Aufwind am Airport Kassel schafft neue Arbeitsfelder

Fluggesellschaft Sundair sucht Flugbegleiter in der Region

Kassel. Ab Juli hat ein Airbus der Fluglinie Sundair seine feste Heimatbasis am Flughafen Kassel. Dafür sucht Sundair derzeit nach Flugbegleitern - inklusive Auswahlveranstaltung.

Ein Airbus der neuen Fluggesellschaft Sundair wird ab Juli seine feste Heimatbasis am Flughafen Kassel haben und Nordhessen 13 Mal wöchentlich mit touristischen Zielen verbinden. Dafür stellt Sundair zurzeit Flugbegleitungspersonal ein und bildet auch Berufsanfänger aus.

Für eine Auswahlveranstaltung am Mittwoch, 22. Februar, am Flughafen in Calden können sich noch Interessenten bewerben, sofern sie – neben anderen Kriterien – in maximal 50 Kilometer Umkreis um den Flughafen wohnen.

Mehr Informationen zur Bewerbung gibt es auf der Internetseite der Fluggesellschaft Sundair.

Für eine weitere Maschine, die Sundair schon zum 1. April in Frankfurt stationieren will, ist die Crew nach Angaben des Unternehmens bereits vollständig rekrutiert. Für jede Maschine würden etwa 22 Personen Kabinenpersonal benötigt – das sind rund fünf Mal so viele Flugbegleiter, wie auf jeder einzelnen Strecke mitfliegen. Denn Personalwechsel und vorgeschriebene Ruhezeiten, Urlaube und Krankheitsausfälle müssen eingeplant werden.

Für Kassel liegen laut Sundairs Crew-Ausbildungsleiterin und Kabinenpersonalchefin Vera Lazic schon einige Bewerbungen vor, zum Teil auch von berufserfahrenen Flugbegleiterinnen. Die Resonanz sei bisher aber deutlich geringer als für Berlin-Tegel, wo das Unternehmen ebenfalls zum 1. Juli ein drittes Flugzeug stationiert.

Vier bis fünf Wochen Ausbildung

Lazic hofft, dass sich der Bewerber-Puffer für Kassel noch erhöht. Denn es könne immer sein, dass jemand zum Beispiel nach dem Auswahltag eine Zusage erhalte, dann aber die flugmedizinische Untersuchung nicht bestehe, die der weiteren Ausbildung vorgeschaltet ist.

Diese dauert vier bis fünf Wochen, wobei laut Sundair Trainingseinrichtungen von Lufthansa genutzt werden: In Frankfurt und an weiteren Standorten gibt es Kabinenattrappen sowie Flugzeugsimulatoren, an denen zum Beispiel Evakuierungen geübt werden.

Dort sollen auch schon Simulator-Termine gebucht sein für Piloten, die die Airbusse von Sundair fliegen werden.

Hintergrund: So wird man Flugbegleiter 

Wie wird man eigentlich Flugbegleiter oder Flugbegleiterin? Gegenüber der HNA hat dies Sundairs Crew-Personalleiterin Vera Lazic erläutert.

Bewerbung

Für Mittwoch, 22. Februar ist am Airport Kassel ein Bewerbertag (Assessment Center) geplant. Dazu wird eingeladen, wer zuvor seine Bewerbungsunterlagen an Sundair geschickt hat. Die Stellenausschreibungen stehen auf der Website sundair.com unter „Karriere“. Einige Kriterien: Mindestalter 18 Jahre, Wohnort maximal 50 Kilometer von Calden entfernt, sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse sowie eine Mindestgröße von 1 Meter 65. „Das hat nichts mit irgendwelchen Idealmaßen zu tun“, erläutert Vera Lazic: „Wir müssen schlicht und einfach die Gepäckfächer gut erreichen können.“

Auswahltag

Das ganztägige Assessment Center in Calden läuft nach ihren Worten dann so ab: Nach einer Präsentation des neuen Luftfahrtunternehmens gibt es zunächst einen Englischtest (Lazic: „Ganz, ganz wichtig in der Luftfahrt“) und dann einen Allgemeinwissenstest.

Nach einer Mittagspause seien dann Rollenspiele angesagt, in denen die Aspiranten mit typischen, auch heiklen Situationen aus dem Flugbegleiter-Alltag konfrontiert werden. „Keine Sorge – das macht Spaß und es gibt auch immer was zu lachen“, sagt die Sundair-Ausbildungschefin. Es gehe auch „überhaupt nicht darum, einen Lösungsweg zu finden – das lernt man später in Schulungen“. Vielmehr solle bei solchen Übungen die Kompetenz und Geschmeidigkeit der Teilnehmer im zwischenmenschlichen Umgang zutage treten.

Abschließend werden laut Lazic noch Einzelgespräche geführt. Nach gut einer Woche stehe dann in der Regel fest, welche Teilnehmer ein Job-Angebot bei Sundair bekommen.

Training für den Job

Wenn dann die flugmedizinische Untersuchung bestanden wurde, geht es zur Grundausbildung für Flugbegleiter, die vier bis fünf Wochen dauert und in Trainingseinrichtungen der Lufthansa-Gruppe stattfindet. Dabei gehe es nicht nur um Service und freundliches Lächeln, sagt Vera Lazic, sondern um weit Anspruchsvolleres: etwa um Sicherheits- und Notfallroutinen, um die Handhabung von Notrutschen und Feuerlöschern, um das Festsetzen von aggressiven Passagieren („da werden wir von der Bundespolizei geschult“) und um eindeutige Kommunikation, was über den Wolken lebensrettend sein könne.

Das Spektrum der Verantwortung dort oben reiche „vom Schlaganfall bis zur Geburt an Bord“, sagt Vera Lazic. Sie selbst bringt das böse Spottwort für ihren Berufsstand ins Gespräch: „Ich habe persönlich kein Problem mit dem Begriff Saftschubse, aber er wird unserer anspruchsvollen Arbeit nicht gerecht“, sagt die 44-Jährige, die vor 23 Jahren bei LTU als Stewardess angefangen hatte und „noch immer von diesem Virus infiziert“ ist, wie sie mit so ansteckender Begeisterung schildert, dass man ihr das jederzeit abnimmt.

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