Erstmals von Kassel-Calden nach Zypern

HNA-Leserreise: Eindrücke vom Urlaub

Kassel. Genau um 13.45 Uhr landete am Montag der Airbus A 320 der türkischen Fluggesellschaft Onur auf dem Flughafen Kassel-Calden, und hunderte Schaulustige guckten zu. An Bord: Die Teilnehmer der ersten HNA-Leserreise nach Zypern, die auf dem neuen Flughafen startete und dort auch endete. Tag acht.

+++ 15. April: Zurück in Kassel-Calden, Fazit +++

Es war eine Reise, die alle begeisterte. Ein Wetter wie hierzulande im Sommer, ein gutes Hotel direkt am glasklaren, 20 Grad warmen Meer, schmackhaftes mediterranes Essen und Ausflüge zu Ausgrabungen, Moscheen, Museen und einem Strand, an dem Meeresschildkröten brüten - kaum ein Wunsch der Reisenden blieb unerfüllt.

So war denn auch die Stimmung unter den HNA-Lesern gut. Karin und Manfred Deichmann aus Kassel fassten es stellvertretend für viele so zusammen: „Jederzeit wieder.“

Ein Höhepunkt der Reise in den türkischen Nordteil der geteilten Insel war sicherlich der Besuch der Hauptstadt Nikosia. Hier stehen sich die verfeindeten Türken und Griechen gegenüber, getrennt von einer Pufferzone, die von Blauhelmen der Vereinten Nationen überwacht wird.

Die Reiseteilnehmer hatten die Gelegenheit, die grüne Grenze vom türkischen Teil in den griechischen zu passieren. Es war für viele ein wenige Meter weiter Weg vom Ausland in die EU, von Asien nach Europa. In der türkischen Altstadt Nikosias unzählige Ramschläden mit gefälschten Waren, im griechischen EU-Teil Boutiquen mit Markenware wie hierzulande.

Von der großen Krise im griechischen Zypern merkten die Touristen nichts. Die Läden sind voller Waren, die Menschen flanieren durch die Fußgängerzone oder sonnen sich in den vielen Straßencafes. Auch von Deutschfeindlickeit war nichts zu spüren. Ein Beispiel: In einem Andenken-Laden erzählt der Besitzer sofort, dass er mal in Deutschland war, zur Spielwarenmese. Dann bietet er einen Schnaps an.

Im Gedächtnis wird vielen auch der Besuch des Traumstrandes „Golden Beach“ im Nordosten der Insel sein. Dort brüten Meeresschildkröten - ein im Mittelmeer durchaus seltenes Ereignis. Andere waren von Ausflügen an die vielen Ausgrabungsstätten begeistert. Etwa nach Salamis, wo die Reste eines römischen Theaters zu bewundern sind.

Kurzum: Die Reise war ein gelungener Kompromiss zwischen Information und Erholung, wie es ein Reiseteilnehmer formulierte. Denn die letzten zwei Tage konnten sich die HNA-Leser beim Sonnen und Baden ausruhen.

Und froh waren alle, dass sie die Reise direkt vom Flughafen Kassel-Calden antreten konnten. Ein Angebot, das sich herumsprechen wird, waren sich die meisten sicher. Denn wie sagten nicht nur die Deichmans: „Jederzeit wieder.“

Übrigens hat man bei Onur Air offensichtlich schnell gelernt. Auf dem Hinflug war noch kritisiert worden, dass die Durchsagen im Flugzeug nur in türkisch und einem Englisch zu hören waren, das niemand verstand. Auf dem Rückflug hatte man die Stewardess Güler an Bord, die in Köln geboren wurde und darum perfekt deutsch spricht. „Bitte anschnallen" oder „Wir servieren ein Essen“ konnte nun jeder verstehen. Für ihre Ansagen bekam Güler sogar Applaus.

Sie versicherte uns, dass künftig bei Onur-Flügen ab Kassel immer eine deutschsprachige Stewardess an Bord sein soll.

+++ 14. April: Letzter Tag auf Zypern +++

Einfach am Pool sonnen, ein erfrischendes Bad im Meer, ein langer Strandspaziergang oder eine kleine Wanderung im Hinterland - am letzten Tag auf Zypern stand Ruhe und Erholung auf dem Programm für die Teilnehmer der HNA-Leserreise. Das Wetter spielte auch heute mit - auf Zypern ist es schon jetzt ungefähr so warm wie im Sommer in Deutschland. Morgen früh startet die Maschine der Onur-Fluggesellschaft. Gegen Mittag wird sie in Kassel-Calden landen.

