„Wir haben nie von Gesellschaftern gesprochen“

Flughafenkosten: IHK streitet Firmen-Beteiligung ab

Kassel. Hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel eine Beteiligung der Wirtschaft an den Flughafenkosten zugesagt? Eindeutig zu beanworten ist die Frage offenbar nicht.

„Wir haben nie von Gesellschaftern gesprochen“, sagt IHK-Geschäftsführer Ulrich Spengler, für Standortentwicklung zuständig. „Was wir haben, sind Firmen, die investieren wollen.“ Namen von Investoren könne er aber nicht nennen.

Spengler weist die Darstellung des Grünen-Stadtverordneten Dieter Beig zurück, wonach die IHK-Spitze vor dem Ausbau eine Beteiligung von Mitgliedsunternehmen am Flughafen Kassel-Calden in Aussicht gestellt haben soll. Beig hatte gefordert, die Unternehmen müssten nun zu ihrem Wort stehen und sich als Gesellschafter an den Kosten des Flughafens beteiligen. Die nordhessische Wirtschaft hatte sich vehement für den Ausbau des Regionalflughafens Kassel-Calden eingesetzt. Bevor die Weichen dafür gestellt wurden, hatte Spengler damals in einer Pressemitteilung erklärt, der Kammer lägen Zusagen von Firmen aus der Region vor, die sich mit „maßgeblichen Beträgen“ an dem Projekt beteiligen wollten. Weitere Investoren könnten gewonnen werden - dazu müssten die politischen Gremien allerdings zeitnah die Rahmenbedingungen schaffen und Planungssicherheit herstellen.

„Es war ein bisschen offen formuliert, das gebe ich zu“, sagt Spengler heute. Von einer Übernahme von Gesellschaftsanteilen sei aber keine Rede gewesen. Damals hätten sich drei bis vier Investoren gemeldet, die Millionbeträge aufbringen wollten. Auch heute gebe es Interessenten, die bereit seien in Infrastrukturbauten wie Hangars zu investieren, die sonst von den Fluggesellschaften finanziert werden müssten. Investoren gebe es auch für Bürogebäude und Tankstellen auf dem Gelände, die Grundstücke seien bereits vermarktet, sowie weitere Interessenten für andere Investitionen.

„Es war niemals Thema, dass Mitgliedsunternehmen Gesellschafter werden“, erklärt IHK-Pressechef Thomas Rudolff. Zwar habe man den Ausbau als ein wichtiges Infrastrukturprojekt gefordert, eine finanzielle Beteilung sei aber zu keinem Zeitpunkt Thema gewesen. Im übrigen sei der 271 Millionen Euro teure Flughafen auch mit nicht unbeträchtlichem Steuergeld der regionalen Unternehmen finanziert worden.

Der Ausbau des Flughafens, der im April seinen Betrieb aufnimmt, sei ein öffentliches Projekt. „Das ist eine absolut hoheitliche Aufgabe“, sagt Rudolff. Im Namen ihrer Mitgliedsunternehmen fordere die IHK auch den Ausbau der Autobahnen 44 und 49. Vorstellbar für den Flughafen sei allenfalls ein privater Gesamtinvestor nach dem Vorbild der Frankfurter Fraport AG. Vom Ausbau des Flughafens werde die gesamte Region profitieren. „Wir gehen davon aus, dass der Flughafen die Region nachhaltig beleben wird“, sagt Rudolff.

Von Ellen Schwaab

Fotos: Testbetrieb am Flughafen Kassel Calden

Testbetrieb am Flughafen Kassel Calden

Rubriklistenbild: © Koch

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