Flughafen Kassel baut das Frachtgeschäft aus

Paketdienst GLS fliegt Calden ab Januar vier Mal pro Woche an

Der Kassel Airport gewinnt als Frachtflughafen an Bedeutung: Neben Amazon wird künftig auch Deutschlands viertgrößter Paketdienst, General Logistic Systems, den Flughafen nutzen.

Das teilte das Flughafen-Management mit. Demnach wird die Tochter der britischen Post, Royal Mail, Kassel-Calden ab dem 3. Januar viermal wöchentlich anfliegen, um Pakete zwischen Großbritannien und dem Festland auszutauschen. Zum Frachtaufkommen machte der Airport keine Angaben. Die Flieger werden dienstags bis freitags, jeweils zwischen Mitternacht und 3.30 Uhr abgefertigt. 

Ganz klar: Nach dem misslungenen Start von Kassel Airport und den Pleiten, Pech und Pannen der ersten Jahre befindet sich der Flughafen jetzt im Aufwind. Mit dem Reiseveranstalter Schauinsland hat endlich ein kompetenter, seriöser und finanziell kerngesunder Spieler im europäischen Touristikmarkt die Vorzüge des Flughafens Kassel-Calden in der Mitte Deutschlands für sich entdeckt und zieht nun auch die Wettbewerber nach Nordhessen – ein wichtiger Baustein für eine positive Entwicklung am krisengeschüttelten Airport.

Aber der Flughafen kann mehr als nur Touristik. Zunehmend entdecken ihn auch Logistik-Unternehmen für ihre Zwecke. In Zeiten des stark wachsenden Online-Handels, der vor allem auch davon lebt, dass die bestellte Ware binnen 24 Stunden geliefert wird, müssen Paketzusteller und Internet-Händler ihre Logistik- und Lieferketten immer weiter optimieren. Der Erfolg im elektronischen Handel hängt nicht nur vom Preis, sondern auch von der Liefergeschwindigkeit ab.

Seit gut einem Jahr fliegt der Weltmarkführer im elektronischen Handel, Amazon, den Flughafen sechs Mal wöchentlich an, um hochpreisige Ware aus einem Zentrallager in Polen zur Weiterverteilung nach Mitteleuropa und Großbritannien zu schaffen. Das Frachtaufkommen ist seither sprunghaft gestiegen: von 49 Tonnen im Jahr 2014 auf 168 Tonnen 2015. Und in diesem Jahr wird ein Volumen von 1850 Tonnen erwartet. Zum Vergleich: In Paderborn sind es etwa 300 und in Erfurt 3400 Tonnen jährlich. Allerdings sind in der thüringischen Landeshauptstadt die mit Abstand größten Frachtflugzeuge der Welt, russische Antonov-Maschinen für Schwer- und Spezialtransporte stationiert, die dort für einen Großteil des Frachtaufkommens sorgen.

Dass mit GLS künftig auch ein Paketdienst von Kassel-Calden aus operiert, wertet den Airport als Frachtumschlagplatz weiter auf. Das Unternehmen mit seinem deutsche Zentraldepot Neuenstein im Kreis Hersfeld-Rotenburg verlegt seine vier wöchentlichen Frachtflüge mit mittelgroßen Fairchild-Maschinen wegen der idealen Verkehrsanbindung Kassels von Paderborn nach Calden „Im Vergleich zum Flughafen Paderborn liegt Kassel für uns geographisch günstiger“, erklärt Dr. Dietmar Rau, Director Express bei GLS.  GLS spart damit über 25.000 Transporter-Kilometer im Jahr an Anfahrt und vor allem auch eine Menge Zeit. Das dürfte nach Branchenschätzungen nochmals 200 bis 300 Tonnen jährlich zum Kassel Airport bringen.

GLS gehört mit einem Umsatz von gut 2,2 Milliarden Euro, 431 Millionen Lieferungen jährlich, 220 000 Kunden und 14 000 Mitarbeitern zu den großen der Branche in Europa. Die Festlandstochter der britischen Post ist mit 41 Zentrallagern und 700 Depots in 41 Ländern aktiv.

Rubriklistenbild: © Thomas Thiele

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.