Wir fragten einige Teilnehmer der Reise nach ihrer ganz persönlichen Bilanz der Woche auf Zypern. Manfred Mathias aus Kassel: "Das war sehr gut wie immer. Es ist meine vierte HNA-Leserreise und meine Frau und ich waren jedesmal zufrieden. Wir wurden optimal betreut. Das Hotel und das Essen waren gut." Helga und Karl-Heinz Saur aus Kassel: "Uns hat es sehr gut gefallen. Es war insgesamt sehr schön. Von den fünf Sternen des Hotels muss man natürlich etwas abziehen." Karin und Manfred Deichmann aus Kassel: "Die Reise hat uns sehr gut gefallen. Sie war vor allem hervorragend organisiert. Die Ausflüge waren klasse, die junge Reiseleiterin Emine war sehr nett. Gut war auch, dass die Gruppen bei den Besichtigungen nicht zu groß waren. Dass man von Kassel-Calden aus startet, ist optimal. Kleine Abstriche muß man beim Hotel machen. Wir würden die Reise jederzeit wieder machen."

HNA-Leserreise: Eindrücke vom Urlaub V

Impressionen von der HNA-Leserreise nach Zypern Teil V

Walter Wagner aus Ihringshausen: "Die Ausflüge waren sehr interessant, wir haben sehr viel gesehen, aber dafür waren wir ja auch hergekommen. Die Zwischenlandung in Antalya und die Tatsache, dass man beim Auftanken des Flugzeugs nicht aussteigen darf, ist nicht schön. Das Einchecken in Calden müsste künftig auch schneller gehen. Die Reiseleitung auf Zypern war sehr nett. Insgesamt war es eine rundum gelungene Reise." Rolf Berndt aus Vellmar: "Es war sehr schön. Das Hotel war gut, das Zimmer o.k. Das Essen war gut - mal was anderes. Zuhause isst man ja doch meistens Kotelett oder Rouladen. Das Hotel liegt aber zu abseits. Drumherum ist nichts los. Trotzdem war es sehr schön." Drei Frauen, die namentlich nicht genannt werden möchten: "Das war ein optimaler Kompromiss zwischen Informationen, Wetter und Erholung. Wir waren schon oft mit der HNA unterwegs. Es war jedesmal gut. Aber dieses mal war es besonders gut."

+++ 13. April: Erholung und Hotel-Bewertung +++

Sommerurlaub im April. Auch das ist in Zypern möglich. Und so genossen die meisten Teilnehmer der HNA-Leserreise am Samstag einen erholsamen Tag bei stundenlangem Sonnenschein, 26 Grad Luft und 20 Grad im Meer am Hotel.

Gelegenheit für uns, das Salamis Bay Conti einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Gebaut wurde das riesige Hotel Anfang der 70er Jahre. Es wurde renoviert - die Zimmer sind sehr schön, bieten allen Komfort und haben neue Fernseher mit Flachbildschirmen an der Wand. Wer Zimmer Richtung Pool hat, genießt zwar einen wunderbaren Meerblick, muss aber einigen Lärm in Kauf nehmen. Denn neben der riesigen Poollandschaft, die vorbildlich sauber ist, steht ein Pavillon, in dem eine Disco untergebracht ist. Und da kann schon mal bis zwei Uhr nachts die Musik dröhnen.

Apropos Sauberkeit: Sie wird im Hotel großgeschrieben. Das gilt nicht so für den schmalen Strand direkt vor dem Hotel - der Sand könnte besser gepflegt sein. Ein großer Minuspunkt: Das Hotel liegt zwar an einer wunderschönen Meeresbucht mit kilometerlangen Sandstränden, die Hotels und Restaurants dahinter stehen aber leer und sind teilweise Ruinen. Man ist also auf das Hotel angewiesen. Andere Unterhaltung oder Strandcafés gibt es nicht.

