Grünen-Fraktionschefin und BI-Sprecherin

Interview: Steffi Weinert über ihre Haltung zum Flughafen Calden

Calden. Der Flughafen Kassel-Calden ist ein wichtiges Thema in den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen in Wiesbaden. Darüber und über die Haltung der Landkreis-Grünen zu Calden sprachen wir mit Steffi Weinert:

Sie ist in Personalunion Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag und Sprecherin der Bürgerinitiativen gegen den Flughafen-Neubau.

Frau Weinert, es scheint, als hätten Sie ein Problem: Als Sprecherin der Bürgerinitiativen kämpfen Sie seit Jahren gegen den Neubau des Flughafens Calden, als herausragende Vertreterin der Grünen im Landkreis Kassel arrangieren Sie sich nun offenbar mit dem Großprojekt.

Steffi Weinert: Nein, wieso? Das Ziel der Bürgerinitiativen war es, den Neubau zu verhindern. Das haben wir leider nicht geschafft, da haben wir verloren. Die meisten Aktivisten sind weg. Es gibt aber durchaus auch jene, und zu denen gehöre ich, die jetzt noch Schadensbegrenzung betreiben wollen. Dabei geht es um den Lärmschutz und darum, das Defizit des Flughafens zu begrenzen.

Dazu hat Schwarz-Grün ja am Freitag eine Vereinbarung präsentiert. Das Defizit der Flughafen GmbH soll bis 2017 jährlich um zehn Prozent gesenkt werden. Spüren Sie Genugtuung? 

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Weinert: Für mich ist das ein Sieg der Vernunft. Hier geht es ganz praktisch um Schadensbegrenzung. Die Grünen im Kreistag fordern seit Langem, das Defizit von Kassel-Calden zu begrenzen. Mit dieser Forderung sind wir bisher aber immer abgeblitzt, zuletzt vergangene Woche. Vor diesem Hintergrund ist die gestern getroffene Vereinbarung ein echter Erfolg, den ich persönlich gut vertreten kann.

Halten Sie die vorgesehenen zehn Prozent weniger pro Jahr für erreichbar?

Weinert: Das wird die Aufgabe der Flughafen GmbH sein. Ich denke aber, dass die Reduzierung des Defizits der Flughafen GmbH jetzt auch bei Stadt und Landkreis Kassel sowie der Gemeinde Calden als kommunalen Anteilseignern des Flughafens nun in jedem Fall spürbar an Bedeutung gewinnen wird.

Wenn Sie die Vereinbarung von Schwarz-Grün zum Flughafen Calden gut vertreten können, warum sind Sie dann noch immer nicht Mitglied der Grünen?

Weinert: Glauben Sie mir: Im Herzen bin ich von jeher eine Grüne, ich habe immer grün gewählt. Auf der anderen Seite will ich im Vorfeld nicht gern in eine Schublade gesteckt werden. Ich will sachorientierte Politik machen. Damit dokumentiere ich auch, dass eine Parteimitgliedschaft für ein politisches Engagement nicht zwingend erforderlich ist.

Genau das wird Ihnen aber gerade vorgeworfen: dass die Grünen um der Macht in Wiesbaden willen bei Kernthemen wie dem Flughafen Kassel-Calden plötzlich eine Kehrtwende vollziehen.

Weinert: Das ist Unsinn. Die Position der Grünen und ihrer Kreistagsfraktion zum Flughafen hat sich nicht geändert. Wir haben immer gesagt, dass der Neubau nicht gebraucht wird. Jetzt, wo er da ist, müssen wir dafür sorgen, dass der Flughafen nicht zum Fass ohne Boden wird. Dafür wird mit der gestern geschlossenen Vereinbarung gesorgt.

Was wird sich ändern, wenn die Grünen nun bald Regierungspartei sind?

Weinert: Ich sage mal ganz locker: Es ist immer leichter zu meckern, als Verantwortung zu tragen. Auch wegen des doch klar unterschiedlichen Gewichts der beiden Koalitionspartner wäre es illusorisch zu erwarten, dass die Grünen alle ihre großen Ziele umsetzen.

Was also sollen die Grünen Ihrer Meinung nach tun?

Weinert: Vielleicht wäre es das Beste, wenn sich die Grünen in der neuen Koalition auf ihre Kernbereiche konzentrieren würden.

Video: Flughafenchefin im Interview

Rubriklistenbild: © dpa

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