300 Menschen leben in fünf Gemeinschaftsunterkünften in Kassel

Flüchtlingsheim in der Nordstadt: Containerdorf ist vom Tisch

Kassel. Eigentlich wäre nach den ursprünglichen Plänen nächste Woche der Stichtag für die Eröffnung einer neuen Großunterkunft für Asylbewerber in der Nordstadt gewesen. Ende vorigen Jahres hatte die Stadt angekündigt, dass an der Bunsenstraße ab Juli bis zu 150 Menschen in Wohncontainern untergebracht werden sollen.

Gegen diese Pläne gab es im Stadtteil große Bedenken. Unter anderem Ortsvorsteherin Monika Sprafke (SPD) hatte Sorge, dass die Flüchtlinge dort nicht angemessen aufgenommen und integriert werden können. Nord-Holland hat mit 34,6 Prozent den höchsten Ausländeranteil in der Stadt. Gerade in den vergangenen Jahren gab es in der Nordstadt einen starken Zuzug von Migranten aus Bulgarien und Rumänien.

Zudem hatten unter anderem Flüchtlingsorganisationen kritisiert, die Unterbringung in Wohncontainern - sogenannte Modulbauweise - sei menschenunwürdig. Die Stadt Kassel hatte selbst eingestanden, es handele sich bei den Containern um eine „Notlösung“. Sie sei dem Zeitdruck geschuldet. Wegen der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen müsse man schnell neue Unterkünfte schaffen. Dieses Jahr rechnet die Stadt nach den Vorgaben des Landes mit 412 Neuzuweisungen. Zum Vergleich: Voriges Jahr wurden 249 Asylbewerber in Kassel aufgenommen. In den Jahren vor 2012 lagen die Zahlen noch im zweistelligen Bereich.

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Nun ist das geplante Containerdorf vorerst vom Tisch: „Wir sind optimistisch, dass für die Nutzung des Schwesternwohnheims Park Schönfeld eine Lösung gefunden und auf die Flüchtlingsunterkunft Bunsenstraße verzichtet werden kann“, sagte Rathaussprecherin Petra Bohnenkamp auf Anfrage der HNA.

Wie in den anderen Heimen wird die Stadt einen Betreiber für die Gemeinschaftsunterkunft Park Schönfeld engagieren. Der Auftrag dafür muss nach EU-Recht europaweit ausgeschrieben werden. Daher wird es laut Bohnenkamp bis voraussichtlich Frühjahr 2015 dauern, bis die neue Unterkunft in Betrieb gehen kann. Eigentümerin der Immobilie ist die GNH (Gesundheit Nordhessen Holding). Erst nach dem Ausschreibungsverfahren, das derzeit im Rathaus vorbereitet wird, könne man mit der Renovierung und Einrichtung des neuen Flüchtlingsheims beginnen. Es bietet Platz für bis zu 120 Bewohner. Ob und von wem das Schwesternwohnheim für die Nutzung als Flüchtlingsheim gemietet oder gekauft wird, dazu machte die Stadt wegen der bevorstehenden Ausschreibung noch keine Angaben.

Flüchtlingsheime nicht voll belegt

Noch um den Jahreswechsel platzten die Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge aus allen Nähten, die Stadt suchte händeringend nach Wohnraum für die Asylbewerber. Damals gab es lediglich die beiden Großunterkünfte im Druseltal und in der Jägerkaserne.

Inzwischen gibt es wieder etwas mehr Spielraum. Seit Februar ist in der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule eine weitere große Unterbringungsmöglichkeit geschaffen worden. In den drei großen Flüchtlingsheimen gibt es derzeit sogar über 100 freie Plätze.

Das liege daran, dass ein Teil der neu in Kassel angekommenen Asylbewerber bei bereits hier lebenden Angehörigen aufgenommen worden sei, sodass keine Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft erforderlich war, teilte Rathaussprecherin Petra Bohnenkamp mit. Von Entspannung in der Frage der Unterbringung von Flüchtlingen könne jedoch keine Rede sein. Dieses Jahr hat die Stadt bereits rund 200 Asylbewerber aufgenommen. Insgesamt hat das Land 412 Neuzuweisungen für Kassel angekündigt.

Neben den Großunterkünften gibt es inzwischen auch zwei kleinere Wohnheime für Flüchtlinge. In der von einer Kasseler Familie betriebenen Pension „Villa Seeberg“ leben seit Ostern Frauen aus Krisenländern und ihre Kinder.

Auch am Jungfernkopf leben seit Kurzem zwei Familien in einem Wohnhaus - der „Villa Germandi“ - am Oberen Nordendweg, das einem Privateigentümer gehört. Das zuvor mehrere Jahre leer stehende Gebäude ist im Inneren renoviert worden, bevor die neuen Bewohner eingezogen sind. Übernächste Woche soll in Harleshausen an der Ahnatalstraße im ehemaligen Haus Sonnenhang zudem ein Wohnheim für bis zu 19 minderjährige Flüchtlinge in Betrieb gehen. An der Gießbergstraße (Nordstadt) gibt es bereits seit Langem ein solches Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Dort leben 30 Kinder und Jugendliche. (rud)

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