Albert Falderbaum war Kunstflieger

Flug-Serie: Den ersten Absturz überlebt

Spektakulärer Rückenflug: Die Aufnahme entstand 1938 auf dem Flughafen in Waldau. Das Flugzeug steuerte Albert Falderbaum. Foto:  Archiv Werner Kossin / nh

Kassel. Nach Albert Falderbaum ist im Stadtteil Waldau eine der Hauptzufahrtsstraßen zum heutigen Industriegebiet benannt. Direkt neben der Straße lag früher der Flugplatz Waldau, von dem aus der Kunstflieger oft startete.

Falderbaum, der in der Nähe von Bonn aufwuchs, war vor dem Krieg Fluglehrer bei der Luftwaffe in Fuldatal-Rothwesten. 1938 wurde er Deutscher Meister im Kunstfliegen, ein Jahr später heiratete er in Kassel Hilde Melchior. Gemeinsam hatten sie drei Söhne und eine Tochter.

Serie über die Fliegerei in Kassel

Am Donnerstag, 4. April, wird der neue Flughafen Kassel-Calden eröffnet. Bis dahin erinnern wir in einer siebenteiligen Serie an Flugpioniere und die Vorläufer des heutigen Flugbetriebes vom Kasseler Forst über Waldau bis Calden.

Falderbaum war auf nationalen oder internationalen Flugtagen mit seinen Kunstflugvorführungen ein Publikumsmagnet. Unter anderem zeigte er bei einem Großflugtag in Waldau zusammen mit Vera von Bissing, der Meisterschülerin von Gerhard Fieseler, und der Testpilotin Hanna Reitsch sein Können. Im Krieg erlitt er eine schwere Rückenverletzung.

Auf dem Flughafen Waldau: Die Aufnahme entstand 1939 und zeigt Albert und Hilde Falderbaum mit ihrem Neffen Hans-Jörg Melchior. Der wurde später Professor am Kasseler Klinikum. Foto:  privat / nh

Nach 1945 lebte die Familie zunächst in Ziegenhagen bei Witzenhausen und betrieb bis 1950 eine Wäscherei. Später wurde Falderbaum als Verantwortlicher für Flugzeug-Treibstoffe auf Flugplätzen engagiert und konnte damit auch wieder seiner eigentlichen Leidenschaft, der Kunstfliegerei, nachgehen.

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Seine Frau Hilde begleitete ihn bei seinen Reisen zu Flugtagen in ganz Europa: Während der Pilot mit seiner Bücker Jungmeister flog, steuerte sie das Auto - den elf Meter langen Anhänger mit dem Segelflugzeug Lo 100 im Schlepp, das ebenfalls für Kunstflüge genutzt wurde.

Mit diesem Flugzeug verunglückte Albert Falderbaum 1955 in Düsseldorf bei einer Vorführung schwer, erholte sich aber wieder.

Am 29. September 1961 testete er in Augsburg ein neues Sportflugzeug. Dazu gehörten auch Trudelversuche, bei denen das Flugzeug außer Kontrolle geriet. Falderbaum wollte abspringen, doch der Fallschirm verhakte sich in der abstürzenden Maschine.

Er starb am Unfallort und wurde in Kassel beigesetzt. 1972 ehrte ihn die Stadt mit der Benennung einer Straße am ehemaligen Flugplatz Waldau. Auch in Calden gibt es eine Falderbaumstraße.

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