Gesellschafter sehen Startprobleme

Flughafenbetrieb aufrecht erhalten

Calden. Während andere die Rückstufung des Regionalflughafens oder die Kündigung des Gesellschaftervertrages ernsthaft diskutieren wollen, hält das Land Hessen von solchen Szenarien überhaupt nichts.

Bei seinem Besuch des Flughafens hat Finanzminister Thomas Schäfer vergangene Woche noch ein klares Bekenntnis zu Kassel-Calden abgegeben. Man werde die "momentane Durststrecke durchstehen", versicherte Schäfer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen GmbH ist.

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"Wir beteiligen uns nicht an solchen Spekulationen", hatte zuvor auch Schäfers Pressesprecher Stefan Löwer auf HNA-Anfrage gesagt. Es sei natürlich, dass der Flughafen in der Anfangsphase Defizite einfahren würde, aber das seien Anlaufschwierigkeiten, die jeder andere Regionalflughafen in Deutschland auch gehabt habe. "Wir werden über einen Ausstieg nicht nachdenken", so der Ministeriumssprecher.

Von dieser offiziellen Position weichen auch die kommunalen Gesellschafter nicht ab. Ob Stadt Kassel, Gemeinde Calden oder der Landkreis - alle weisen auf unvermeidbare Anlaufverluste hin. "Wie sich der Flughafen Kassel-Calden etabliert, wird man erst nach Ende dieser Anlaufphase in einigen Jahren seriös beurteilen können", sagt Ingo Happel-Emrich, Pressesprecher der Stadt. Und Caldens Bürgermeister Andreas Dinges sagt: "Eine Abstufung zum Verkehrslandeplatz ist für mich keine Option."

Ganz anders sehen es dagegen Grüne und Linke im Kreis. "Der Flughafen wird in den nächsten 15 Jahren keine schwarzen Zahlen schreiben", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Steffi Weinert. Weil Kassel-Calden völlig am Bedarf vorbei gebaut worden sei, werde er nicht funktionieren. "Zweimal in der Woche nach Malle, das genügt einfach nicht", sagt Weinert. Die Rückstufung zu einem Verkehrslandeplatz müsse deshalb als Möglichkeit offen gehalten werden. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."

Doch zunächst müsse der Kreis seinen Anteil am Betriebsdefizit auf 270 000 Euro begrenzen. Weinert weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass der Landkreis unter den Schutzschirm des Landes Hessen gegangen ist und in diesem Status keine weiteren Schulden mehr machen und Kredite aufnehmen dürfe. "Doch den Verlust für Kassel-Calden zu tragen, das erlaubt der Regierungspräsident."

Die Linken gehen noch einen Schritt weiter und fordern die "schnellstmögliche Schließung des Regionalflughafens". Die Infrastruktur solle wieder als Verkehrslandeplatz genutzt werden. Nach ihren Berechnungen verursache der Flughafen ein Defizit von 10,2 Millionen jährlich. Das gelte auch für den "unwahrscheinlichen Fall, dass die in der Planfeststellung unterstellte Zahl von 660 000 Passagieren pro Jahr erreicht wird." Für einen Weiterbetrieb bis 2020 summiere sich dann das Gesamtdefizit auf 82 Millionen Euro, so die Linke. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei erst bei Fluggastzahlen ab 1,8 Millionen möglich.

Von Gerd Henke

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