Besucher enttäuscht: Am Flughafen in Calden ist nichts los

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Enttäuscht vom Flughafen ohne Flugzeuge: Monika und Andreas Best mit ihren Söhnen Luca (vorn links) und Fabian hatten gehofft Starts und Landungen zu sehen.

Calden. Besucher, die am Wochenende den Flughafen Kassel-Calden besuchten zeigten sich enttäuscht. Der Tenor: Da ist nichts los.

Wild umhersausende, schwer bepackte Menschen, Lautsprecherdurchsagen, Gedränge, schlechte Luft - das ist nur einiges, was einem durch den Kopf geht, wenn man an Flughäfen denkt. In Calden ist es anders. Dort ist nichts von der typischen Flughafenhektik zu spüren. Hier ist das Kontrastprogramm angesagt. Kurz: es ist so gut wie nichts los.

Dass sich hier keine Menschenmassen aufhalten, lässt einen schon der Parkplatz erahnen. Fünf oder sechs Autos stehen hier am Samstagmittag. Etwas weiter am Eingangsbereich, dort wo man des Karomusters wegen besser nicht lange auf den Boden schaut, wartet ein Bus. Gebracht hat er niemanden und mitnehmen wird er auch keinen. „Alle halbe Stunde fährt ein Bus den Flughafen an - jetzt im Winter wird das Angebot leider kaum genutzt“, sagt der Busfahrer.

Menschenleer wirkt der weiträumige Terminal beim Betreten. Doch nur auf den ersten Blick. Am Infopoint sitzt eine etwas gelangweilt wirkende Dame. Im motzigen Ton wird sie von einem enttäuschten Besucher gefragt, wann hier denn endlich mal wieder eine Maschine in die Luft gehen würde. Es folgt eine knappe Antwort und der Verweis auf eine Broschüre. Anschließend wirft der Mann aus Bofen noch einen Blick in den Souvenir Shop und scherzt: „Eine Schokolade für 1,40 Euro - hier wird wohl versucht, das rausgeschmissene Geld wieder rein zu holen.“

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Am anderen Ende des blitzblank geputzten Bodens, in dem sich Dutzende von Neonlichtern spiegeln, ist das Flughafen Bistro mit dem gerade nicht so passenden Namen Up and away geöffnet. Denn außer einigen kleinen Privatfliegern gehen hier im Winter nicht viele in die Höhe. „Wenigstens ein paar kleine Maschinen beim Starten und Landen wollten wir sehen, aber hier passiert ja gar nichts“, erklärt Andreas Best, der vor allem seiner Kinder wegen den Flughafen angesteuert hat. Da sie in der Nähe gewesen seien, hätten sie einen Abstecher hierher gemacht, seien einmal durch den Terminal gelaufen und würden nun wieder heim zum Edersee fahren.

Kritisch sind die Worte von Alexandra Söhns aus Höxter, die ebenfalls um die Mittagszeit hier pausieren will. „Sie halten es ja nicht mal für nötig, die Anzeigetafeln auszuschalten“, sagt sie. Einige Male sei sie schon abends vorbei gekommen und alles sei hell erleuchtet gewesen - obwohl hier nichts los sei, würde der Komplex ja Unmengen an Energie- und Personalkosten verschlingen.

Nicht alle, die am Samstag den Flughafen in Calden besuchten, äußerten sich negativ. Christel Thöne aus Kassel feierte sogar ihren 59. Geburtstag am Airport.

„Ich war schon Testperson hier, habe den ersten Flug nach Antalya mitgemacht und würde am liebsten nur noch von hier fliegen“, bemerkt die Rollstuhlfahrerin.

Sie hätte am Flughafen nichts auszusetzen, sondern möge ihn so sehr, dass sie sogar hier ihren Geburtstag ausrichte.

Auch wenn der Blick anstatt auf Flugzeuge auf fünf Schneeschieber gerichtet ist, so lässt sich die Kasselerin nicht davon abbringen dass es hier ein „echter Wohlfühlflugenhafen ist“.

Impressionen vom Flughafen

Impressionen vom Flughafen Kassel-Calden

Von Tanja Temme

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