Hauptaufgabe: Unfälle vermeiden

Zu Besuch im Flughafen-Tower in Calden: Fox Lima hat alles im Blick

Calden. Aus dem Tower am Kassel Airport hat man den perfekten Rundum-Blick. Den brauchen die Fluglotsen auch, die hier unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen arbeiten. Wir haben sie besucht.

Mike Romeo und Fox Lima zittern nicht, die Kontrolle verlieren sie zu keinem Zeitpunkt. Zum Glück, die Folgen könnten fatal sein. Die beiden Männer sorgen als Fluglotsen im Tower des Kassel Airports in Calden dafür, dass sich keine Flugzeuge bei Start und Landung in die Quere kommen.

Böse Zungen werden jetzt sagen: „Da ist so wenig los, was soll da schon passieren?“ Diejenigen vergessen allerdings, dass in Calden die Urlaubsfliegerei nur einen geringen Teil der Flugbewegungen ausmacht. Zwischen 40 und 500 Flüge am Tag müssen Lima und Romeo koordinieren. Langeweile gibt es da nicht.

Der Tower des Airport Kassel: Wir haben uns vor Ort umgeschaut. 

Ihre echten Namen wollen und können die Fluglotsen nicht nennen, im Funkverkehr nutzen sie die Pseudonyme. Die Sicherheitsvorschriften hier sind extrem, nicht mal Flughafen-Chef Lars Ernst darf ohne Genehmigung hier hoch. Fotos sind erlaubt, so lange keine sensiblen Daten auf den Monitoren erkennbar sind. Wer im Tower arbeitet kann sich sicher sein, dass er nicht gestört wird.

Die Arbeitsplätze in 32 Metern Höhe gleichen einer Art Regieraum. Auf einer ganzen Reihe Monitore und Touchscreens erscheinen Daten zu Flugrouten, Wetter und dem Rollfeld. In regelmäßigen Abständen knistert das Funkgerät.

Was Piloten dort melden bleibt ebenso unverständlich, wie das, was Fox Lima antwortet. Man tauscht sich hier in englischsprachigen Codes aus, alles hat festgelegte Namen. Die Rollfelder in Calden heißen zum Beispiel Eco und Charly. Ein paar Zahlen aus den Anweisungen, die hin und her gehen, geben den Piloten noch die richtige Anflugrichtung an.

„Hauptaufgabe ist, darauf zu achten, dass hier keiner zusammenstößt“, fasst Romeo etwas zugespitzt zusammen. Und das bedeutet, bis zu 15 Flugzeuge gleichzeitig im Blick zu haben, „und zu wissen, wo sich jedes einzelne in drei Minuten befinden wird. Das läuft dann wie ein selbst erstellter Film vor dem inneren Auge ab“, so Romeo. Der Ausbildungsweg zu einem Job mit so viel Verantwortung ist hart. Nur zwischen einem und zwei Prozent der Bewerber kämen durch das anderthalbjährige Grundstudium, das mit einer Prüfung am Simulator endet, sagt Romeo.

Manchmal muss es auch einfach gehen: Trotz modernster Technik steht ein Fernglas immer in Reichweite der Fluglotsen, um ankommende Flieger zu sichten.

Für jeden Tower kommt dann noch eine zusätzliche Sonderausbildung hinzu. Denn die Lotsen müssen die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten genau kennen und einschätzen können. In Calden ist das zum Beispiel der Dörnberg und die Gefahr einer niedrigen Wolkendecke.

Die Sicht ist wichtig für die Fluglotsen. Entgegen ihrer Kollegen an großen Flughäfen arbeiten sie häufig auf mit Fernrohren und dem Blick aus den Rundum-Fenstern. Zwischen großem Sundair-Airbus und dem Ein-Mann-Privatflieger machen die Lotsen übrigens keinen Unterschied. Hier werden alle gleich behandelt.

Rubriklistenbild: © Deppe

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