kultureller Herkunft mache das Einleben häufig leichter, während bei einer verteilten Unterbringung Vereinzelung drohe, sagte etwa Gabriele Jakat (SPD). Dennoch müsse es in den Unterkünften auch private Rückzugsräume geben, sagte der Urheber der Bürgereingaben.

Mit Verweis auf Gerichtsentscheidungen vertrat Aleschewsky die Ansicht, dass in der Nähe von Gewerbegebieten – wie an der Bunsenstraße – gar keine Flüchtlinge einquartiert werden dürften. Diese Einschätzung teilten die Ausschussmitglieder nicht. „Im Vordergrund muss stehen“, so Norbert Sprafke (SPD), „das wir die Menschen erst mal unterbringen können.“ (asz)

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