„Jeder Reisende ist ein Argument“

Interview: Landrat Uwe Schmidt zur Beteiligung des Kreises am Airport

Kreis Kassel/Calden. 6,2 Millionen Euro Miese, das ist die Bilanz des Airports Kassel für 2016. Getragen werden muss das Defizit von den vier Anteilseignern.

Landrat Uwe Schmidt

Dazu zählen das Land Hessen (68 Prozent), die Stadt und der Landkreis Kassel (jeweils 13 Prozent) und die Gemeinde Calden (sechs Prozent). Für den Landkreis bedeutet dies, dass er 820 000 Euro zuschießen muss. Über das Defizit sprachen wir mit Landrat Uwe Schmidt (SPD).

Herr Schmidt, 6,2 Millionen Euro müssen die Anteilseigner der Flughafen-GmbH für 2016 zuschießen. Das ist viel Geld. Zuviel?

Uwe Schmidt: Im Vergleich zu anderen Projekten der Verkehrsinfrastruktur ist das eine vertretbare Summe – ich kann allerdings verstehen, dass dies für viele Menschen viel Geld ist. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass die finanzielle Beteiligung des Landkreises am Flughafenbetrieb sinnvoll ist. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass der Airport die aktuellen Chancen in der Zusammenhang mit Sundair für den weiteren Ausbau nutzen muss.

Der Landkreis ist mit 820.000 Euro dabei. Wenn Sie gegenrechnen: Was bringt der Flughafen dem Landkreis ein?

Schmidt: Bis auf die Jagdsteuer hat der Landkreis Kassel keine eigenen Steuereinnahmen. Wir profitieren also nur über die Steuereinnahmen der kreiseigenen Kommunen, die die Grundlage der Kreisumlage sind, von der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir sehen den Airport eher volks- als betriebswirtschaftlich. Ich habe den Eindruck, dass die große Mehrheit der Menschen im Landkreis Kassel und in der Region froh sind, dass es einen funktionierenden Regionalflughafen in Calden gibt. 

Außerdem gibt es am Flughafen Arbeitsplätze, die nur bestehen bleiben, wenn es den Airport gibt. Am Erhalt und der Schaffung von Arbeitsplätzen haben wir großes Interesse.

Mitgehangen, mitgefangen: Der Landkreis ist zum anteiligen Defizit-Ausgleich verpflichtet. Gibt es für Sie gleichwohl eine Schmerzgrenze?

Schmidt: Solange ich und die Mehrheit des Kreistags keinen Anlass sehen, an der Sinnhaftigkeit des Erhalts zu zweifeln, gibt es keinen Grund, den aktuellen Defizitausgleich infrage zustellen. Ich würde mit aber wünschen, dass das Land Hessen mit dem Blick auf den Kreihaushalt und den Schuldenabbau diese Belastung stärker berücksichtigen würde.

Wie sieht Ihre mittelfristige Prognose zur Entwicklung des Flughafens und damit auch der finanziellen Verpflichtungen des Landkreises aus?

Schmidt:Die Akzeptanz des Sommerflugplans und das Angebot des Winterflugplans sind aus meiner Sicht entscheidend für die weitere positive Entwicklung des Airports. Ich kann mir nicht vorstellen, dauerhaft einen Flugplatz zu finanzieren, auf dem keine Flugzeuge starten und landen. Jeder Reisende ist daher das beste Argument für eine Beteiligung des Landkreises am Flughafen.

Rubriklistenbild: © Pia Malmus

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