Koalition in Hessen

Analyse: Warum die Grünen den Flughafen-Neubau nicht mehr verteufeln

Calden/Kassel. Wollte man ein Bild aus der Fliegerei bemühen, so haben die Grünen im Kreis am Himmel über Calden eine spektakuläre Kurve gezogen und sind auf Gegenkurs zu ihrer Position gegangen:

Der Flughafen-Neubau, bis vor wenigen Tagen ein rotes Tuch, wird zumindest von ihren Chefpiloten nun nicht mehr verteufelt.

Sondern als politische Realität anerkannt. Nachdem Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir („Calden eine Chance geben“) in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU auf Kompromisskurs gegangen war, versucht Steffi Weinert, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, nun, es ihm gleichzutun. In dem Parlament leitete sie am vergangenen Donnerstag die neue Flugrichtung mit einem verbalen

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Looping ein. Flughafen-Befürworter (SPD, CDU, FDP, FWG) und -Gegner (Linke) im 81-köpfigen Parlament glaubten bei dem Funkspruch aus dem Cockpit der wendigen Grünen ihren Ohren nicht zu trauen.

Quer durch die Fraktionen schüttelten die Abgeordneten die Köpfe. „Wir sind Neubau-Gegner, aber keine Flughafen-Gegner“, stellte Weinert in ihrer Rede zum 2014er-Haushalt klar. Soll wohl heißen: Der neue, über 270 Millionen Euro teure Flughafen ist nun mal da, jetzt müssen wir eben mit ihm leben. Kurz vor dem Beginn der schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen in Wiesbaden hörte sich das alles noch ganz anders an.

Video: Flughafen-Chefin Muller im Interview

• Oktober 2013: Nachdem feststeht, dass es im Winterhalbjahr keine regelmäßigen Ferienflüge geben wird, wollen die Grünen die Geschäftsführer der Flughafen GmbH zum Rapport einbestellen. Vor den Ausschüssen des Kreistages sollen Flughafen-Chefin Maria Anna Muller und die beiden Geschäftsführer Rolf Hedderich und Jörg Ries über die Situation berichten. Dies wird im Februar 2014 geschehen.

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• September 2013: Fraktionschefin Weinert plädiert dafür, sich die Möglichkeit offen zu halten, den neuen Flughafen zu einem Verkehrslandeplatz und damit auf den alten Status zurückzustufen. Originalton: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Das Kopfschütteln über den neuen Kurs der Grünen, das es dem Vernehmen nach auch bei so manchem an der Parteibasis gibt, erklärt sich vor allem aus der Rolle, die Weinert jahrelang bei der Auseinandersetzung um Calden spielte. Als Sprecherin der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau (Biga) war sie das Gesicht der Flughafengegner.

• März 2010: Weinert spricht von dem Airport-Neubau als einem „Luftschloss“. Der damaligen schwarz-gelben Landesregierung empfiehlt sie, nicht nur die Mehrkosten, sondern auch die jährlichen Verluste zu übernehmen.

Doch ist es wirklich nur die Aussicht auf die Regierungsbeteiligung, die die Kreis-Grünen bei ihrem Symbolthema umschwenken lässt? Kenner der Partei bezweifeln das. Sie verweisen auf den 22. September 2013. Bei der Landtagswahl wurde den Grünen drastisch vor Augen geführt, dass sie mit dem harten Anti-Flughafen-Kurs künftig keinen Blumentopf mehr gewinnen können. In den Anrainerkommunen brach die Partei dramatisch ein. In Calden etwa stürzte sie von 16,3 auf 10,4 Prozent ab, in Immenhausen von 18,3 auf 10,1 Prozent. Kommentar von Steffi Weinert am Tag danach: „Das ist uns natürlich auch aufgefallen.“ (ket)

Bilder vom Nikolausfest am Flughafen

Reisemarkt und Nikolausfest am Flughafen

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