In der einzigen Bude, die am Strand geöffnet hatte, wurden aufblasbare Schwimmreifen angeboten. Obst, Eis oder Getränke gab es nicht. Allerdings wird vom Hotel ein Busdienst zur nächsten größeren Stadt Famagusta angeboten. Zurück ins Hotel: das Essen ist gut, besonders das gigantische Frühstückbuffett lässt keine Wünsche offen. Negativ: Der riesige Speisesaal hat trotz Stofftischdecken die Atmosphäre einer Wartehalle. Und da Hunderte zur gleichen Zeit essen, ist es laut.

Unser Fazit: Wer eine Woche Badeurlaub in kristallklarem Wasser machen möchte, wenn es fast überall in Europa dazu zu kalt ist, ist hier gut aufgehoben. Auch als Ausgangspunkt für viele interessante Ausflüge eignet sich das Salamis Bay Conti. Wer abends noch woanders hingehen und vielleicht seinen Kindern Abwechslung bieten möchte, ist hier wahrscheinlich fehl am Platz. Im Hotel treten abends Sänger auf, ein Spielcasino ist angegliedert. Die fünf Sterne des Hotels sind Landeskategorie. Nach deutschen Maßstäben muss man etwas abziehen.

Irmild und Werner Lippert aus Staufenberg haben für uns dem Hotel und der Umgebung Schulnoten gegeben. Hotel insgesamt: 2 Sauberkeit: 2 Restaurant: 2 Service: 2 Essen: 2 Zimmer: 2 Nähere Umgebung des Hotels: 3 Unterhaltung: 4. Fürs Wetter, das Klima und die schöne Landschaft gab es nur Einser.

+++ 12. April: Der Schildkröten-Strand und das Dorf der Völkerfreundschaft +++

Nachts, wenn der normale Tourist dem nächsten sonnigen Tag auf Zypern in einem der Hotels entgegenschlummert, spielt sich mitunter an dem schönsten Strand der Insel Spektakuläres ab: Dann kommen Karrett- und Suppenschildkröten an den Golden Beach im Nordosten der Insel, schaufeln flache Kuhlen und legen ihre Eier ab. Den Rest besorgt die vom Himmel brennende Sonne: Nach 50 bis 60 Tagen sind die Eier ausgebrütet, die Mini-Schildköten machen sich auf ihren verzweifelten Weg ins Wasser. Nur wenige überleben.

Zypern ist eine der wichtigsten Brutstätten für Meeresschildkröten im Mittelmeeer. Der Golden Beach ist ein traumhafter Naturstrand, mit goldgelben Sand und kristallklarem Wasser. Er ist über einen Kilometer lang, und bietet so genug Platz für Menschen und Schildkröten.

Der Golden Beach ist nie überfüllt. Dafür sorgt seine Lage am Ende der Welt, wie es auf Zypern heißt. Aus den großen Städten braucht man mit dem Auto rund zweieinhalb Stunden bis hierher. Und außerdem ist rings um den Strand ein Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das hat zur Folge, dass keine Hotels am Traumstrand stehen. Die wenigen Ferienhütten und das einzige Restaurant sind Anlaufziele für wenige Touristen und Sonnenhungrige.

Impressionen von der HNA-Leserreise IV

Impressionen von der HNA-Leserreise nach Zypern Teil IV

Dass die Schildkröten auch von den wenigen Menschen ihre Ruhe haben, dafür sorgen auch englische Studenten, die in einem Forschungsprojekt über das seltene Naturschauspiel wachen. Auch sie haben ihre Ruhe - wenn die Mini-Kröten schlüpfen und vom Mondlicht ihren Weg in Meer gewiesen bekommen, schlafen ja die Touristen.

Schläfrig geht es auch ein paar Kilometer weiter zu, im Dorf Dipkarpaz, irgendwo im Nirgendwo. 125 Kilometer Luftlinie sind es von hier bis Syrien, wenig weiter streifen verwilderte Esel durchs Gebüsch oder blockieren zuweilen die einzige Straße, in der Hoffnung, einen Touristenbus zu erwischen, in denen Menschen mit Äpfeln und Broten sitzen.

Kein Hahn würde also nach Dipkarpaz krähen - und doch ist das Dorf etwas besonderes. Es ist sozusagen eine Stätte der Völkerfreundschaft. Denn Dipkarpaz ist das einzige Dorf auf Zypern, in dem sich Griechen und Türken verstehen, ja freundlich miteinander umgehen.

