Entscheidungen über Airport-Zukunft müssen einstimmig sein

OB Hilgen: Land kann Flughafen Kassel nicht im Alleingang kippen

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Oberbürgermeister Bertram Hilgen.

Kassel. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) stellt sich für die Stadt fest hinter den Flughafen in Calden - und erklärt, dass das Land den Flughafen gar nicht schließen kann.

Man müsse dem Airport Kassel mehr Zeit geben, sich zu entwickeln, forderte er im Sommerinterview mit der HNA. Zugleich erklärte Hilgen, dass die Landesregierung den Flughafen nicht im Alleingang schließen könne.

Das verhinderten die Verträge, die über Bau und Betrieb des Flughafens geschlossen wurden. In einem Zusatz sei 2008 klar geregelt worden, dass Änderungen die Zustimmung aller Gesellschafter benötigen. Das Land hält 68 Prozent, Stadt und Kreis Kassel je 13 Prozent, die Gemeinde Calden sechs Prozent. So teilen sie sich auch das Defizit (im Vorjahr 6,1 Mio. Euro).

Laut Hilgen ist es daher rechtlich ausgeschlossen, dass die schwarz-grüne Landesregierung den Flughafen einseitig zurückstuft, auch wenn er dauerhaft Verluste einfährt: „Wir haben ja keinen Verkehrslandeplatz, sondern einen Flughafen gebaut.“

CDU und Grüne im Land haben im Koalitionsvertrag vereinbart, 2017 über die Zukunft des Flughafens zu entscheiden. Die Forderungen werden lauter, den für 282 Millionen Euro (davon 271 Mio. Euro Beihilfen) gebauten und 2013 eröffneten Airport aufzugeben, weil er nicht benötigt werde. Im kommenden Winter gibt es keine touristische Flüge, und auch der Sommerflugplan 2017 steht in Frage.

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Hilgen hält trotzdem an Geschäftsführer Ralf Schustereder fest und pocht darauf, dass Wohl und Wehe des Flughafens nicht von einem erfolgreichen Touristikflugplan abhängen dürfe. Es komme vielmehr auf seine regionalwirtschaftliche Bedeutung an. „So ein Projekt braucht Zeit, und die sollte man ihm auch geben.“ Das sei auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Hessens Finanzminsiter Thomas Schäfer (CDU), klar. Deshalb glaubt Hilgen nicht, dass die Landesregierung den Flughafen tatsächlich aufgeben werde.

Hintergrund: Zittern um Sommer 2017 

Die einzige Fluggesellschaft, die regelmäßige touristische Flüge ab dem Kasseler Flughafen anbietet, ist Germania. Im Winter fliegt die Berliner Linnie aber auch nicht ab Calden - es finden somit dann überhaupt keine regelmäßigen Starts großer Maschinen statt. Die Befürchtung ist, dass das auch im Sommer 2017 so sein könnte. Zur Zeit sitzt man bei Germania am Sommnerflugplan 2017, der schon ziemlich weit gediehen ist. Ergebnis: Von 14 deutschen Flughäfen startet man bisher. Von zehn gibt es auch im Sommer 2017 Flüge. Kassel ist wie Stuttgart, Dortmund und Düsseldorf bisher nicht dabei. Aber: Der endgültge Germania-Flugplan ist noch nicht fertig. (mcj/tho)

