Neues Gewerbegebiet soll entstehen 

Stadt und Kreis Kassel übernehmen Flughafen-Anteile der Gemeinde Calden

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Die Gemeinde Calden reduziert seine Anteile am Flughafen um die Hälfte.

Calden reduziert seine Gesellschafteranteile am Flughafen von sechs auf drei Prozent. Dem stimmten nun das Land Hessen und der Landkreis Kassel zu. Stadt und Kreis übernehmen jeweils 1,5 Prozent.

Bürgermeister Maik Mackewitz sieht darin einen Wendepunkt. Statt bisher 13 Prozent werden Stadt und Landkreis künftig 14,5 Prozent halten. Dementsprechend gibt die Gemeinde Calden als kleinster Gesellschafter von ihren sechs Prozent drei Prozent ab. Das Land Hessen hält nach wie vor 68 Prozent. Hintergrund der Neuordnung sind Sorgen der Gemeinde Calden, dass sie ihren Anteil am Defizit des Flughafens nicht mehr stemmen könnte. 

Im Jahr 2017 lag das Defizit des Airports bei annähernd sechs Millionen Euro. Der Kasseler Magistrat und der Kreisausschuss des Landkreises haben der Neuordnung bereits zugestimmt. Weitere Beschlüsse anderer kommunaler Gremien sollen schließlich folgen. Außerdem soll ein neues, weiteres Gewerbegebiet am alten Flughafen entstehen, das von der Hessischen Landgesellschaft entwickelt werden soll. 

Die Landgesellschaft soll dazu nach und nach Grundstücke von der Flughafen GmbH kaufen. Die Fläche des Gewerbegebietes beträgt 655 000 Quadratmeter. Das entspricht ungefähr 80 Fußballplätzen. In diesem Jahr sollen über 130 000 Passagiere von Calden fliegen. Am und um den Flughafen arbeiten über 1000 Menschen.

Jahrelang hat die Gemeinde Calden auf die Verringerung ihrer Gesellschafteranteile an der Flughafen GmbH Kassel gedrängt. Jetzt ist sie am Ziel. Das Land Hessen sowie Stadt und Landkreis Kassel willigten ein und stimmten der Reduzierung der Caldener Anteile von sechs auf drei Prozent zu.

Calden musste Defizit des Flughafens mittragen

Calden war durch seinen sechsprozentigen Anteil bislang finanziell hoch belastet. Da der Flughafen immer noch in der Verlustzone steckt, musste auch die Standortgemeinde das rund Sechs-Millionen-Defizit mittragen. Dazu kamen die Kosten aus Abschreibungen sowie Zins- und Tilgungskosten. Denn auch an den 280 Millionen Baukosten hatte sich Calden mit 7 Millionen beteiligt. So zahlt die Gemeinde für ihr Flughafenengagement allein in diesem Jahr 720.000 Euro. Das ist genau der Betrag, der zur Deckung des Haushaltes fehlt.

„Das konnte so nicht weitergehen“, sagt Bürgermeister Maik Mackewitz. Er sieht in der Halbierung der Gesellschafteranteile „nun den finanziellen Wendepunkt für die Gemeinde, auf den wir lange hingearbeitet haben“.

600.000 Euro Entlastung 

In den Verhandlungen mit dem Land erreichte die Gemeinde Calden zudem, dass sie 2,6 Millionen Euro aus dem Landesausgleichsstock erhält. Damit kann sie die Belastungen aus Zinszahlungen und Abschreibungen in den nächsten Jahren verringern. „Unter dem Strich bedeutet das Paket für uns eine Entlastung von rund 600 000 Euro jährlich“, sagt Mackewitz.

Die von Calden frei gegeben Anteile werden zu jeweils 1,5 Prozent von Stadt und Landkreis Kassel übernommen. Beide verfügen künftig jeweils über 14,5 Prozent, statt bisher 13 Prozent. Das Land Hessen ist weiterhin mit 68 Prozent am Flughafen beteiligt. Für Stadt und Kreis geht mit der Anteilserhöhung eine Kostensteigerung um jeweils 140 000 Euro einher. Insgesamt kostet beide der Flughafen nunmehr 1,34 Millionen Euro im Jahr.

Hintergrund: Neues Gewerbegebiet soll entstehen

Parallel zur Neuordnung ihrer Anteile haben sich die Gesellschafter auf ein neues 65 Hektar großes interkommunales Gewerbegebiet am Flughafen geeinigt. Es soll die gewerbliche Infrastruktur rund um den Kassel Airport stärken. Künftige Gewerbesteuererträge sollen zu gleichen Teilen an Stadt und Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden fließen. 

Ansiedeln sollen sich hier vornehmlich weitere Unternehmen aus dem Luftfahrsegment. Noch ist das gesamte Areal im Eigentum der Flughafen GmbH. Diese werde einzelne Flächen nach und nach an die Hessische Landgesellschaft (HLG) verkaufen. Ein erster Verkauf finde noch dieses Jahr statt, sagt Flughafengeschäftsführer Lars Ernst. Zurzeit werden in mehr als 30 Betrieben am Flughafen über 1000 Mitarbeiter beschäftigt, heißt es.

Archivvideo: Blick in den Tower des Kassel Airport

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