Das treibt so seine Blüten. Rechts auf der Straße ist die einzige griechische Kneipe des Dorfes. Dort treffen sich Türken und Griechen jeden Morgen, um Tee zu trinken oder Kaffee zu schlürfen. Denn morgens liegt die Kneipe im Schatten - was bei über 40 Grad im Sommer äußerst angenehm ist. Nachmittags zieht man dann in die türkische Kneipe gleich gegenüber um - dann ist dort Schatten.

Warum sich ausgerechnet in Dipkarpaz alle verstehen, ist für Außenstehende nicht so leicht zu ergründen. Man spricht nicht darüber. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Griechen, die 1974 aus dem türkischen Dorf umgesiedelt werden sollten, sich einfach weigerten, das zu tun. Kein Wunder: Die Griechen besaßen dort Land, und das wollten sie nicht aufgeben. Und im Laufe der Jahre hat man sich einfach aneinander gewöhnt.

So hat man im Dorf lange vor Ex-Kanzler Kohl wohl eine der wichtigsten Regeln in der Politik erfunden: Probleme einfach aussitzen. 

Impressionen von der HNA-Leserreise I

Impressionen von der HNA-Leserreise nach Zypern Teil I

Impressionen von der HNA-Leserreise II

Impressionen von der HNA-Leserreise nach Zypern Teil II

Impressionen von der HNA-Leserreise III

Impressionen von der HNA-Leserreise nach Zypern Teil III

+++ 11. April: Nikosia - die geteilte Stadt +++

Der Wachturm der Vereinten Nationen in der Demarkationslinie ist alt und verrostet. Die Fahne, die oben am Mast weht, ist zerzaust und verblichen. Irgendwelche Symbole darauf sind nicht zu erkennen.

Der Wachturm steht gleich hinter einem Fußballtor. Auf dem dazugehörenden Platz trainiert der Cetinkaya Türk Spor Kulübü. Der Balll rollt hier im Sperrgebiet zwischen Nord- und Süd-Nikosia.

Wer glaubt, die zypriotische Hauptstadt wird von einer Mauer getrennt wie einst Berlin, sieht sich getäuscht. Auf Zypern reichen ein paar Rollen verrosteter Stacheldraht und Eisentore zur Abriegelung. Dazu aufgemalte Bilder grimmig dreinguckender Soldaten auf rotem Grund mit dem Schriftzug "Verbotene Zone" und der Hinweis, dass Fotografieren und Filmen verboten sind. Das reicht den meisten Touristen, um ihre Kameras und Smart-Phones in den Taschen zu lassen.

Die Angst vor den Soldaten und möglichen Unannehmlichkeiten wird auch durch Hinweise der Reiseleiter nicht gerade gemindert. Im griechischen Teil Nikosias solle man deutsch nur leise sprechen, sagt der Türke Mehmet. Die Deutschen und insbesondere Kanzlerin Angela Merkel seien nicht gerade beliebt. Auf der anderen Seite müsse man bei den türkischen Grenzposten mit längeren Wartezeiten rechnen.

Wir probieren es - denn EU-Bürgern ist es erlaubt, sich frei auf ganz Zypern zu bewegen. Und somit kann man auch zwischen Nord- und Süd-Nikosia pendeln. Der Grenzübergang befindet sich mitten auf der Hauptstraße. Davor und dahinter Geschäfte, Kneipen, Cafes. Wir nähern uns vom türkischen Teil der Stadt, kommen also sozusagen von Asien nach Europa, von der Türkei nach Griechenland, vom Ausland in die EU.

Vier junge Frauen bilden den Grenzposten der Türkei. Sie sitzen in einem kleinen Häuschen und kontrollieren Ausweise und Pässe. Sie unterhalten sich und lachen, schauen nebenbei in den Reisepass, stempeln ihn ab. Das war`s. Es hat keine Minute gedauert.

Noch 100 Meter bis Griechenland

Wir gehen weiter entlang leerstehender Geschäfte mit heruntergelassenen Jalousien. Auf der Straßenmitte stehen alle paar Meter Töpfe mit kleinen Olivenbäumen. Nach 100 Metern erreichen wir Griechenland, genauer gesagt, den griechischen Teil Nikosias. Die junge Grenzpolizisten fragt nur: "Germans?" Als wir das bejahen, winkt sie uns durch.

