Förderung durch Bund setzt aus

Ein Job ist die Eintrittskarte ins Leben

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Reimar Bendix und Rolf Steinebach (rechts) von „Bleib in Hessen“

Kassel. Seit drei Jahren vermittelt „Bleib in Hessen“ für Flüchtlinge Sprachkurse, Arbeits- und Azubi-Plätze. Diese Form von Integrationsarbeit ist ebenso wichtig wie neu in Kassel. Weil in absehbarer Zeit Fördermittel fehlen, ist die Arbeit der Initiative akut gefährdet.

Vor zehn Jahren ist Sara (Name von der Redaktion geändert) aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Als politisch Aktive drohten ihr Gefängnis und Folter. Mit dieser Angst im Nacken stellte sie 2003 in Deutschland einen Asylantrag, er wurde abgelehnt. Seit zehn Jahren ist sie geduldet. Sie darf nicht abgeschoben werden, weil sich ihre Identität nicht genau klären lässt. Immerhin darf sie inzwischen arbeiten.

Sara kämpfte. Sie schickte ihren Sohn in die Schule, absolvierte Sprachkurse, ging arbeiten, wurde selbst zur Sprachlehrerin für Iraner, bis heute engagiert sie sich ehrenamtlich. Sie ist voll integriert. Nur in Sachen Berufsausbildung schmeißen ihr die Behörden immer noch Steine in den Weg. Ihr Traum ist, Krankenschwester zu werden.

Sie benötigt für den Ausbilder eine Bestätigung dafür, dass sie im Laufe ihrer Ausbildung nicht abgeschoben wird. Andernfalls bekommt sie die Azubi-Stelle nicht. Zugleich wäre aber eine sichere Stelle der Garant dafür, dass ihre Duldung verlängert würde. „Ein Teufelskreis, in dem viele Bleibeberechtigte stecken“, sagen Reimar Bendix und Rolf Steinebach von „Bleib in Hessen“ mit Büro am Westring 73. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist ihre Aufgabe – sie vermitteln Geduldeten, Gestatteten und Flüchtlingen Sprachkurse, Arbeits- und Azubi-Plätze. Seit 2010 machen sie das in Kassel, „vor allem für Langzeit-Geduldete sind diese Hilfen elementar“, sagt Bendix.

Ohne sie schafften viele den Einstieg in ein würdevolles Leben jenseits des 380-Euro-Regelsatzes nicht. Grund: „Zwar reden alle von Integration. Fakt aber ist, dass sich wegen unglaublicher bürokratischer und rechtlicher Hürden eine gigantische Verhinderungsmaschinerie entwickelt hat.“ 180 Klienten betreuen Bendix und Steinebach aktuell, 50 mehr, als sie eigentlich schaffen, 2012 waren es noch 100. Mit der Vermittlungsrate sind sie zufrieden, 2012 besorgten sie für rund 20 einen Arbeitsplatz, für weitere 70 Personen Sprachkurse. „Der Zugang zu Sprache und Arbeit ist das A und O, um in Deutschland anzukommen.“

Doch ist ihr Engagement gefährdet. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales als Mitfinanzierer spielt aktuell nicht mit. Arbeiten können sie nur noch bis Juni 2014. Dabei wollen sie noch vielen helfen. „Der Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft ist lang und steinig“, sagt Bendix. Es kommt ihm so vor, als stünde er oft selbst vor einem unüberwindbaren Berg. Dabei will er Flüchtlingen endlich nicht mehr sagen müssen: „Sie verlangen, dass die Sonne im Westen aufgeht.“

Von Boris Naumann

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