Flughafenchefin Maria Anna Muller berichtet Stadtverordneten

Flughafen Kassel-Calden: Mildes Wetter spart viel Geld

Kassel. Dass der Winter keiner ist, kommt dem Flughafen Kassel-Calden gelegen. Die Betriebsflächen schnee- und eisfrei zu halten, kann bis zu 4000 Euro täglich kosten.

So spart Kassels neuer Airport wegen der milden Witterung momentan viel Geld. Das Defizit gering zu halten, sei das Gebot der Stunde, sagte Flughafenchefin Maria Anna Muller in der jüngsten Sitzung des Stadtverordneten-Ausschusses für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen.

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Dort berichtete die Managerin über die Entwicklung des Flughafens seit dem Start am 4. April 2013 und die Pläne für die Zukunft. Mit 8,1 Millionen Euro Verlust wird in diesem Jahr gerechnet. „Das wird eingehalten“, verspricht die Chefin.

Auf die spannendste Frage hatte Muller freilich noch keine Antwort. Wann Turkish Airlines in diesem Jahr mit den regelmäßigen Linienflügen zwischen Calden und Istanbul beginnen will, „wissen wir nicht.“ Wünschen würde man sich den Mai, aber möglicherweise starte die Airline auch erst im Oktober. Fest steht: Turkish Airlines habe die beabsichtigten Flüge von Kassel nach Istanbul der Börsenaufsicht gemeldet. Das gilt in der Branche als sehr ernsthafte Willensbekundung.

Maria Anna Muller

Flughafen-Kritiker wie der Stadtverordnete Dr. Bernd Hoppe (Demokratie erneuern/Freie Wähler) wollten wissen, warum die Passagierzahlen so viel schlechter sind als die Prognosen. Fachleute hatten einst berechnet, dass bis 2015 bereits 560 000 Passagiere, 2020 etwa 640 000 Fluggäste ab Calden starten könnten. „Die Zahlen waren doch frei erfunden“, sagte Hoppe angesichts von 46 500 Passagieren in den neun Betriebsmonaten des Vorjahres.

Von der weltweiten Banken- und Wirtschaftskrise ab 2007 habe zur Zeit der Prognose niemand wissen können, erklärte die Flughafenchefin. In der Folge habe sich der Luftverkehr deutlich schlechter entwickelt. Seit zwei Jahren hätten alle Flughäfen mit Rückgängen im Passagierverkehr zu kämpfen, habe es noch nie so viele Pleiten bei Airlines gegeben. Vor diesem Hintergrund sei es erstaunlich, dass es in Calden gelungen sei, einen neuen Flughafen aufzubauen.

Prognosen seien nun mal unsicher, erinnerte Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) an frühere Großprojekte wie die Regiotram oder auch die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz. Das Parkhaus hatte anfangs „katastrophal schlechte Zahlen“, aber „heute haben wie eine Gewinnausschüttung.“ Sein Appell: „Der neue Flughafen braucht viel mehr Zeit.“

Von Jörg Steinbach

Rubriklistenbild: © dpa

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