Angebliches Gesetz verstört Tierhalter

Flugblatt über Verbot von Exoten im Wohnzimmer sorgt für Verwirrung

Kassel. Ein in Tierhandlungen ausgelegtes Flugblatt des Dachverbands der Tierhalter (DVTH) sorgt für Verwirrung unter Tierhaltern. Darin warnt der Verein vor einem drohenden Verbot für exotische Haustierarten. Neben den Texten stehen Bilder von Papageien, Meerschweinchen, Kaninchen, Hamstern, Katzen und Hunden.

Auch im Geschäft von Dieter Glagow an der Werner-Hilpert-Straße liegen die Infozettel aus. Der 75-Jährige verkauft seit über 50 Jahren Fische und hat sich auf Salzwasserlebewesen spezialisiert. „Für mich macht es den Eindruck, als habe man vor, alle Haustiere zu verbieten“, sagt er. Frank Hose vom Zoohaus Süd in der Frankfurter Straße sieht die Aktion gelassen. „Keiner braucht Exoten. Ich verkaufe gängige Tierrassen viel lieber als die, mit denen sich keiner auskennt.“

Der DVTH war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Hintergrund der Kampagne ist ein Antrag der Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen. Die beiden Parteien wollen erreichen, dass weniger Tiere in freier Wildbahn gefangen werden, um in Deutschland als Haustiere verkauft zu werden. „Teilweise wurde der Antrag in Exoten-Halterkreisen übertrieben und ängstlich aufgenommen“, sagt Heinz Paula, Tierschutzbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion.

Die Vorstellung, seine Partei wolle alle Haustiere verbieten, sei absurd, sagt der Abgeordnete aus Augsburg. Das Verbot solle nur für Tiere gelten, die dem Menschen gefährlich werden und Krankheiten übertragen könnten und nur mit sehr großem Aufwand als Haustiere zu halten seien. Zudem wollen SPD und Grüne kommerzielle Tauschbörsen verbieten, da dort Tiere oft ohne genaue Beratung weitergegeben würden.

Der Deutsche Tierschutzbund vertritt ähnliche Ziele wie SPD und Grüne. Auch er wird in dem Flugblatt des Tierhalterverbandes kritisiert. „Für jeden Tierschützer ist klar, dass sich ein Kanarienvogel im Freien wohler fühlt als im Käfig“, sagt eine Sprecherin.

Dennoch könne man den exotischen Vogel als Haustier halten. „Anders ist es mit Tieren wie einer Netzpython, Großpapageien, Krokodilen oder Affen – die gehören in kein Wohnzimmer.“

Eine genaue Aufstellung, welche Tiere man zu Hause halten dürfen soll und welche nicht, kann der Tierschutzbund nicht vorlegen. In den Niederlanden gibt es eine sogenannte „Positiv-Liste“. Sie ist gesetzlich bindend und von Wissenschaftlern erstellt. Siehe Hintergrund

Von Juri Auel

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