Bauarbeiter in Calden gedachten getöteter und verunglückter Kollegen

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Helm ab: Auch diese vier Arbeiter ließen ihre Geräte ruhen und hielten um zwölf Uhr für eine Gedenkminute inne.

Calden. Etwa 150 Bauarbeiter arbeiten derzeit auf der größten Baustelle der Region, dem neuen Flugplatz Kassel-Calden. Sie steuern große Bagger, riesige Raupenfahrzeuge und fahren Lkw mit mannshohen Reifen.

Den ganzen Arbeitstag über wimmeln die Erdbewegungsmaschinen über die sich über Quadratkilometer ausdehnende Baustelle. Doch um 12 Uhr gestern standen alle Räder still. Die Bauarbeiter gedachten in einer Schweigeminute ihrer tödlich verunglückten und schwer verletzten Kollegen. Europäische Gewerkschaften hatten den Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (Workers’ Memorial Day) ausgerufen.

Unfallzahlen steigen

Auf der Flughafen-Baustelle hatte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zum Gedenken aufgerufen. Und dies hat seinen Grund: Denn während in anderen Branchen die Unfallzahlen in den vergangenen Jahren gesunken sind, stiegen sie am Bau. Der Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Hessen, Hans-Joachim Rosenbaum, spricht sogar von einem „rasanten Anstieg der Unfallzahlen“.

„Die Arbeit am Bau fordert auch im 21. Jahrhundert immer noch viel zu viele Todesopfer“, sagt Rosenbaum. Allein in Hessen seien im vergangenen Jahr elf Bauarbeiter zu Tode gekommen. Die Tendenz zu tödlich endenden Unfällen sei wieder steigend, so der hessische Gewerkschafts-chef. Das sei ein alarmierendes Signal an alle Bauherren und Arbeitgeber, mehr für die Sicherheit der Beschäftigten zu leisten.

Einer der Gründe dieser unheilvollen Entwicklung sei der immer größer werdende Kostendruck in der Baubranche, sagt Rosenbaum. Der habe zur Folge, dass Arbeitsverdichtung und Hektik immer mehr zunähmen. Ein anderer Grund sei die Verringerung der Zahl der Aufsichtsbeamten in den Berufgenossenschaften. Mittlerweile käme auf 10.000 Arbeitnehmer nur noch ein Aufsichtsbeamter. „Das ist viel zu wenig“, so Rosenbaum, „eine effektive Aufsicht ist so nicht machbar.“

Forderung: Mehr Beamte

Die politische Forderung der Gewerkschaft lautet denn auch: Mehr Aufsichtsbeamte am Bau. Arbeitnehmer haben nichts anderes zu verkaufen als ihre Arbeitskraft, sagt Hans-Joachim Rosenbaum, aber Voraussetzung dafür sei wiederum die Gesundheit. Die gelte es zu schützen.

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