Motorräder und Autos

Mit 1200 PS auf die Piste: Motorsportrennen auf Caldener Landebahn

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Heiß ging es her auf der Piste: Beim ADAC-Hessenpreis im August 1980 auf dem Flugplatz Kassel-Calden legt Hans-Jürgen Wetter seinen Opel Kadett in Höhe des Towers aufs Dach.

Calden. Ob Hans-Joachim Stuck jun., Manfred Winkelhock oder der spätere Formel-1-Weltmeister Nelson Piquet - Rennsportlegenden kämpften im Cockpit ihrer Boliden auch in Kassel-Calden auf der scherzhaft sogenannten „größten Schafweide Europas“ um die Plätze.

Denn von 1971 bis Juni 1987 wurden auf den Start- und Landebahnen die beliebten

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Am Donnerstag, 4. April, wird der neue Flughafen Kassel-Calden eröffnet. Wir erinnern in einer Serie an Flugpioniere, aber auch an die Rennfahrer, die auf den Pisten des alten Flughafens um Siege kämpften.

Flugplatzrennen ausgetragen - als in Kassel-Calden kaum Flugverkehr herrschte und der Airport zeitweise verwaist war.

320 Rennen wurden auf dem 1,3 Kilometer langen Rundkurs in den 16 Jahren ausgetragen. Start war am Tower, dahinter lag das Fahrerlager, die Startbahn diente als Gegengerade zum Beschleunigen.

Damals genau das richtige Terrain für einen Porsche 970 /10 mit seinen 1200 PS unter der Haube.

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Auch die ersten Turbolader im Rennsport starteten auf dem Airport. Veranstalter war erst der ADAC Hessen, danach die Motorsport-Veranstalter-Gemeinschaft, der neun Vereine angehörten.

ADAC-Motorradpreis auf dem Flughafengelände im Juli 1981: Ein Gespannfahrer verliert seinen Beifahrer. Das Foto zeigt Bernd Dawicki und Dieter Godknecht aus Berlin / Erfstadt mit einer Reichler-Maico im Rahmen der Deutschen Motorradmeisterschaft in der Klasse Seitenwagen bis 550 cm3.

Gefahren wurde pro Jahr an zwei Rennsportwochenenden: Im Mai gab es die Auto-, im August die Motorradrennen, an denen zum Beispiel auch Weltmeister Toni Mang teilnahm.

Der damalige Rennleiter Heinz Henning erinnert sich: „Das war eine ganz familiäre Atmosphäre, die Rennfahrer kamen gern nach Calden.“ Wie Zweiradfahrer Gustav Reiner, wegen seines Fahrstils auch „Kamikaze-Gustl“ genannt, der in den 80er-Jahren in Calden schnell zum Publikumsliebling wurde.

Unvergessen, wie er deutlich in Führung liegend weiter wie entfesselt Gas gab, bis er das Vorderrad seiner Maschine und damit auch den sicher geglaubten Deutschen Meistertitel verlor.

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Der Motorsport in Calden funktionierte aber nur, weil die Veranstalter viel Herzblut einbrachten: 300 ehrenamtliche Helfer präparierten regelmäßig eine Woche vor den Starts die Piste für die im Schnitt 20.000 Zuschauer, die gerade mal knapp 20 Mark Eintritt zahlen mussten und dafür sogar einen Blick ins Fahrerlager werfen durften.

Erst 1987 war Schluss mit den berühmten Flugplatzrennen, als die Veranstalter keine Genehmigung mehr erhielten - der Flugbetrieb sollte wieder angekurbelt werden.

Von Stefan Wewetzer

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