„Flughafenbeihilfe unbegrenzt“

ZDF-"Heute Journal" spricht von Geisterkulisse am Airport und Dauersubvention

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Kein Flugbetrieb: Im Winter hob kein einziges Verkehrsflugzeug von Calden ab. Die wenigen Besucher verlieren sich auf dem Areal.

Calden. Dass der Flughafen Kassel-Calden auch im deutschen Fernsehen Beachtung findet, wissen wir spätestens seit Günter Jauchs Millionärs-Quiz. Der Moderator fragte vergangenes Jahr nach dem „Flughafen, den kein Schwein braucht“.

Am Montagabend war der Airport wieder Thema, diesmal im "Heute Journal" des ZDF. In dem Beitrag ging es um die Beihilfen der öffentlichen Hand für Flughäfen, die laut einer EU-Richtlinie nur noch zehn Jahre lang bis zum Jahr 2024 gewährt werden dürfen.

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Aufgemacht wurde die Sendung mit Bildern des völlig ausgestorben und verlassen wirkenden Caldener Airports. Der Kommentar sprach von einer „Geisterkulisse“ und erinnerte daran, dass den ganzen Winter kein einziges Verkehrsflugzeug von dort gestartet ist.

Die geringe Auslastung von nicht einmal 50.000 Passagieren im vergangenen Jahr führte dazu, dass der Flughafen einen Verlust von 6,6 Millionen Euro eingefahren hatte. Im laufenden Geschäftsjahr könnte das Defizit bei ähnlich schwacher Nachfrage sogar auf mehr als acht Millionen Euro anwachsen.

Solche Fehlbeträge dürfen nur noch bis 2024 vom Staat, also von den öffentlichen Anteilseignern, ausgeglichen werden. Das bestimmt die EU-Richtlinie, die allerdings Ausnahmen für Flughäfen von unter 700.000 Fluggästen im Jahr zulässt. Hier soll die Subventionserlaubnis noch vier Jahre länger, bis 2028, gelten.

Von dieser Fristverlängerung für „Bonsai-Airports“, wie "Heute Journal"-Moderatorin Marietta Slomka, sie zuvor bezeichnet hatte, war in dem Fernsehbeitrag jedoch keine Rede mehr. Dem Bericht zufolge könnte also auch Calden über die 14 Jahre hinaus dauerhaft subventioniert werden.

Dem hessischen Finanzministerium war davon gestern allerdings nichts bekannt. Sprecher Stefan Löwer wollte die Darstellung des Heute Journals" nicht bestätigen. Der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) in Berlin, war für eine Stellungnahme indes nicht erreichbar.

Ob er nun dauerhaft vom Staat bezuschusst werden kann oder nicht, die neue hessische Landesregierung drängt darauf, dass Kassel-Calden in den nächsten Jahren seine Verluste reduziert. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und Bündnis 90/Die Grünen vereinbart, dass das Defizit jährlich um jeweils zehn Prozent abgeschmolzen werden muss. Im Jahr 2017 will das Land dann überprüfen, wie weit die Vorgabe erfüllt worden ist.

Von Gerd Henke

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