Vor Eröffnung im April

Flughafeneröffnung Kassel-Calden: Nervosität in Paderborn

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Testbetrieb in Kassel-Calden: Die Flughäfen Paderborn und Calden liegen nur 70 Kilometer auseinander. Der Kasseler Flughafen wird den Westfalen Fluggäste wegnehmen.

Paderborn/Kassel. Zwei Monate vor Eröffnung des neuen Flughafens Kassel steigt offensichtlich auch beim Konkurrenz-Flughafen Paderborn-Lippstadt die Spannung: „Nicht gelassen, aber auch nicht panisch“ blicke er nach Nordhessen, sagt Paderborns Flughafen-Chef Elmar Kleinert.

 „Calden wird in unserem Einzugsgebiet nach Passagieren jagen. Das können wir nicht verhindern,“ erklärte Kleinert in einem Interview mit der Zeitung „Glocke“. Das bedeutet, dass die Zeiten nicht leichter werden für Paderborn.

Denn der Flughafen muss schon jetzt um Passagiere kämpfen. Im Jahr 2005 hatte man noch 1,34 Millionen Fluggäste, 2010 waren es noch etwas über eine Million, im letzten Jahr sank die Zahl abermals um 10,5 Prozent – 873.621 Passagiere starteten ab Paderborn.

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Kleinert führt den Rückgang vor allem darauf zurück, dass Air-Berlin die Verbindung nach England einstellte. Ersatz gibt es erst ab dem 22. April, wenn es wieder sechs City-Jet-Verbindungen nach London gibt. Kleinert ist mit dem Rückgang der Passagierzahlen sogar zufrieden: „Im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis.“

Im operativen Geschäft schreibe man schwarze Zahlen, im Gesamtergebnis gebe es ein Minus von einer Million Euro. Kleinert: „Es gibt keinen Regionalflughafen, der so gut dasteht wie wir.“ Sorgen um die Zukunft haben sich allerdings auch unter den Gesellschaftern des Flughafens breit gemacht.

Der Kreis Gütersloh, der 7,84 Prozent des Flughafens hält, verlangt eine Ausstiegsklausel aus dem Gesellschaftervertrag. Das bedeute aber nicht, dass man den Flughafen fallen lasse wollen und sich zurückziehe, sagt der Sprecher des Landkreises, Jan Focken, zur HNA. Man wolle nur die „theoretische Möglichkeit“ des Ausstiegs haben.

Damit Paderborn nicht zum finanziellen Sturzflug für die Gesellschafter wird, haben die Anteilseigner beschlossen, die Übernahme der Verluste auf insgesamt 1,25 Millionen Euro zu deckeln. Bezahlt werden müsste je nach Anteil der Gesellschafter. Der Flughafen selbst will Kosten unter anderem mit der Umstrukturierung der Feuerwehr und der Gebäudereinigung sparen.

Auf alle Fälle werde man genau beobachten, dass der Konkurrenzkampf mit Kassel-Calden „sauber verläuft“ und es keine wettbewerbsverzerrenden Subventionen gebe, sagt Kleinert. Die Konkurrenz in Dortmund hat Paderborn deswegen schon mal verklagt.

Die größten Konkurrenten für Kassel-Calden

Wo flogen die potenziellen Kunden des Flughafens Kassel-Calden bisher ab?

Nach der Umfrage der Kasseler FSG-Group unter Reisebüros ergibt sich folgendes Bild:

„Sehr häufig“ beziehungsweise „häufig“ flogen sie ab

• Frankfurt 79 Prozent

• Paderborn 72 Prozent

• Hannover 58 Prozent

• Düsseldorf 37 Prozent

• Dortmund 23,5 Prozent

• Erfurt 14,7 Prozent

• Köln/Bonn 10,8 Prozent

• Hamburg 7 Prozent

• Nürnberg 7 Prozent

• Leipzig 6,4 Prozent

• Hahn 5,7 Prozent.

Von Frank Thonicke

Der Flughafen Kassel-Calden: Die Entstehung in Bildern

Flughafen Kassel-Calden: Die Entstehung in Bildern

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