Wir sind noch immer mitten in Nikosia und doch in einer anderen Welt. Im türkischen Teil wird in ungezählten kleinen Ramschläden gefälschte Ware angeboten. Die Adidas-Jacke für zehn Euro, oder die Gucci-Tasche für 25 Euro. Viele Frauen tragen Kopftücher, in der Moschee wird gebetet. Die Lautsprecher der Minarette sind nach Süden gerichtet. Auch die Griechen sollen hören, wie gläubig die Türken sind.

Im griechischen Teil Nikosias sieht es dagegen fast aus wie zu Hause. Es gbit McDonalds und Starbucks, die Schuhe kauft man bei Bata und das neue Handy im Apple-Shop. Die Levis, die in den Boutiquen hängen, sind echt.

Von Deutschfeindlichkeit spüren wir nichts. Im Gegenteil: Der alte Mann in dem kleinen Laden mit Geschenkartikeln berichtet stolz, dass er schon mal in Nürnberg war, zur Spielwarenmesse. Dann bietet er einen Schnaps an. Vielleicht weiß er am besten, dass man auf Touristen angewiesen ist.

Von der großen Krise im griechischen Teil Zyperns merkt der Tourist jedenfalls nichts. Die Läden sind voller Ware, die Menschen sonnen sich in den Straßencafes, die Preise sind höher als in der Türkei, etwa auf deutschen Niveau. Für einen großen Eisbecher mit Erdbeeren bezahlen wir 5,50 Euro.

Mancher Teilnehmer der HNA-Leserreise empfindet den Unterschied zwischen Süd- und Nord-Nikosia, zwischen Europa und Asien, fast wie einen Kulturschock. Doch der ist schnell vergessen. Ohne Wartezeiten gelangen wir wieder über die grüne Grenze in das türkische Nikosia, wo Reiseleiter Mehmet schon im Bus sitzt. Er schenket wie immer Raki aus.

+++10. April: "Räbogetü"+++

Im malerischen Hafen von Girne an Zyperns Nordküste gibt es eine alte Wehrbefestigung, die durchaus eine Besichtigung lohnt. Mindestens ebenso lohnenswert ist es aber, sich in eine der zahlreichen Kneipen direkt an der Hafenmole zu setzen und dem bunten Treiben entlang der Kaimauer zuzusehen.

Dazu trinkt man dann Efes, das heimische Bier, eine Cola oder einen Kaffee. Das ist preiswert. Ein Beispiel: Für zwei Cola, ein Bier, ein Wasser und einen Milchkaffee will der freundliche Ober zehn Euro haben. Euro wird in Nordzypern genauso gern genommen wie die Landeswährung türkische Lira. Das Umrechnen macht keine Probleme: Den in Lira angebenen Preis einfach durch Zwei teilen. Das ist dann etwas ungünstiger als der offizielle Kurs, aber man hat ja Urlaub... Wir bezahlen und fragen nach dem Weg zur Toilette. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Räbogetü!" Was? "Räbogetü", sagt der Kellner noch einmal und zeigt mit der Hand, wo es lang gehen soll. Es dämmert uns: Erst rechts entlang, dann durch eine Tür, die einen Bogen hat. Eben "Räbogetü". So einfach ist das.

Nach Zypern der Liebe wegen

Am nächsten Tag geht es nach Famagusta, und im Bus hat Reiseleiterin Emine das Kommando. Die junge Türkin ist am Vorarlberg geboren, was sie durch einen hörbaren österreichischen Slang nicht verleugnen kann. Nach Zypern hat sie die Liebe verschlagen - ihr Mann ist Zypriote.

Im Bus sitzen auch Elfriede und Albert Hartung aus Ahnatal-Weimar. Mit der HNA waren sie schon öfter unterwegs. In Ägypten zum Beispiel. Auch eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein hat man schon gemacht. An dem Zypern-Tripp gefällt ihnen rundum alles. Nur, dass auf dem Hinflug alle Durchsagen nur auf türkisch und englisch gemacht wurden, kritisiert das Ehepaar - wie viele andere Reiseteilnehmer auch: "Wer von uns älteren kann schon gut englisch", sagt Albert Hartung.