Bertram Hilgen: Stationen seiner OB-Karriere

Wie alles begann: Bertram Hilgen bei der Einführung zu seiner ersten Amtszeit am 22. Juli 2005. Mit dabei die Alt-OBs Wolfram Bremeier, Georg Lewandowski und Hans Eichel. © Koch
Und der zweite Streich: Amtseinführung nach der Wiederwahl 2011. Mit dabei die Stadtverordnetenvorsitzende Petra Friedrich und Bürgermeister Jürgen Kaiser. © Koch
Nicht immer einfache Zeiten: Hilgens Stellvertreter, Bürgermeister Jürgen Kaiser, war oft Objekt der Kritik. Unter anderem ... © Michaelis
...in der Blitzeraffäre machten Kaiser und das Rathaus insgesamt keinen guten Eindruck. © Ludwig
Eines der tragischsten Ereignisse in Hilgens Amtszeit war der Mord an dem Deutschtürken Halit Yozgat im Jahr 2006. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass die Rechtsterrroristen vom NSU mutmaßlich für den Mord verantwortlich sind. Am 1. Oktober 2012 wurde zum Gedenken an Halit Yozgat in Kassel der Halitplatz eingeweiht. Die Benennung des zuvor namenlosen Platzes durch den Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen fand im Beisein des türkischen Botschafters Hüseyin Avni Karslıoğlu, des hessischen Justizministers Jörg-Uwe Hahn sowie der Eltern des Opfers statt. Bei der Gedenkfeier wurde ein Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck verlesen. Hier zu sehen ist Hilgen bei einer späteren Gedenkfeier mit dem türkischen Generalkonsul Ilhan und Ismail Yozgat, dem Vater des Opfers. © Schachtschneider
Zu den Höhepunkten während der beiden Amtszeiten zählen natürlich die Großereignisse, die Kassel ausgerichtet hat. Zuallererst zu nennen sind die documenta 12 und 13. Das Foto zeigt die Vorstellung der Chefin der documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev. Außerdem im Bild: documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld und Ministerin Silke Lautenschläger. © Kochl.
Deutlich mehr Reibung gab es da schon mit dem Chef der documenta 14, die in Hilgens letztem Amtsjahr stattfinden wird. Adam Szymczyk hat sich entschlossen, die weltweit größte Veranstaltung für zeitgenössische Kuns auch in Athen stattfinden zu lassen. Das brachte viele Kasseler gegen den Polen auf. Hilgen hielt sich mit Kritik weitestgehend zurück und vertraute auf Adam Szymczyk. © Malmus
Ein großer Erfolg für Kassel und Hilgen war der Hessentag 2013 mit der Rekordbesucherzahl von 1.830.000 Gästen. Ursprünglich erhielt Vellmar, Nachbarstadt von Kassel, im Jahr 2008 den Zuschlag für die Ausrichtung des Hessentages. Im Sommer 2011 gab Vellmar diese allerdings aufgrund finanzieller Bedenken wieder zurück. Nach dem Vellmarer Rückzug zeigten mehrere Städte Interesse an der Ausrichtung. Hierzu gehörten Korbach Bad Wildungen und Kassel. Im Dezember 2011 erhielt schließlich Kassel den Zuschlag. Verbunden mit dem Zuschlag an Kassel sind finanzielle Förderungen in Höhe von rund 5,5 Millionen € und zinsgünstige Darlehen in Höhe von knapp 8 Millionen €. Das Landesfest war für die Stadt ein Erfolg. Das Bild zeigt Hilgen mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier bei einer Veranstaltung auf dem Hessentag. © Zgoll
Historisch: In Hilgens zweite Amtszeit fiel auch das Stadtjubiläum. 2013 feiert Kassel mit einem großen Fest und vielen Veranstaltungen den 1100. Geburtstag. © 
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Im November 2015 heiratete Hilgen seine langjährige Lebenspartnerin Margit Berghof-Becker. Das Paar kennt sich seit 20 Jahren. © 
Auch in Hilgens Amtszeit: Das Großprojekt schlechthin, der Flughafen Kassel-Calden. 2013 wurde der Regionalflughafen, an dem die Stadt Kassel mit 13 Prozent beteiligt ist, eröffnet. Seitdem hinkt das Passagieraufkommen den Erwartungen hinterher. Unser Foto zeigt die Baustelle im Jahr 2011. © Thiele
Ein Projekt, das nicht realisiert werden konnte: Die Errichtung eines Technischen Rathauses auf dem Salzmann-Gelände in Bettenhausen. © Zgoll
Ein voller Erfolg für Kassel in der Hilgen-Zeit war dagegen die Verleihung des Welterbetitels an den Bergpark Wilhelmshöhe. Dies erfolgte ebenfalls in dem ereignisreichen Jahr 2013. © Koch

Das Sommerinterview mit Oberbürgermeister Hilgen lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Kassel.

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