Magere Buchungszahlen im April: Tote Zeit für Flugreisen

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Die ersten Tage dürften ruhig bleiben am Flughafen in Calden: Erst vom Mai an sind die Maschinen so gut gebucht, dass Passagiere nicht mit Umbuchungen zu anderen Flughäfen rechnen müssen.

Kassel. Die sechs Passagiere, die den Flug am 5. April von Calden nach Antalya gebucht haben, könnten auch mit Taxis nach Paderborn gebracht werden, sagt der für den Flug zuständige „Airbroker“ Involatus.

Man habe auch das Angebot gemacht, dass die Passagiere einen Tag vorher nach Antalya von Calden mit dem Eröffnungsflug fliegen könnten – nach HNA-Informationen hat das mindestens ein Passagier angenommen.

Der Eröffnungsflug am 4. April, so Involatus-Chef Erkan Türkoral, sei gut gebucht - 100 Plätze seien in der Maschine schon weg. Generell gelte aber für den April: Tote Zeit für Flüge, nicht nur in Kassel, sondern auch in Paderborn oder Düsseldorf. Wer ab Calden gebucht habe, müsse damit rechnen, dass sein Flug mit anderen Flügen zusammengelegt werde.

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Anders sehe das schon ab Mai aus: Da liefen die Buchungen ab Calden hervorragend, sagt Erkan Türkoral. Schon jetzt seien die Maschinen nach Antalya bis zu 60 Prozent ausgebucht. Und ein infrage stehender Flug am 12. April ab Kassel werde nun definitiv stattfinden, so Klaus Spohr vom Reisebüro Wimke.

Flughafen-Chefin Maria Anna Muller kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „So was wie in Kassel habe ich noch nie erlebt“, sagt sie. Das Hickhack um den Flughafen liege wohl auch daran, dass man in Kassel bisher keine Flugerfahrung habe. Obwohl: Dass Involatus sechs Passagiere nun ausgerechnet nach Paderborn umbuche, passt auch Maria Anna Muller aus Imagegründen nicht: „Leute, das könnt ihr doch nicht machen“, war ihre Reaktion.

Was viele aufregt, sei für Experten ganz normal, sagt die Flughafen-Chefin weiter. Ins gleiche Horn stößt Erkan Türkoral von Involatus: In schwachen Zeiten müssten Passagiere damit rechnen, umgebucht zu werden und Zwischenlandungen zu ertragen. Apropos Zwischenlandung: Die Rewe-Flüge dienstags nach Antalya gehen von Calden direkt in die Türkei, zurück geht es über Rostock nach Calden, so das Reisebüro Wimke.

Weiteres Problem in der Startphase von Calden: Es gibt noch keine vollen Rückflüge. Das heißt: Wenn in Antalya 150 Kasseler stünden, die in die Heimat wollen, würde man auch eine fast leere Maschine von Calden aus dorthin schicken.

Und Mallorca? Die Flüge seien bisher nicht so gut gebucht wie die nach Antalya, heißt es. Ein Grund: Die im Vergleich zu Paderborn ungünstigeren Flugzeiten. Mit wem man konkret auf die beliebteste Insel der Deutschen nun starten wird, konnte man bei Rewe gestern noch nicht sagen: Die Verhandlungen dauern an.

So sieht es im Inneren des Flughafens aus

So sieht es im Inneren des Flughafens Kassel-Calden aus

Rechtsexperte: Fahrtkosten trägt der Veranstalter

Für Reisende bedeutet die Änderung bei den Flügen erhebliche Umwege. Wir sprachen mit Herbert Engelmohr (52), Jurist des Automobilclubs von Deutschland (AvD).

Herr Engelmohr, wie ist eine Änderung des Abflug- beziehungsweise Zielflughafens zu bewerten?

Herbert Engelmohr: Entscheidend ist zunächst, ob die Änderung der Reiseleistung im Vertrag vorgesehen ist. Ist sie es nicht, liegt also eine verbindliche Zusage auf einen bestimmten Flug vor, stellt diese Änderung grundsätzlich eine Änderung der Reiseleistung im Rechtssinne dar. Das ist ein Reisemangel nach Abschluss des Vertrags. Es handelt sich klar um eine Reiseleistung, die nicht so erbracht wird, wie gedacht. Der Mangel löst Gewährleistungsrechte aus bis hin zu Schadensersatzansprüchen.

Wie sollten sich Kunden verhalten?

Engelmohr: Reisende sollten das nicht einfach hinnehmen. Sie sollten den Reiseveranstalter schriftlich darauf hinweisen, dass es sich um eine Abweichung vom Vertrag handelt und er dafür eintreten muss. Nehmen die Reisenden die Änderung trotz vorheriger Kenntnis einfach an, gilt der Vertrag mit den Änderungen weiter, weil der Reisende dann ja gerade sein Einverständnis damit zeigt.

Kann ich von der Reise zurücktreten?

Engelmohr: Ein Reiserücktritt dürfte in den allermeisten Fällen nicht ohne Weiteres möglich sein, weil die Änderung der Reiseleistung erheblich, auch unter Abwägung der restlichen Reiseleistungen, sein müsste. Nein, davon würde ich absehen. Das geht nur, wenn der Veranstalter darauf eingeht.

Wie sieht es mit Umbuchungen aus?

Engelmohr: Grundsätzlich ist das denkbar. Der Reiseveranstalter muss dafür sorgen, dass die Urlauber in der vereinbarten Weise zum Ziel kommen. Das muss aber alles im Rahmen bleiben: Ich kann nicht verlangen, von der Economyklasse auf die erste Klasse umgebucht zu werden.

Muss der Reiseveranstalter für die Reise zum neuen Flughafen sorgen?

Engelmohr: Der Veranstalter trägt die Verantwortung für die einseitige Leistungsänderung, also gehen die zusätzlichen Kosten zu seinen Lasten. Kunden sollten fordern, dass der Reiseveranstalter sie zum anderen Flughafen auf seine Kosten bringt, anderenfalls die sogenannten Verbringungskosten übernommen werden. Das wären die Reisekosten zwischen Paderborn und Calden. (gör)

Von Frank Thonicke

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