In Famagusta, einer 50.000-Einwohner-Hafenstadt, wird den Reiseteilnehmern dann der Irrsinn des Konflikts zwischen den Türken und den Griechen überdeutlich: Hier gibt es die größte Geisterstadt der Welt zu sehen. 1974 war es, als man in den Hotelburgen südlich der Stadt kämpfte. Seitdem stehen die Häuser, die damals eine Bettenkapazität von 10.000 hatten, (soviel wie heute ganz Nordzypern) leer. Das gesamte Gebiet ist auf einer Länge von sechs Kilometern Sperrzone. Die Türken, die es damals eroberten, wollen es als Faustpfand wohl nicht an die Griechen rausrücken, sagt Reiseleiterin Emine. Inzwischen sind in Famagusta auch Blauhelme der Vereinten Nationen stationiert, die die Kontrolle haben.

Wolfgang Rabe, Rechtsanwalt und Notar aus Korbach, war vor 40 Jahren schon einmal hier. Damals feierte er sozusagen sein bestandenes Staatsexamen mit einer Reise nach Asien über Zypern. Damals wurde Nikosia bombardiert, erinnert er sich. Und heute ist die Insel zweigeteilt. Aber damals wie heute, findet Wolfgang Rabe, seien die Menschen nett auf Zypern. Und die Bank am Hafen von Girne, auf der er als junger armer Mann schlief, hat er auf der HNA-Reise auch wiedergefunden. Damals, im Hafen, hat er gut geschlafen. Und das tut er auch heute im Hotel. Die Erklärung dafür ist laut Wolfgang Rabe ganz einfach: "Nirgendwo ist die Luft so gut wie auf Zypern."

+++ 9. April: Der erste Höhepunkt +++

"Gratulation. Sie haben den Gipfel erreicht." Der Blick aufs blaue Mittelmeer ist grandios, und der Puls rast. Ungezählte in Stein gehauene Stufen ging es hinauf auf die Spitze der Burgruine St. Hilarion an der Nordküste Zyperns oberhalb der malerischen Hafenstadt Girne. Im achten und neunten Jahrhundert entstand St. Hilarion als schwer zugängliches Kloster, die Byzantiner befestigten es, um gegen die Piraten gewappnet zu sein. Venezianer schleiften die Burg schließlich nach 1849 - sie hatten Angst, sie könne als Unterschlupf aufrühreischer Adeliger dienen.

Bis heute ist unterhalb der imposanten Burganlage Militär stationiert - man sieht die Soldaten nicht nur, sondern hört sie auch schießen - übrigens mit scharfer Munition.

Gipfelstürmer

Der Gipfelsturm an Zyperns Nordküste ist der erste Höhepunkt der HNA-Leserreise auf die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Eine erste Zwischenbilanz könnte nicht besser ausfallen: Alle Reisenden sind voll des Lobes: Das Hotel stimmt, die Betreuung ist gut, die Insulaner nett. Besser könnte es kaum sein.

Für gute Stimmung sorgt nicht zuletzt Mehmet, der Reiseleiter. Seine Vorfahren hat es irgendwann aus Krakau ans Mittelmeer verschlagen - weshalb der Zypriote Mehmet einen unaussprechlichen polnischen Nachnamen trägt. Doch den muss man sich ohenhin nicht merken. Mehmet hat einen Spitznamen: Rotkäppchen. Denn die knallrote Kopfbedeckung gehört zu Mehmet wie die brennende Sonne zu Zypern.

Rotkäppchen informiert nicht nur, sondern unterhält. Mischt Anekdoten, deren Wahrheitsgehalt mitunter durchaus bezweifelt werden kann, mit Fakten. Den angereisten Nordhessen gefällt das - und wenn es einmal schläfrig im Bus werden sollte, schenkt Mehmet zur Aufheiterung Raki aus.

Dann prosten sich alle zu - auch Helga und Karl-Heinz Saur aus Kassel. Mit HNA-Leserreisen war das Ehepaar schon in Jordanien, und auch sonst sind die beide weit gereist - bis nach Alaska, zum Beispiel.

Auch ihre erste Bilanz für Zypern fällt positiv aus: Guter Flug, schöner Flughafen (Helga Sauer: "Für Kassel-Calden müsste man noch viel mehr Reklame machen."), ein großes Hotel, das in Ordnung ist. Und vor allem: "Alle geben sich hier unheimlich viel Mühe", sagt Helga Saur.

