Behörden warnen

Flüsse belastet: Kasseler werfen alte Medikamente in die Toilette

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Weil viele Menschen ihre alten Medikamente in der Toilette statt im Restmüll entsorgen, aber auch über die Ausscheidungen, gelangen Wirkstoffe in die Flüsse.

Kassel. Weil viele Menschen ihre alten Medikamente in der Toilette statt im Restmüll entsorgen, aber auch über die Ausscheidungen, gelangen Wirkstoffe in die Flüsse. Die Kläranlagen sind technisch nicht in der Lage, diese richtig zu filtern. Das wird immer mehr zum Problem.

Nach Untersuchungen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) sind die Fulda und Bauna mit Arzneimittelwirkstoffen belastet. Vor allem für die Fische sind diese Rückstände eine Gefahr.

Bisher gibt es keine Grenzwerte für Wirkstoffrückstände in Flüssen. Aber sollten die von EU und Bundesumweltministerium derzeit diskutierten Grenzwerte rechtsverbindlich werden, würden diese auch in den nordhessischen Flüssen bei einigen Stoffen überschritten, erläutert Peter Seel, Chemiker und Biologe der HLUG.

Dies gilt auch für Fulda und Bauna, aus denen regelmäßig Proben entnommen wurden. Nach den Ergebnissen wird in der Bauna der vorgeschlagene Grenzwert für das Schmerzmittel Diclofenac um mehr als das Vierfache übertroffen. Damit gehört die Bauna hessenweit zu den Flüssen mit der höchsten Konzentration.

Diclofenac führe bei Fischen zu Nierenschäden, sagt Seel. Dass dessen Konzentration in der Bauna besonders hoch ist, sei nicht ungewöhnlich. Besonders abwasserbelastete Zuflüsse seien stärker betroffen als große Flüsse, in denen sich die Wirkstoffe verdünnten. Aber auch in der Fulda liege die Belastung im Bereich möglicher Grenzwerte, sagt Seel. Konkrete Werte nennt er nicht, da diese noch nicht veröffentlicht sein.

Aber nicht nur Schmerzmittel machen den Fischbeständen zu schaffen. Die Wirkstoffe der Pille sorgen etwa dafür, das Fischbestände verweiblichen. Die Stadtreiniger und Kasselwasser bitten darum, dass abgelaufene Medikamente in einem geschlossenen Beutel im Restmüll entsorgt werden. Auch einige Apotheken bieten eine Rücknahme an – dazu verpflichtet sind sie nicht. (bal)

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