Unterkünfte überfüllt

Kinder oft allein auf der Flucht: Jahre unterwegs, bis sie in Kassel sind

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Kassel. In Stadt und Landkreis Kassel kommen immer mehr minderjährige Flüchtlinge ohne Familienangehörige an.

Die Heime, in denen die Jugendlichen untergebracht werden, sind seit Monaten voll belegt. Die Kommunen bemühen sich jetzt, zusammen mit Trägern der Jugendhilfe neue Plätze zu schaffen.

Die Zahl sogenannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) steigt seit 2009 stark. Gab es seinerzeit in Kassel 21 Fälle, waren es 2013 bereits über 100. Im vergangenen Jahr kümmerte sich die Stadt um 163 betroffene Jugendliche. Im Landkreis gab es 2014 insgesamt 58 Fälle – doppelt so viele wie im Vorjahr. Die meisten Jugendlichen kommen aus Afghanistan, Somalia, Eritrea und zunehmend auch aus Syrien. „Viele sind zwei Jahre auf der Flucht gewesen, wenn sie hier ankommen“, sagt Henning Wienefeld, UMF-Fachberater bei der Hephata Diakonie, die in Kassel und Vellmar drei Wohnheime für junge Flüchtlinge betreibt.

Alleinstehende Jugendliche werden nicht in den Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber, sondern in der Regel in speziellen Jugendwohngruppen untergebracht. Erst im vergangenen Sommer hatte die Hephata Diakonie, die in Kassel seit Jahren an der Gießbergstraße ein Heim mit 31 Plätzen betreibt, eine zweite Einrichtung an der Ahnatalstraße eröffnet. Auch die 19 Plätze dort sind bereits belegt. Die Einrichtungen im Landkreis (Vellmar, Wolfhagen), in denen jugendliche Flüchtlinge untergebracht werden, platzen ebenfalls aus den Nähten. Leider sei es sehr schwer, für volljährig gewordene Jugendliche eigene Wohnungen zu finden, sodass Plätze teilweise von über 18-Jährigen belegt bleiben müssen, berichtet Kreissprecher Harald Kühlborn.

Die freien Träger sind momentan zurückhaltend, neue Heime zu eröffnen, weil der Bund über ein neues bundesweites Verteilsystem für UMF nachdenkt, das sinkende Zahlen in der Region zur Folge haben könnte.

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