Nach einer Weinprobe mit Oliven und frischem Käse am Rande der Abtei Bellapais sitzen Gudrun und Wilfried Tampe aus Schauenburg-Breitenbach sowie deren Freunde Anita und Willi Kothe in der Sonne. Sie sind beeindruckt von der Schönheit der Abtei, die schon in byzantinscher Zeit Sitz des orthodoxen Bischofs von Girne gewesen sein soll. Auch die befreundeten Ehepaare sind mit der HNA nach Zypern gereist - und sie sind zufrieden. Gutes Hotel, grandioses Frühstücksbuffett. "Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt", bemerkt Willi Kothe. Dabei blinzelt er in die Sonne. Die macht auf Zypern wie immer Überstunden - ganz kostenlos. Heute waren es 24 Grad im Schatten.

+++ 8. April: Ankunft auf Zypern +++

Erste Eindrücke: Flug ruhig und gut. Überraschend: Essen an Bord schmackhaft und kostenlos. Freundliches Personal. Durchsagen aber nur auf Türkisch, das Englisch war nicht zu verstehen. Hotel Salamis Conti Bay: Nach türkischem Standard fünf Sterne, man muss aber nach deutschen Kriterien wohl so eineinhalb abziehen. Dennoch komfortabel: Renovierte, fast luxuriöse Zimmer mit tollem Blick auf Bucht und Meer.

Riesige Swimmingpools so um die 19 Grad. Man kann Schwimmen bei einer Lufttemperatur um 24 Grad und Sonne. Das Meer ist auch 19 Grad warm. Frühstücksbuffet äußerst üppig und lecker. Stimmung unter den HNA-Leser gut. Viele kennen sich untereinander und waren schon oft mit der HNA unterwegs. Fast wie ein Familienausflug. Jetzt geht es zum Ausflug ins Landesinnere und an die Nordküste. (tho)

+++ 8. April: Abflug in Kassel-Calden +++

Kellner Fabio vom Flughafenrestaurant schleppte eifrig Orangensaft mit Sekt heran. Dazu gab es Lachs oder Käsebrötchen. „Wir auf dem kleinen Flughafen verwöhnen eben unsere Kunden. Das können die in Frankfurt nicht“, sagte Fabio nicht ohne Stolz.

Die Verpflegung vor dem Flug war ein Service der Flughafen GmbH Kassel-Calden. Frisch gestärkt machten sich am Montag Passagiere auf den Weg nach Nord-Zypern. Dort warten ungetrübte Ferientage mit Temperaturen bis 27 Grad. Von der Krise ist im türkisch besetzten Teil der drittgrößten Mittelmeerinsel nichts zu spüren.

Die Mehrzahl der Passagiere, die mit einem vollbesetztem Flugzeug der türkischen Omur abhoben, waren HNA-Leser. Zum ersten Mal - und das nur wenige Tage nach Flughafeneröffnung - ging eine HNA-Leserreise ab Kassel-Calden. Die Vorfreude war bei allen groß und so gab es schon zweieinhalb Stunden vor dem Flug Schlangen vor den Check-In-Schaltern.

Unter den Wartenden: Gudrun und Jochen Schüßler aus Kassel. Sie sind schon alte Hasen, was die HNA-Leserreisen betrifft und in Süd-Zypern waren sie auch schon. Da lag es nahe, sich auch den Norden der Insel anzuschauen. Und außerdem: Die HNA-Leserreisen waren „immer schön“, sagt das Ehepaar.

Nicht alle Passagiere waren aus Kassel oder Nordhessen angereist. Zwei kamen sogar aus Frankfurt, um von Calden aus in den sonnigen Süden zu fliegen. Uschi Arbold und ihre Freundin Inge Casper wohnen in Frankfurt-Sachsenhausen und finden, dass man Kassel-Calden unterstützen soll.

Dass sie in Nordhessen starteten, liegt aber vor allem daran, dass man in Kassel Bekannte hat. Und so ist es eine zwölf Frauen und Männer starke Truppe, die eine Woche in Zypern zubringen wird. Dabei sind auch Petra und Holger Weber, die auf der Insel ihre Silberne Hochzeit feiern werden.

Die HNA hatte für alle Reisenden kleine Geschenke wie Kofferbänder, kleine Notizblöcke, Schlüsselanhänger und Kappen parat. Und vor dem Flug gab es noch eine kostenlose Busfahrt: eine Besichtigungstour über den neuen Flughafen.

Von Frank Thonicke

Die HNA wird täglich auf HNA.de online aus Zypern über die Leserreise berichten.

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